Eher enttäuschender Plot.
Herr Suter kann es normalerweise besser. Deutlich besser. Schreiben kann er nämlich und das beweist er mit diesem Roman erneut, seine Formulierungen sind geschliffen und so angelegt, dass man gerne weiterliest. Mängel sehe ich jedoch bei diesem Roman in zwei Gebieten: Der Plot, der einfach überwiegend einfallslos ist und die Figur der Camilla. Der Plot ist eine Ansammlung an Klischees und genau das ist man von Herrn Suter nicht gewöhnt. Ich habe schon so viele Romane von ihm gelesen, dass ich behaupten möchte, dass er immer Wert auf besondere Handlungen, besondere Figuren und besondere Verhältnisse gelegt hat. Und hier ist alles anders, es fehlt die sutersche Raffinisse. Ein erfolgloser Maler, eine Frau, die sich wegen dieser Erfolglosigkeit und der Hoffnungslosigkeit trennt, obwohl sie ihn liebt, ein Reicher, zu dem sie wechselt, um dann festzustellen, dass der Preis, den sie dort zu zahlen hat, zu hoch ist, eine durchtriebene Persönlichkeit, die den Maler für ihre höchstprivaten Zwecke missbraucht und eine Auflösung, die wirkt wie aus der Retorte. Dann die Figur der Camilla, die ihren Maler verlässt, um der finanziellen Gründe wegen sich zur Edelhure eines Reichen zu machen, ist sicherlich eine überraschende Wendung im Roman, aber unglaubwürdig. Der Autor macht sich leider nicht die Mühe, Camillas Entscheidung, sich trennen zu wollen, authentisch wirken zu lassen. Er behauptet einfach, aber gibt keinen Einblick in ihre Gedanken- und vor allem Gefühlsmomente und erst recht nicht erfährt der Leser, weshalb sie zurückkehrt und das für immer, wie es behauptet wird. Auch hier wird komplett alles ausgespart, was ihr Verhalten glaubwürdig erscheinen lässt. Das kenne ich von Herrn Suter anders. Somit insgesamt ein recht enttäuschender Roman, aber in Anbetracht seiner sonstigen Werke, die durch die Bank weg auf deutlich qualitativ höherem Niveau daherkommen, sollte man einem so erfolgreich schreibenden Autor auch mal einen Fehltritt verzeihen, was ich hiermit tue.