
Besprechung vom 27.04.2026
Frosch mit Fremdsprachenkenntnis
Vom Konventionellen ins Komische: Matthew Diffees "Zipp Zapp Wiggedi Wagg" belebt das altvertraute Genre Bauernhofbilderbuch mit einer Überraschung.
Wie macht die Kuh? Und wie das Pferd, wie das Schaf? Schon klar. Jeder weiß das, und wer mit kleinen Kindern zu tun hat, geht mit etwas Glück die Laute der Bauernhoftiere durch, bis sie ihm zu den Ohren herauskommen. Und wie macht die Ziege? Oder, genauer gefragt: Wie macht die Ziege, wenn das Schaf schon "mäh" macht?
In Matthew Diffees Bilderbuch "Zipp Zapp Wiggedi Wagg" besteht jedes Tier darauf, das einzige zu sein, das macht, wie es eben macht. So wird es auch nichts mit "Oink" und "Nag-nag", mit "Kikeriki" oder "Quak", als Schaf und Ziege lieber auf einen anderen Laut ausweichen wollen, statt einen zu teilen. Doch da sind Schwein, Ente, Hahn und Frosch zur Stelle. Und dagegen.
Nach ausgiebigem Brüten - das Federvieh möge diese kulturelle Aneignung verzeihen! - kommt das Schaf schließlich auf eine Äußerung, die es auf der ganzen Erde doch wohl kein zweites Mal geben wird. Künftig will es "Zipp Zapp Wiggedi Wagg Bing Bang Walla Balla Flip Flap Schlappedi Schlapp Wing Ding Dilli" machen. Wer könnte etwas dagegen haben?
Prompt kommt ein Raumschiffchen herbeigeschwebt, kaum größer als eine Frisbeescheibe, dessen Insasse zu Protokoll gibt, genau das zu sagen. Warum die Tiere nicht einfach wiffeln würden? So werde es genannt, "wenn zwei oder mehr Leute Spaß daran haben, das Gleiche zu tun oder sich dabei abzuwechseln", erklärt das zarte rosige Wesen, und es ergänzt: "Oft entsteht zwischen den Wifflern eine ganz besondere Freundschaft, voller Vertrauen und Großzügigkeit."
Genauer gesagt: So nennt einzig der Außerirdische das, auf seinem Heimatplaneten ist er nämlich allein. Doch als die mitfühlenden Tiere seine Freunde werden wollen und anbieten, sein Raumschiff mit ihm zu wiffeln, droht er prompt mit Weltzerstörung und düst ab.
Mit seinem Bauernhofthema, den klassischen Buntstiftzeichnungen und seiner Vorstellung Tier für Tier bewahrt dieses Bilderbuch zunächst nicht mehr als der Titel vor dem Eindruck des Konventionellen an der Grenze zur Langeweile. Dabei ist auch für erwachsene (Vor-)Leser höchst vergnüglich, wie der mit seinen Zeichnungen für den "New Yorker" bekannt gewordene Künstler seine Geschichte im Nu ins Komische wendet, von dort ins Absurde, Abstruse und schließlich Moralische, um schließlich seiner Botschaft mit zwei gekonnten Kapriolen zwar nichts von ihrer Bedeutung, aber doch einiges an Gewicht zu nehmen.
Der Außerirdische hat die Tiere auf dem Bauernhof nämlich mit seiner Drohung, ihren Planeten in ein verkokeltes Marshmallow zu verwandeln, sollte irgendjemand sein Raumschiff auch nur anfassen, zwar nicht sonderlich beeindruckt. Aber sie merken bei der Gelegenheit nicht nur, dass der Kerl nicht teilen kann, noch schlechter wiffeln, sondern auch, dass er damit ziemlich arm dran ist. So macht man sich keine Freunde, da sind sich alle einig. Und dass sie bei allen Unterschieden genau das sind, Freunde, begreifen die neun Tiere ganz nebenbei. Teilen gehört genauso dazu wie die Schwierigkeit, immer teilen zu können. FRIDTJOF KÜCHEMANN
Matthew Diffee: "Zipp Zapp Wiggedi Wagg".
Aus dem Englischen von Bettina Münch. Moritz Verlag, Frankfurt 2026. 48 S., geb., 16,- Euro. Ab 3 J.
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