Handwerklich wieder großartig, mit wunderbar verwobenen Zeitebenen und sogar einem "Buch im Buch", aber auch mit einigen Längen.
Adelaide Hills, Australien, 1959: Eine Familie picknickt gemütlich an einem Bach. Als etwas später ein Mann aus dem Nachbarort zufällig dort vorbeikommt, stößt er auf ein erschütterndes Todesszenario. Die Polizei beginnt zu ermitteln, doch der Fall bleibt ein einziges Rätsel.Fast sechzig Jahre später wird die Journalistin Jess aus England zurück nach Australien gerufen. Ihre Großmutter Nora liegt nach einem Unfall im Sterben. Geschwächt und verwirrt, murmelt Nora Unverständliches vor sich hin. Der Sinn erschließt sich Jess erst, als sie eine überraschende Verbindung zu den tragischen Geschehnissen in den Adelaide Hills herstellt - und zu ihrer eigenen Familiengeschichte.Kate Morton schätze ich ja sehr für ihre aufwendigen, packenden Romane, die ja meist voller falscher Fährten und unerwarteten Wendungen stecken und mehrere Zeitstränge gekonnt zu verbinden wissen.Hier bewegen wir uns zwischen den Jahren 1959 und 2018 und anfangs konnten mich beide Zeitstränge auch problemlos packen.Allerdings wurden schon recht früh ein paar Längen deutlich, da es nur sehr langsam voran geht, so merkt Jess erst nach gut 200 Seiten, dass es überhaupt ein Familiengeheimnis gibt und auch danach geht es eher schleppend voran.So richtig schwierig wurde es dann aber erst, als Jess aufgrund ihrer Nachforschungen auf ein Buch von Daniel Miller trifft, der eine fiktionalisierte Version der Ereignisse von 1959 veröffentlicht hat und wir dieses Buch dann zusammen mit Jess lesen.Ja, richtig: Wir lesen das Buch! Keine Auszüge oder einzelne Kapitel. Wir lesen mit Jess das ganze Buch, Stück für Stück, Kapitel für Kapitel, immer mal wieder ein neues Stück.Das war mir einfach zu viel des Guten.Zwar empfand ich dieses Buch im Buch handwerklich wirklich großartig gemacht - immerhin hat hier Kate Morton einfach noch mal ein ganzes Buch für ihr Buch geschrieben und eben nicht nur einzelne Auszüge -, aber es hat die Handlung einfach viel zu sehr in die Länge gezogen.Außerdem habe ich ständig darauf gewartet, dass Kate Morton mich hier auf die eine oder andere falsche Fährte führt, allerdings habe ich den großen Twist dieses Buches schon sehr früh erahnt und war dann auch nur noch von ein oder zwei Kleinigkeiten im Verlauf der Handlung überrascht.Das hat Kate Morton definitiv schon mal besser hinbekommen.Auch dass Nora mir im Verlauf des Buches immer unsympathischer wurde, hat nicht gerade geholfen, auch weil sie selbst gar keine Möglichkeit mehr bekommt, um verschiedenste Dinge klar zu stellen.Das war mindestens so frustrierend wie die Tatsache, dass wir nicht erfahren, ob Polly und Jess ihre Beziehung tatsächlich wieder richten können. Zwar gab es dort einige positive Anklänge, aber ich hätte mir so sehr einen Ausblick oder Epilog oder Ähnliches gewünscht, um zu erfahren, wie es mit ihnen (und vielen anderen kleinen offenen Fragen) weitergegangen ist.Fazit: Insgesamt wieder ein vielschichtiges Buch, mit wunderbar herausgearbeiteten Zeitsträngen, die toll miteinander verwoben wurden und bildgewaltiger Sprache, die mich schnell packen konnte.Allerdings gibt es auch so einige Längen, da einiges viel zu ausschweifend erzählt wird. Dazu war der große Twist dieses Buches schon früh zu erahnen und mir wurden auch nicht wirklich alle Fragen beantwortet.Da es handwerklich aber einfach großartig ist, bin ich trotzdem wieder bei 4 Sternen gelandet.