Jeder hat seine eigene saudarke Scheiße.
**** Mein Eindruck ****
Die Sprache ist das wohl prägendste Element dieses Buches und genau dadurch entfaltet es seine unglaubliche Stärke. Sie ist roh, direkt, vulgär, beleidigend, manchmal schmerzhaft ehrlich und immer wieder überraschend treffend. Die Worte stoßen ab und ziehen gleichzeitig an. Sie passen zu den Figuren, zu ihren Wunden, ihrer Wut und ihrer Unfähigkeit, manches anders auszudrücken. Selten blitzen ruhigere, fast sanfte Momente auf und gerade dann trifft die Wahrheit dahinter umso härter.
Die Geschichte begleitet die Protagonistin und Trice, aber auch eine Freundesgruppe, die einmal alles füreinander war und nun teilweise wieder zueinanderfindet. Szenenhaft erleben wir ihre Beziehungen, immer aus der Perspektive der Protagonistin. Die Erzählung fließt ineinander, wirkt stellenweise wie ein Fiebertraum und fängt damit die hitzige Sommeratmosphäre perfekt ein.
Der Titel mit dem schlafenden Hund bekommt dabei eine besondere Bedeutung. Er wirkt zunächst eindeutig, entwickelt aber im Verlauf der Geschichte immer mehr Ebenen. Gerade der Umgang mit diesem Motiv ist verstörend, herausfordernd und eng mit der Protagonistin verbunden. Man möchte verstehen, nachfühlen und gleichzeitig am liebsten wegsehen.
Obwohl das Buch mich auf seinen kranken Mist vorbereitet hat, konnte es mich immer wieder überraschen und erschüttern. Mehr als einmal dachte ich: Das kann jetzt wirklich nicht passieren. Die Erzählung fühlt sich dabei so echt an, dass ich manche Situationen fast nicht wahrhaben wollte, um noch an das Gute in den Figuren glauben zu können.
Nicht alles ist hier schwarz humorvoll aufzulösen. Manche Szenen sind schlicht erschreckend und gerade dadurch so intensiv. Ich habe selten eine Geschichte gelesen, die so viel rohe Wut, Schmerz und Verzweiflung transportiert. Es ist Coming-of-Age, aber auf eine ungefilterte, unbequeme Art. Im Zentrum steht die Frage nach dem Monster wer eines ist, wer dazu gemacht wird und wie sehr Leid, Abhängigkeit und eine falsche Gemeinschaft Menschen verändern können.
Die Geschichte arbeitet sich Stück für Stück auf eine zentrale Erkenntnis hin und lässt die Antwort am Ende bewusst offen. Vielleicht muss sie auch jeder für sich selbst finden. Für mich bleibt vor allem der Gedanke, dass Loslassen manchmal der mutigste Schritt ist.
Es geht doch genau darum, dass man sich umdrehen muss, auch wenn es schmerzhaft ist. Sonst weiß man doch gar nicht, was man zurücklässt.
**** Empfehlung? ****
Für alle, die sich auf eine sprachlich außergewöhnliche, unbequeme und intensive Coming-of-Age-Geschichte einlassen möchten. Dieses Buch will nicht gefallen es will etwas auslösen. Und genau darin liegt seine größte Stärke.