In "Aylas Lachen" begleiten wir drei Generationen einer türkischen Familie, die versuchen den Spagat zwischen zwei Kulturen zu meistern. Zunächst sind wir an der Seite des "schönen" Mesuts. Es ist 1945 und der junge Mann wächst Lebensweg in einem kleinen Dorf im Hochland Zentralanatoliens. Dann lernen wir seine Kinder im Allgemeinen und seine älteste Tochter Hava im Speziellen genauer kennen. Sie verlässt gemeinsam als junge Frau ihre Heimat mit einem Mann, den sie nicht liebt und zieht mit ihm nach Deutschland an den Bodensee. Doch dort findet sie nicht das Glück, das sie sich erhofft hatte. Ihre Ehe verläuft unglücklich, und der Mann, den sie einst liebte, den sie nicht heiraten durfte, bleibt eine Leerstelle in ihrem Leben.Lenz Koppelstätter entführt uns mit seinen charakterstarken ProtagonistInnen in unterschiedliche Lebensgeschichten dreier Generationen. Jede/r von ihnen ist auf Grund ihres/ seines Geschlechtes, ihrer/ seiner Zeit, ihres/ seines Wohnortes und ihres/ seines Alters mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Da ist Mesut, der seinem Dorf immer gedanklich entflieht und sich fort in fremde Länder träumt. Da ist Hava, die in einem fremden Land ist, dort aber weder an noch zur Ruhe kommt. Sie möchte eigentlich nur zurück in ihr Herkunftsland, zu ihrer vermeintlich großen Liebe. Koppelstätters Geschichte zeichnet sich durch eine feine, atmosphärische Erzählweise aus. Dabei haben mir besonders die sommerlichen Textstellen gefallen, in denen Mesut unter dem Feigenbaum sitzt und seine Geschichte zum Besten gibt. Die Szenen werden so "dicht" und intensiv beschrieben, dass man meint selbst mit den ProtagonistInnen in der Sonne zu sitzen und zu träumen. Mit den Themen wie Migration, Herkunft, kulturelle Identität bzw. Selbstbestimmung trifft der Roman natürlich den aktuellen Nerv der Zeit. So viele Menschen denen es in heutiger Zeit ähnlich geht und die sich mit solchen oder ähnlichen Gegebenheiten auseinandersetzen müssen. Was ich allerdings etwas vermisst habe, ist wie es denn den Angehörigen dieser Familie in der nächsten Generation mit diesen Themen geht. In welchem Ausmaß sind sie davon betroffen? Aylas Perspektive gerät an dieser Stelle hier nämlich etwas ins Hintertreffen. Der Fokus liegt nämlich doch eher auf Mesut und Havas Vergangenheit. Ayla hingegen bleibt stellenweise eher in beobachtender Haltung zurück. Ihre eigenen Wünsche bzw. Konflikte werden weniger stark beleuchtet. So wirkt sie manchmal eher wie eine Zeitzeugin als eine aktive Gestalterin ihres Lebens. Das finde ich schade.Fazit:Ein Roman, der kulturelle Unterschiede spürbar macht und gleichzeitig zeigt, wie verbindend familiäre Erinnerungen sein können. Absolut lesenswert!