¿Jungs können alles sein. Mädchen auch.¿
Ich finde es großartig, dass Anton in dem Bilderbuch "Anton will Prinzessin sein" von Kerstin Löwe und Katja Schmiedeskamp so unbeirrbar bei seinem Wunsch bleibt. Er lässt sich nicht davon abbringen, Prinzessin zu sein - auch nicht von seiner Schwester Ella, die ihm andere Kostüme vorschlägt. Genau das macht die Geschichte für mich so stark: Kinder erleben hier, dass es okay ist, bei sich selbst zu bleiben, egal, was andere sagen.Gleichzeitig zeigt das Buch, wie früh Kinder mit Geschlechterklischees konfrontiert werden. Der Satz "Aber du bist ein Junge!" wirkt auf den ersten Blick harmlos, kann aber viel auslösen. Eltern bemühen sich oft, Rollenbilder aufzubrechen, doch der Einfluss von Kindergarten, Schule und Freunden ist groß. Ich erinnere mich gut daran, wie mein eigenes Kind plötzlich meinte, ein bestimmtes Kleidungsstück sei nur für Jungen - obwohl es bei uns zu Hause keine solche Einteilung gab. Da wird deutlich, wie tief solche Denkmuster sitzen, selbst wenn man sie im Alltag bewusst vermeidet.Was mich am Erzählstil etwas gestört hat, ist, dass Ella ihrem Bruder zunächst nicht wirklich zuhört. Anton sagt sehr klar, dass er Prinzessin sein möchte, doch Ella kontert jedes Mal mit einem anderen Kostümvorschlag. Dieses ständige Wiederholen kann einerseits anstrengend wirken, andererseits spiegelt es vielleicht genau das Verhalten wider, das viele Erwachsene zeigen: statt einfach zuzuhören, meinen sie besser zu wissen, was passt.Die Illustrationen sind zweifellos ein Highlight. Farbenfroh, lebendig und ausdrucksstark unterstützen sie Antons Geschichte auf eine Weise, die Kinder sofort anspricht. Allerdings hätten die Figuren für meinen Geschmack noch vielfältiger gestaltet sein können. Von sieben Kindern sind fünf weiß, und obwohl die Geschlechter auf den Gesichtern nicht klar festgelegt sind - was ich positiv finde -, bleibt die Darstellung in puncto Diversität hinter den Erwartungen zurück. Hier wäre noch mehr möglich gewesen.Trotz kleiner Schwächen ist die Botschaft eindeutig und wichtig: Kinder sollen alles sein dürfen, unabhängig von Geschlecht und Erwartungen. Genau das bringt die letzte Seite wunderschön auf den Punkt: "Denn: Jungs können alles sein. Mädchen auch."©2025 adlatb