Auf Erden sind wir kurz grandios

Originaltitel: On earth we're briefly gorgeous.
Buch (gebunden)
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"Ein grandioses Buch! Eine Reise in die Vergangenheit, in die Kindheit, nach Vietnam, in die Gewalt und die Liebe." Sasa Stanisic - Der Debütroman von Ocean Vuong

"Lass mich von vorn anfangen. Ma ..." Der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutte … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Auf Erden sind wir kurz grandios
Autor/en: Ocean Vuong

ISBN: 3446263896
EAN: 9783446263895
Originaltitel: On earth we're briefly gorgeous.
Übersetzt von Anne-Kristin Mittag
Hanser, Carl GmbH + Co.

22. Juli 2019 - gebunden - 269 Seiten

Beschreibung

"Ein grandioses Buch! Eine Reise in die Vergangenheit, in die Kindheit, nach Vietnam, in die Gewalt und die Liebe." Sasa Stanisic - Der Debütroman von Ocean Vuong

"Lass mich von vorn anfangen. Ma ..." Der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutter, die ihn nie lesen wird. Die Tochter eines amerikanischen Soldaten und eines vietnamesischen Bauernmädchens ist Analphabetin, kann kaum Englisch und arbeitet in einem Nagelstudio. Sie ist das Produkt eines vergessenen Krieges. Der Sohn, ein schmächtiger Außenseiter, erzählt - von der Schizophrenie der Großmutter, den geschundenen Händen der prügelnden Mutter und seiner tragischen ersten Liebe zu einem amerikanischen Jungen. Vuong schreibt mit alles durchdringender Klarheit von einem Leben, in dem Gewalt und Zartheit aufeinanderprallen. Das kraftvollste Debüt der letzten Jahre, geschrieben in einer Sprache von grandioser Schönheit.

Portrait

Ocean Vuong wurde 1988 in Saigon, Vietnam, geboren und zog im Alter von zwei Jahren nach Amerika, wo er heute lebt. Für seine Lyrik wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt u.a. mit dem Whiting Award for Poetry (2016) und dem T.S. Eliot Prize (2017). Bei Hanser erschien zuletzt sein Debütroman Auf Erden sind wir kurz grandios (2019).

Pressestimmen

"Der Debütroman von Ocean Vuong ist ein literarisches Ereignis dieses Jahres." Khue Pham, Zeit Online, 01.10.19

"Vuongs Debütroman erzählt die ewige Geschichte von Krieg, Flucht und Fremde. Sie wirkt bis in die Sprache." ZDF Aspekte, 20.09.19

"Höchst intuitiv und dadurch überaus schön... Ocean Vuong ist es gelungen seine Erinnerungen zu erzählen, ohne in ihnen unterzugehen." Katharina Borchardt, SWR2 lesenwert, 23.08.19

"Ein langer, poetisch-zärtlicher Brief an diese Mutter, eine liebevolle und gleichzeitig therapeutische Abrechnung mit ihr und einem Umfeld, das viele Wunden schlug." Eva Karnofsky, WDR5 Bücher, 15.08.19

"Grandios mitfühl- und fassbar ... sprachlich prächtige wie überraschende Bilder." Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau, 13.08.19

"Ein eindrucksvolles Buch, geschrieben in einer poetischen Sprache. Ein Buch der Selbstvergewisserung durch das Scheriben über die eigene Geschichte. Einer Geschichte, die durch einen Krieg geprägt ist, der noch Generationen später das Leben der Menschen bestimmt." Fokke Joel, taz. 11.08.19

"Vuongs inniger, aphoristischer Ton und die zwischen Prosa, Essay und Gedicht changierende Form seines Romans hat in diesem heißen Juli bestimmt niemanden kalt gelassen." Süddeutsche Zeitung, 30.07.19

"Ein Buch, so schmerzgeladen und fragil, fremd und schön - man kann seine aus Fetzen gefügte Botschaft als einen der verstörendsten und wundersamsten Liebesbriefe lesen, die sich einem in jüngerer Zeit zwischen Buchdeckeln offenbarten." Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung, 26.07.19

"Hier kristallisiert sich heraus, was es heißt, wenn Klasse, Herkunft, Sexualität, auch Jugend und Alter, Stadt und Provinz, aufeinander wirken. Dass es kein Entkommen aus diesen Kategorien gibt, keine Insel der Normalität, ist eine schmerzhafte, aber lehrreiche Erkenntnis. Wenn es tatsächlich eine Great American Novel gäbe, so wäre genau diese ihre Botschaft und Ocean Vuong einer ihrer Autoren." Miryam Schellbach, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.19

"'Little Dogs' Erinnerungen dienen nicht der Erfindung einer stringenten identitäspolitischen Erzählung, sondern schaffen selbst Identität, wunderbar präzise und mit Sätzen, die den Bogen ins Lyrische spannen, so weit, wie, und weiter, als Prosa nur gehen kann. Hier spricht jemand, der außerhalb der Sprache steht und sich mit anspruchsvoller Inbrunst in ihr Inneres wühlt;" Miryam Schellbach, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.19

"Von der Schönheit in den Verhältnissen, die man nicht ändern kann: Ocean Vuong entwickelt mit seinem Debüt eine neue Form politisch engagierter Literatur. ... Er wählt eine Form, die zwischen Prosa, Essay, Gedicht changiert. Eine Form, die weniger auf Perfektion der Bilder, den langen Atem der Erzählung und immer vollends überzeugende Stimmigkeit der Gedanken setzt als auf Inspiration, auf den Drang etwas entstehen lassen zu wollen und dafür sprachlich Offenheit schaffen zu müssen." Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung, 22.07.19

"Hier kommt einer, der die Wunden der Menschheit in einem solch elektrisierend mutigen Verfahren erkundet, dass es weh tut. Es ist ein Text, der sich windet und häutet, die Genregrenzen außer Kraft setzt - und gleichzeitig erzählt er eine einfache Geschichte." Lisa Kreißler, NDR Kultur, 21.07.19

"Weil Vuong immer wieder beschreibt, wie er mit seiner eigenen Identität ringt und wie er trotz all der Fremdzuschreibungen und Rollenzuweisungen zum Autor seiner eigenen Biographie wird, ist sein Buch viel mehr als nur ein interessanter Einblick in die Welt einer ethnischen Randgruppe." Harald Staun, Süddeutsche Zeitung, 21.07.19

"Vor allem durch die schlaglichtartige Evokation von Augenblicken ist es das Werk eines Dichters, nicht das eines Epikers. ... Vuong setzt auf das unheimliche Aufleuchten einzelner Momente, die ihre Spannung daraus beziehen, dass sie sich gegenseitig erhellen." Georg Dotzauer, Tagesspiegel, 20.07.19

"Die ungewöhn

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 23.07.2019

Brief an eine Analphabetin

Ocean Vuongs Debütroman "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist das Buch der Saison in Amerika.

Wenn es eine Great American Novel gäbe, müsste sie in unserer Zeit eine Einwanderungsgeschichte sein. Sie könnte so aussehen: Ein Student im ersten Semester sitzt in einem Seminar über italoamerikanische Literatur an einem City College in Brooklyn. Es ist eines dieser öffentlichen Colleges im Schatten der mächtigen amerikanischen Eliteuniversitäten, das mit niedrigen Studiengebühren und Notfallstipendien Aufstiegsgeschichten verspricht. Von außen betrachtet, sieht auch die Geschichte von "Little Dog" wie eine Aufstiegsgeschichte aus. In Saigon in eine Reispflanzerfamilie geboren, im Kindesalter aus Vietnam mit Eltern und Großmutter nach Hartford, Connecticut, geflüchtet. Kurz nach der Ankunft verschwindet der Vater und überlässt den Sohn den beiden kriegstraumatisierten Frauen. Little Dog, der seine Nachmittage in den Nagelsalons verbringt, in denen seine Mutter das Familieneinkommen erarbeitet, ist der Erste in der Familie, der lesen und Englisch sprechen lernt, der Erste, der einen akademischen Weg einschlägt, der Erste, der offen homosexuell lebt.

Und doch erzählt "Auf Erden sind wir kurz grandios", der zu Recht vom Hanser Verlag sehr schnell übersetzte Debütroman des für seine Lyrik bereits vielfach geehrten, dreißigjährigen Amerikaners Ocean Vuong, keinen Aufstieg, sondern eine Heimkehr. Little Dog, in ebenjenem Seminar zur Literaturgeschichte sitzend, erhält eine Facebook-Nachricht, die ihn über den Heroin-Tod des geliebten und kürzlich verlassenen Freundes Trevor informiert. Paralysiert steht er auf, greift seine Tasche und verlässt den Raum. Somit ist motivisch alles angelegt: eine Flucht- und Kriegserinnerung, Fremdsein in einer der sogenannten abgehängten Industrieregionen der amerikanischen Ostküste, eine scheiternde homosexuelle Liebe, ein intergenerationeller Bildungsunterschied, der krasser nicht ausfallen kann.

"Ma, ich schreibe, um Dich zu erreichen - auch wenn jedes Wort auf dem Papier ein Wort weiter weg ist von dort, wo du bist", so beginnt dieser Briefroman, geschrieben an die Mutter, die, weil sie Analphabetin ist, diese Zeilen niemals wird lesen können. In nichtlinear angeordneten Szenen, Fragmenten und Dialogen setzt Little Dog sein Leben als ein Mosaik aus Erinnerungen zusammen. Diese Erinnerungen sind nicht hierarchisch und nicht durch einen roten Faden verbunden, sie dienen nicht der Erfindung einer stringenten identitätspolitischen Erzählung, sondern schaffen selbst Identität, wunderbar präzise und mit Sätzen, die den Bogen ins Lyrische spannen, so weit, wie, und weiter, als Prosa nur gehen kann. Hier spricht jemand, der außerhalb der Sprache steht und sich mit anspruchsvoller Inbrunst in ihr Inneres wühlt; jemand also, der erst spät so sprechen lernte oder Lyriker ist. Oder beides. Little Dogs Brief ist eine fragmentierte Erzählung des eigenen Selbst. Damit steht Ocean Vuong in einer Tradition zwischen Joan Didions klassischer Autofiktion und der Erinnerungslyrik einer jüngeren Generation vietnamesisch-amerikanischer Autorinnen wie Hoa Nguyen oder Diana Khoi Nguyen.

Da ist die geliebte Mutter, selbst Tochter eines unbekannten amerikanischen Soldaten und einer vietnamesischen Farmerin, die ihrem Sohn, Little Dog, diesen seltsamen Namen gab. In der Region, in der sie aufwuchs, wurden Kinder nach Unwertem benannt, um sie zu schützen: "Etwas zu lieben heißt, ihm einen derart schäbigen Namen zu geben, dass es vielleicht unberührt bleibt - und am Leben." Little Dog liebt diese Frau mit der allumfassenden Art, wie es Kinder tun, die nur einen Elternteil, und dazu einen verletzlichen, haben und denken, diesen vor der Welt beschützen zu müssen. Selbst als sie ihn immer wieder schlägt, anfallartig und wortlos, weiß er das vor sich selbst mit ihrem Kriegstrauma zu entschuldigen. Nachdem er beobachtet, wie seine Mutter im Supermarkt beim Versuch, sich auszudrücken, ausgelacht wird, übernimmt er auch das Sprechen: "Von da an füllte ich unsere Lücken, unser Schweigen, Stottern, wann immer ich konnte. Ich wechselte fließend zwischen den Sprachen. Ich zog unsere Sprache aus und trug mein Englisch wie eine Maske."

Und da ist, weil man es eben auch mit einem Coming-of-Age-Roman zu tun hat, eine Liebe, die sich durch drei trockene Ostküsten-Sommer zieht. Trevor, der Enkel des Tabakplantagen-Besitzers, bei dem Little Dog zur Ernte aushilft, ist ein schöner Junge mit raspelkurzen Haaren und einem John-Deere-Cap, das er selten ablegt. Er ist abhängig von Opioiden, seit er fünfzehnjährig nach einem Fahrradunfall, allzu leichtfertig und in einer typischen amerikanischen Verschreibungsroutine zu jener Zeit, Oxycontin, ein stark abhängig machendes Schmerzmittel, verordnet bekam. Bekannt als "Hillbilly Heroin", das vornehmlich die weiße, unterprivilegierte Landbevölkerung an die Nadel brachte, ist es, oft als Streckmittel in Heroin, für die meisten amerikanischen Drogentode verantwortlich. Little Dogs Liebe zu Trevor ist eine kontinuierliche Selbstverletzung. Der Geliebte verkörpert, worunter er lange Jahre in der Schule gelitten hat. Trevor ist, und will es doch nicht sein, das Abbild eines weißen, rassistischen und hypermaskulinen Vorstadt-Amerikas mit seinen Pick-ups, mit seinen schlagenden und trinkenden oder verschwundenen Vätern, dem Junk-Food und sinnlosen, nachmittäglichen Schießtrainings. Es ist bedingungslose Unterwerfung, die Little Dog anbietet und die Trevor, ohnehin selten nüchtern, bereitwillig annimmt. Und doch wird diese Liebe, die die beiden erleben, heimlich, in den Tabakfeldern, auf den Heuböden, im Trailer, Little Dog für immer verändern, sie wird in der Erinnerung sein "kurzer grandioser" Moment auf Erden bleiben.

Eine Lebensgeschichte, wie sie in diesem Roman auf so feinsinnige Weise präsentiert wird, ist ein Gefüge aus Interdependenzen. Little Dog liebt als ein aus Vietnam Geflüchteter, und er liebt mit dem schlechten Gewissen eines Klassenaufsteigers, der Türen hinter sich schließen muss, um andere zu öffnen. Er spricht und schreibt keinen Satz, ohne sich beständig an jene zu erinnern, die ihn nicht verstehen können. Die Erzählung dieses Lebens steckt in kleinen Momenten und Erinnerungssplittern, die das Leid und den Ekel, den Little Dog empfindet, nur andeuten. Etwa in den von Chemikalien verhärteten Händen und Gesichtern der vietnamesischen Arbeiterinnen in den Nagelsalons, genauso wie in den von den krebserzeugenden Düngemitteln zerstörten Körpern der Tabakarbeiter. Diese Spuren sind "zugleich Wrack und Vergeltung eines Traums". Hier kristallisiert sich heraus, was es heißt, wenn Klasse, Herkunft, Sexualität, auch Jugend und Alter, Stadt und Provinz, aufeinander wirken. Dass es kein Entkommen aus diesen Kategorien gibt, keine Insel der Normalität, ist eine schmerzhafte, aber lehrreiche Erkenntnis. Wenn es tatsächlich eine Great American Novel gäbe, so wäre genau dieses ihre Botschaft und Ocean Vuong einer ihrer Autoren.

MIRYAM SCHELLBACH

Ocean Vuong: "Auf Erden sind wir kurz grandios".

Roman.

Aus dem Englischen von Ann-Kristin Mittag. Hanser Verlag, München 2019.

240 Seiten, geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Ich glaube, ich war am Ertrinken.
von Kaffeeelse - 11.11.2019
Ein wirklich interessantes Buch! Ein biographisches Buch. Ein berührendes Buch. Und ebenso ein manchmal erschreckendes Buch. Die Hauptfiguren sind drei vietnamesische Personen, die Großmutter Lan, die Mutter Rose und der Sohn, die Erzählstimme, alle drei sind aus Vietnam in die USA emigriert. Die Emigration und daraus resultierende Probleme sind hier aber nicht das Hauptthema. Das Hauptthema ist das Menschsein und die damit einhergehende Unvollkommenheit, wie die Protagonisten mit ihrer Unvollkommenheit und der, der anderen Mitmenschen leben und umgehen. Die Großmutter Lan, die der Krieg und die folgenden Ereignisse in Vietnam krank gemacht haben, die Mutter Rose, die durch das Erleben um ihre Mutter und ebenso durch das Erleben Vietnams und der Gewalt in diesem Land und ebenso das Erleben einer neuen Welt, der sie ausgeliefert scheint, auch weil sie zu keiner/wenig Kommunikation durch mangelnde Sprachkenntnisse fähig ist, eine Veränderung erfährt, der Sohn, der seine Verwandten erlebt, um seine Herkunft weiß und sich einen Platz im neuen Land sucht und schließlich die Liebe findet, eine homoerotische Liebe, eine besonders für Vietnamesen stigmatisierte Liebe. Ein Buch der leisen Töne, aber manchmal auch mit einer wortgewaltigen Kraft, die den Leser schier umhaut. Chronologisch nicht geordnet, springen die Gedankengänge des Sohnes hin und her, er schreibt einen Brief an seine englisch nicht beherrschende Mutter und schildert seine Gedanken zu Familie, Leben und Liebe, Gedanken, die er ihr verbal schlecht mitteilen kann und nach und nach, in verschiedenen Fetzen, entsteht die Lebensgeschichte der drei tragenden Personen. Und damit auch die Lebensgeschichte Ocean Vuongs, den Autobiographisches trägt dieses Buch ungemein und ich finde auch die Namensgebung des Autors sehr aussagekräftig. Für diese Geschichte gebührt dem Autor und seiner Familie tosender Beifall. Dieses teilweise sehr unzusammenhängende hat mir das Lesen etwas schwer gemacht, aber die lyrische Kraft in den Worten von Ocean Vuong, die immer wieder durchschimmert und auflodert, entschädigt ungemein und spricht von einem äußerst interessanten Autor. Bisher hat der Autor nur Poesie herausgebracht, Auf Erden sind wir kurz grandios ist sein erster Roman. Ein interessantes Werk! Wenn er es in meinen Augen in der Zukunft schafft, seine Geschichte etwas mehr zu bündeln, mehr einen Erzählfluss zu erschaffen, wird er noch ein ganz Großer werden. Aber auch jetzt ist dieses Buch ein sehr lesenswertes. Und auch hier kann ich nur sagen: Lesen!, aber durch die sehr fragmentarische Schreibweise polarisiert dieses Buch seine Leser und diesen Sachverhalt sollte der geneigte Leser sich vor Augen führen.
Erinnerungen... Brief an eine vietnamesische Mutter
von Marakkaram - 29.10.2019
** Ma. Du hast mir einmal gesagt, dass Erinnerung eine Entscheidung ist. Aber wenn du Gott wärst, wüsstest du, es ist eine Flut. ** Ein Sohn schreibt einen Brief an seine Mutter, die ihn nie lesen wird, weil sie nicht lesen kann. In kurzen Kapiteln erzählt er von seiner Kindheit und Jugend, seiner schizophrenen und durch den Krieg gezeichneten Großmutter Lan, den Misshandlungen seiner Mutter, ihrer Sprachlosigkeit im Heimatfernen Amerika, seiner ersten großen Liebe Trevor, den Drogen.... Dabei geht er nicht chronologisch vor, springt sowohl in Zeiten als auch Orten hin und her und auch manchmal in Personen, wenn es um die Großeltern geht. Das ist ungewöhnlich und vielleicht auch nicht immer lesefreundlich, man sollte sich aber dadurch auf keinen Fall abschrecken lassen. Ocean Vuong hat eine sehr klare, distanzierte, manchmal leicht melancholische und poetische Sprache, mit der er seine vietnamesische Familiengeschichte erzählt. Grade diese Distanziertheit bewirkt, dass die Sätze oftmals auf den Punkt treffen und nachwirken. **Ich weiß nicht, ob du glücklich bist, Ma. Ich habe dich nie gefragt.** Ja, manchmal hat er mich für einen kurzen Augenblick verloren, wenn ich gerne mehr über Vietnam erfahren hätte und mich plötzlich wieder in einer amerikanischen Scheune mit seiner großen Liebe befand. Aber auch in diesen Momenten hat er mich umgehend wieder gefesselt. Vuong schreibt schonungslos offen über eine Mutter-Sohn-Beziehung. Knallhart und doch spürt man so viel Liebe und Zärtlichkeit in jeder Zeile. Es ist keine Abrechnung, keine Anklage, sondern eine Reflextion, eine Aufarbeitung.
Aus dem Leben eines vietnamesischen Migrantenjungen
von Gisel - 19.10.2019
Der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutter, die ihn nie lesen wird, da sie bedingt durch die Geschehnisse in ihrem Leben Analphabetin blieb. Der Sohn erzählt von ihrem Leben, von der Schizophrenie seiner Großmutter, von den Prügeln, die er als Kind einstecken musste, von seiner ersten Liebe zu einem amerikanischen Jungen. Es ist eine Reise durch die Zeit und mit den Augen des Sohnes, der aus dem Leben der Migrantenfamilie erzählt. Dies ist der erste Roman des Dichters Ocean Vuong, der in Vietnam geboren ist und im Alter von 2 Jahren nach Amerika kam. Viele wichtige Themen schneidet er in diesem Buch an: Gewalt in der Familie, der Vietnamkrieg mit all den Traumata bei den Betroffen, das Fehlen des Vaters, die Suche nach dem eigenen Selbst¿ Vieles gerät dabei in diesem Buch durcheinander, immer wieder machte ich mich auf die Suche nach dem roten Faden¿ und fand gleich mehrere. Das war zwar interessant zum Lesen, zum Schluss aber bin ich etwas verwirrt aus dem Buch wieder aufgetaucht. Die Welt, die der Autor schildert, ist mir letztendlich doch noch sehr fremd geblieben, ich hätte mir etwas mehr "Hilfe" gewünscht, um mich darin zurechtzufinden. Der Sprachstil des Autors zeigt jedoch den Dichter, der gekonnt mit Sprache umgehen kann. Obwohl das Buch nicht leicht zu lesen ist, schafft es dennoch zu beeindrucken. Ich empfehle es vorsichtig weiter, denn wer sich auf diese Erzählung einlassen kann, wird reich belohnt werden.
Die leisen Töne - Ein Paukenschlag
von a.n. - 13.10.2019
Die beeindruckende Lektüre, in der jedes Wort mit Bedacht gesetzt wurde, geht an Herz und Gemüt des aufgewühlten Lesers. Sie packt einen und löst die unterschiedlichsten Gefühle aus, ganz einem berührenden Konzert in Moll. Der Autor möchte weder Groll noch Miteid auslösen. Er möchte "nur" ein Schicksal erzählen, entwaffnend offen. Ein Zwiegespräch als Monolog. Die Hauptperson wirkt verletzt und wird dadurch wiederum unverletzbar. Ein Buch voller Gegensätze, die sich in einem Suchenden vereinen. Der werden, der man ist, der sein, der man sein will. Was ist noch übrig? Einen Sinn finden, seinen Weg gehen, leben. Doch von wo startet man eigentlich? Dem jungen Mann bleibt verwehrt, worauf jeder ein Geburtsrecht hat. Kein guter Beginn und dennoch wird es ausgetragen. Eine Bürde, die endlich keine Last mehr sein soll. Endlich zur Ruhe kommen - ein ständiger Kampf. Kurz gesagt, Ocean Vuong kann schreiben, dass es einem den Atem nimmt. Tief psychologische Elemente werden poetisch umgesetzt. In solch einem literarischen Erzählstil habe ich seit langem kein Buch mehr gelesen. Leise, beklemmend, realistisch, zart. Wer hat sich nicht schon einmal genau so gefühlt, wie das Reh auf dem Cover?
Die leisen Töne - Ein Paukenschlag
von a.n. - 13.10.2019
Die beeindruckende Lektüre, in der jedes Wort mit Bedacht gesetzt wurde, geht an Herz und Gemüt des aufgewühlten Lesers. Sie packt einen und löst die unterschiedlichsten Gefühle aus, ganz einem berührenden Konzert in Moll. Der Autor möchte weder Groll noch Miteid auslösen. Er möchte "nur" ein Schicksal erzählen, entwaffnend offen. Ein Zwiegespräch als Monolog. Die Hauptperson wirkt verletzt und wird dadurch wiederum unverletzbar. Ein Buch voller Gegensätze, die sich in einem Suchenden vereinen. Der werden, der man ist, der sein, der man sein will. Was ist noch übrig? Einen Sinn finden, seinen Weg gehen, leben. Doch von wo startet man eigentlich? Dem jungen Mann bleibt verwehrt, worauf jeder ein Geburtsrecht hat. Kein guter Beginn und dennoch wird es ausgetragen. Eine Bürde, die endlich keine Last mehr sein soll. Endlich zur Ruhe kommen - ein ständiger Kampf. Kurz gesagt, Ocean Vuong kann schreiben, dass es einem den Atem nimmt. Tief psychologische Elemente werden poetisch umgesetzt. In solch einem literarischen Erzählstil habe ich seit langem kein Buch mehr gelesen. Leise, beklemmend, realistisch, zart. Wer hat sich nicht schon einmal genau so gefühlt, wie das Reh auf dem Cover?
schwerer Stoff
von BR - 04.10.2019
Der Titel und das Cover haben mich von Anfang an beeindruckt. Der vietnamesische Junge Little Dog beschreibt in trauriger, melancholischer Art seine Kindheit in Amerika. Dies in Briefform an seine Mutter, die allerdings nie lesen gelernt hat. Er ist sehr eng mit seiner Mutter verbunden, die ihn allerdings prügelt und auch psychisch mehr fordert, als es einem Kind gut tun kann. Bei den ersten beschriebenen Szenen mit Gewalt und Prügel ist er erst 4 bzw 8 Jahre alt. Die Alltagsgeschichten des kleinen Jungen werden im Wechsel mit grausamen Szenen und Kriegserlebnissen erzählt. Ich habe nun ca. 100 Seiten gelesen und inzwischen ist Little Dog im jungen Erwachsenenalter angekommen. Aber auch hier fällt mir das Lesen weiterhin schwer. Nun habe ich überlegt, ob ich noch Tage oder Wochen so weiterlesen möchte und mich dagegen entschieden. Ich möchte nichts negatives über dieses Buch sagen, es ist wirklich beeindruckend geschrieben. Aber für mich ist es ein zu schwerer und depressiver Stoff.
Melancholisch
von Quincyliest - 18.09.2019
Es ist keine typische Einwanderergeschichte mit einem happy end, die hier eindringlich von Ocean Voung erzählt wird. Im Gegenteil, Voung schreibt über die Probleme, die er als Halbvietnamese mit seiner Mutter in den USA erfährt... Billigjobs und Armut sind die Realität. Hinzu kommt, dass die Mutter schwer vom Vietnamkrieg traumatisiert ist, Gewalt ihrem Sohn gegenüber wird zur traurigen Realität. Das Buch ist stilistisch großartig, schon allein die Idee, dass der Sohn seine Gedanken in Briefform der Mutter schreibt, die ihn allerdings nie wird lesen können, da sie Analphabetin ist....der Text ist in einer poetisch anmutenden Sprache geschrieben. Schon allein dadurch konnte das Buch überzeugen. Thematisch ist es oft eine schwere Lektüre, melancholisch, düster und doch sehr lesenswert.
Mein besonderer Brief an dich, meine Mutter
von BigZ - 21.08.2019
Ein Sohn schreibt einen Brief an seine Mutter. Er öffnet ihr darin seine Seele, ehrlicher, echter und schonungsloser allem gegenüber, was mit ihm in seinem bisherigen noch jungen Leben in Berührung kam. Zusammen mit seiner Mutter reist er als kleines Kind aus Vietnam in die USA ein, nach Connecticut, wo seine Großmutter und der amerikanische Vater seiner Mutter leben. Seine Mutter spricht kaum amerikanisch und ihr Leben pendelt zwischen der lebenslangen harten Art in einem Nagelstudio und ihrem Zuhause, in dem der Junge in der vietnamesischen Sprache mit vietnamesischem Essen und viel vietnamesischem Denken aufwächst. Aber er erlebt natürlich auch die amerikanische Welt da draußen, lebt in ihr und mit den Menschen darin. Und er findet einen Freund, Trevor; den Freund, mit dem er so viel teilt, nur sie beide. Der Autor/dieser Junge, er erzählt seine Geschichte, berührend und durchzogen von feiner Poesie, so grandios und irgendwie kaum beschreibbar, meisterhaft in diesem Brief, den seine Mutter nicht lesen kann. Warum, weil sie nicht lesen kann. Dieser Roman ist ein besonderes Buch und man erfährt und erfasst dies nur, wenn man es liest. Und daher sollte man genau das tun.
Ein amerikanisch-vietnamesischer Lyrik-Roman
von nil_liest - 16.08.2019
Was für einen Schatz ich geborgen habe, merke ich bei Büchern erst, wenn ich es zuklappe und eine Wehmut sich in mir breit macht, dass es leider schon wieder zu Ende ist. Und einen solchen Schatz habe ich mit dem Debüt von Ocean Vuong geborgen! Sein Roman Auf Erden sind wir kurz grandios" ist eine Perle in diesem Bücherjahr. Vor allem weil es so anders ist als viele andere Romane. Übrigens ist der Romantitel, den ich grandios finde, auch der Titel eines seiner Gedichte. Er schreibt klar- leise Töne mit hohem Einschlag. Die poetische Prosa trifft einen mit voller Wucht, wie eine Welle die man kaum abwarten kann und dann haut sie einen doch um und man sitzt im Sand. So fühlt sich dieser Text an. Ocean Vuong verarbeitet seine eigenen Erfahrungen als Einwanderungskind aus Vietnam in die USA mit diesem Roman. Ein fiktiver Charakter schreibt seiner Mutter, die nicht lesen kann, einen Brief um seine Erlebnisse zu verarbeiten. Die Kombination aus Liebe und Leid, diese Gradwanderung beschreibt er sehr gut. Die Geschichte wird erzählt, aber Ocean Vuong behält viel Raum für eigene Gedanken des Lesers bereit. Auch merkt man dem Roman sehr stark an, dass Ocean Vuong in erster Linie Lyriker ist und dann erst Schriftsteller - oder macht er eine neue Dimension auf mit diesem Roman? Mich hat der Roman überzeugt, daher wünsche ich dem Roman viele Leser! Aber ich rate nur zum Roman, wer auch gerne Lyrik liest.
Ein grandioses Buch aber nichts für Zwischendurch
von Mysaze - 11.08.2019
Das Buchcover hat mich fasziniert, vielleicht auch gerade weil ich es irgendwie total unpassend zum Inhalt fand, auf jeden Fall war das mein erster Impuls und irgendwie auch der Auslöser warum dieses Buch in meinen Korb gewandert ist. Wer eine Sommerlektüre leicht und spritzig sucht, ist mit diesem Buch total an der falsche Stelle, hier haben wir ein Geschichte, die grandios geschrieben, jedoch nicht leicht zu lesen ist und sehr zum Nachdenken anrührt. Lass mich von vorne Anfangen, Ma ... der Brief eines vietnamesischen Jungen an seine Mutter, geflohen aus dem Krieg und verloren in den USA, ohne Sprachkenntnisse. Doch der Wille es zu schaffen erwacht und er lernt die Sprache. Als Teenager lernt er einen Amerikaner kennen und die Liebe zum gleichen Geschlecht erwacht und damit das Verstecken..... Wirklich kein leichtes Buch, am Anfang war mir irgendwie gar nicht klar, was mich in diesem Buch erwartet und es gab anfangs schon den einen oder anderen Moment wo ich das Buch für einen späteren Zeitpunkt zur Seite legen wollte. Aber dann hat es mich doch irgendwie gepackt. Der Schreibstil, mit sehr einfühlsamer Sprache hat mir sehr gut gefallen und ich muss sagen ich bin beeindruckt von diesem außergewöhnlichen Buch. Wer gerne mal etwas schwerere Bücher liest ist hier genau richtig.
Keine leichte Lektüre, aber außerordentlich beeindruckend
von EOS - 10.08.2019
Was für ein Buch! Es ist keine Lektüre, die man auf dem Weg in den Urlaub im Auto oder Flugzeug liest. Ich brauchte komplette Ruhe, um die einzelnen Kapitel, obwohl sie meist kurz gehalten sind, auf mich wirken zu lassen und auch hinter den Zeilen zu lesen. Ocean Vuong schreibt dieses Buch für seine Mutter, die er auch immer wieder anredet. Das Fatale ist aber, dass seine Mutter Analphabetin ist und niemals die Zeilen empfängt. Der Sohn schreibt dieses Buch, um seine zum Teil traumatischen Erlebnisse in Kindheit und Jugend zu bewältigen bzw. aufzuarbeiten und vielleicht Antworten auf offene Fragen zu bekommen. Letztere wird er jedoch nie von seiner Mutter bekommen, sondern er muss sie selbst finden. Little Dog, wie er genannt wird, hat eine harte, von Gewalt und Hoffnungslosigkeit dominierte Kindheit und Jugend hinter sich, aber das Buch soll nicht anklagen, denn immer wieder erstrahlt durch alle schlimmen Erlebnisse die Liebe hindurch. Er liebt seine Mutter, seine Großmutter und viele andere Menschen, die ihm im Leben begegnet sind und keine so große Rolle gespielt haben, z.B. Manny von der Tabakplantage. Und diese Menschen lassen trotz aller Grausamkeit, Ablehnung oder Gleichgültigkeit auch immer wieder Liebe, Zuneigung und Sympathie durchscheinen, so z.B. sein Großvater Paul, der eigentlich nicht sein leiblicher Verwandter ist. Und diese positiven Gefühle helfen ihm, die Traumata zu verarbeiten. Die Rückblicke sind sehr anrührend, teilweise erschütternd und aufwühlend. Man versucht sich die jeweilige Situation vorzustellen, ist aber oft überwältigt von der extremen Herausforderung, z.B. wie der Sohn seiner total erschöpften Mutter den Rücken massiert und die Haut entgiftet, die unter den giftigen Ausdunstungen des Nagelstudios leidet. Aber bei diesem Buch steht nicht der Inhalt an erster Stelle, obwohl es zunächst den Anschein hat, sondern Ocean Vuongs Sprachkunst bzw. Sprachgewalt. Diese reißt einen mit und entführt in eine ganz fremde Welt. Und diese Welt entspringt der Seele des Autors, die er nach außen entblößt mit seinen bewegenden Beschreibungen und Umschreibungen, um Ruhe zu finden, um sich von den bedrückenden Erinnerungen zu befreien. Große Literatur in meinen Augen, die herausfordert und noch lange nachwirkt....
Worte sind Erinnerungen an seelisches Leid
von jenvo82 - 08.08.2019
Die Vergangenheit war niemals eine festgelegte und ruhige Landschaft, sondern man betrachtete sie stets neu. Ob wir wollen oder nicht, wir bewegen uns in einer Spirale fort und erschaffen Neues aus dem, was vergangen ist. Inhalt Little Dog, ein junger Mann, der zusammen mit seiner Mutter und Großmutter in die USA immigriert ist, vertraut sich und seine Gedanken einem Brief an, den er an seine Mutter richtet, obwohl diese überhaupt nicht lesen kann. Deshalb wirkt der Text vielmehr wie ein Tagebuch, in dem sich der vietnamesische Mann mit seiner Kindheit, seinen Erfahrungen mit körperlicher Gewalt und den gelebten homosexuellen Empfindungen zu seinem drogenabhängigen Freund Trevor auseinandersetzt. Sehr viel schwermütiger Inhalt, gepaart mit einer poetischen aber schnörkellosen Sprache ergibt eine Art intellektuellen Kunstroman, der sich intensiv und philosophisch mit der Frage nach der Zumutbarkeit des Lebens beschäftigt. Meinung "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist ein ungewöhnlicher, bemerkenswerter Debütroman des vietnamesischen Autors Ocean Vuong. Weniger eine zusammenhängende Geschichte, die sich chronologisch offenbart, als vielmehr "ein Schiffswrack - die Teile dahintreibend, endlich lesbar." Für meinen Geschmack existieren zu viele, zu unstrukturierte Gedankengänge in diesem Buch, so dass die Handlung immer fortschreitet, ohne tatsächlich vorwärts zu kommen. Dadurch erscheinen mir auch die dramatischen Lebensumstände von Little Dog weniger krass, egal ob es sich dabei um den Zwiespalt zwischen einer liebevollen oder gewalttätigen Mutter-Sohn-Beziehung handelt oder der Aussichtslosigkeit auf Lebensglück in Anbetracht von Armut und Außenseitertum. Dennoch halt der Text nach, vor allem wegen der Melancholie, der philosophischen Betrachtungen und der unbeschreiblichen Last eines Lebens komprimiert auf einen Brieftext, der weder bittet noch anklagt, der nicht trauert und zögert aber auch keine Ansprüche stellt. Fazit Ich vergebe 3 Lesesterne für diesen ungewöhnlichen Roman, der für die gesamte menschliche Gefühlspalette ein mächtiges, erdrückendes Bild entwirft, obwohl er mir stets zu distanziert blieb. Inhaltlich empfand ich ihn mühsam und bitter, während er sprachlich überzeugen konnte. Ganz klar erfüllt er nicht meinen Anspruch an ein bewegendes Leseerlebnis, weil er mir innerlich so fremd blieb und keine konkrete Form annimmt. Es fiel mir schwer, mich auf die Gedankenspiele einzulassen und das Gewicht der markanten Worte nachzuempfinden - wem das allerdings gelingt, der hält einen kleinen Schatz in den Händen.
Überlebenskünstler
von cosmea - 02.08.2019
Ocean Vuong wurde in den USA durch die Veröffentlichung seiner Gedichte berühmt. "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist sein Debütroman. Ein Little Dog genannter 28jähriger schreibt in einem an seine Mutter gerichteten Brief die Geschichte seiner Familie und seines eigenen bisherigen Lebens auf. Seine Mutter wird ihn nie lesen können, denn sie ist Analphabetin. Großmutter Lan und ihre Töchter Rose und Mai kamen aus Vietnam in die USA, als Little Dog noch ein Kleinkind war. Beide Frauen sind durch Gewalterfahrungen aller Art und den furchtbaren Krieg schwer gezeichnet und leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen. Die Großmutter wird zunehmend verrückter. Lan war aus einer arrangierten Ehe geflohen und hatte den amerikanischen Soldaten Paul geheiratet. Tochter Rose wird von ihrem Mann verprügelt, bis dieser sie so verletzt, dass er dafür ins Gefängnis geht. Aber auch das Kind hat es nicht leicht. Er wird schon früh mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert, erfährt Ablehnung und Ausgrenzung und muss sich als pédé beschimpfen lassen (franz. pédéraste=Homosexueller), ein Begriff, der noch aus der Zeit stammt, als Vietnam Indochina hieß und französische Kolonie war. Liebe erlebt er stets als untrennbar von Gewalt: durch die Misshandlungen der eigenen Mutter und in seiner Beziehung zu dem weißen amerikanischen Jungen Trevor, Sohn eines Alkoholikers, der mit seinem Vater in einem Wohnwagen lebt und White Trailer Trash zuzuordnen ist - auch er chancenlos, weil er schon mit 15 Jahren drogenabhängig wird. Trevor will seine Homosexualität nicht wahrhaben. Auch in dieser Liebe gibt es viel Gewalt und Schmerz. Für Little Dog, der anfangs sprachlos war, weil er das Englische nicht beherrschte, wird Sprache zu dem Mittel, in der fremden Welt zu überleben, schließlich als Schriftsteller seine Berufung zu finden. Der in einer teilweise sehr poetischen Sprache verfasste Roman nimmt im letzten Drittel immer mehr die Züge eines Gedichts an, wodurch Längen und Wiederholungen nicht ganz vermieden werde können, und enthält dennoch auch eine Menge Fakten: die Auswirkungen des Vietnamkriegs auf die Zivilbevölkerung, allgegenwärtiger Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in den USA, weitverbreitete Homophobie, die miserablen Arbeitsbedingungen in unterbezahlten Knochenjobs, wie es Mutter Rose in ihrem Nagelstudio und die beiden Halbwüchsigen auf der Tabakfarm erleben, Drogenabhängigkeit aufgrund des legalen Schmerzmittels Oxycontin, einem Opioid, sozusagen Heroin in Tablettenform. Der Roman ist nicht autobiographisch, enthält aber Elemente aus Vuongs eigenem Leben. Er zeigt, wie Menschen unter schwierigsten Bedingungen überleben und ist zugleich eine lange nachwirkende Meditation über Liebe und Verlust, eine coming-of-age Story, die aufgrund ihres fragmentarischen Charakters und der komplizierten Zeitstruktur nicht ganz einfach zu lesen ist, aber dennoch einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Einblicke in die Seele
von Anonym - 30.07.2019
Ocean Vuong beschreibt aus der Sicht von little dog ein oder sein Leben in Form eines Briefes an seine Mutter. Aus Vietnam stammend ist die kleine Familie, seine Mutter Rose, seine Großmutter Lan und er in die USA eingereist. Lan war in Kriegszeiten mit Paul, einem amerikanischen GI verheiratet, der inzwischen mit einer Amerikanerin verheiratet ist. Die Schrecken des Krieges sind bei der Mutter und der Großmutter allgegenwärtig, Ängste plagen sie, der Geist ist verwirrt und sie neigen zu Gewalt und dann wieder zu viel Zärtlichkeit. Sie schlagen sich mit Billigjobs, die die Gesundheit ruinieren, durchs Leben. little dog lernt bei der Arbeit als Tabakpflücker Trevor kennen und lieben, eine Liebe, die geheim bleiben muss. Sehr feinfühlig und poetisch, manchmal auch kraftvoll brutal, lernen wir das Leben in Kriegszeiten in Vietnam und als Neuamerikaner mit allen Schwierigkeiten kennen. Der Tod ist immer ein Begleiter, doch immer mit der Hoffnung auf neues Leben. Es werden Fragmente erzählt, nicht chronologisch, jedoch sinnvoll aneinander gesetzt. Literarisch herausragend.
Grandios
von mars - 30.07.2019
Ich war sehr gespannt auf dieses Buch und wusste nicht recht, was mich erwartet, aber die Leseprobe hat mich schon so sehr von diesem Buch überzeugen können und ich wurde auch nicht enttäuscht. Little Dog schreibt einen Brief an seine vietnamesische Mutter, die jedoch nicht lesen kann und darum den Brief wohl nie lesen wird. Darum ist er sehr offen in diesem Brief und beschreibt sein Leben in Rückblicken, die jedoch nicht chronologisch geordnet sind. Einblicke in die frühere Kindheit verlaufen durch das gesamte Buch, doch erst am Ende wird die Gegenwart erreicht. Anfangs lebte Little Dog mit seiner Mutter und seiner Großmutter in einem kleinen Einzimmerappartment; alle schliefen auf dem Boden. Die Mutter arbeitet in einem Nagelstudio und die schlechten Bedingungen werden immer wieder thematisiert. Die Mutter schlägt ihren Sohn oft, spricht nicht gut Englisch und weiß nicht viel über ihren Sohn. So erzählt er ihr in diesem Brief von sich und von seiner großen Liebe und was ihn alles so beschäftigt. Beeindruckender Schreibstil, emotionale Geschichte, ganz anders als erwartet.
Aufwühlend
von Dreamer - 28.07.2019
Nach dem Klappentext zu urteilen, müsste es sich bei "Auf Erden sind wir kurz grandios" um einen Roman in Briefform handeln. Und das entspricht auch der Wahrheit, auch wenn es sich bei diesem Roman meiner Meinung nach nicht um einen klassischen Roman in Briefform handelt. Zum einen gibt es keine Antwort der Mutter, bei der es sich um eine Analphabetin handelt und die nach Annahme ihres Sohnes nie in der Lage sein wird, diesen Brief auch tatsächlich zu lesen. Zum anderen liest sich dieser Brief-Roman tatsächlich eher wie eine ganz normale Erzählung, beinahe schon ein sehr langer Tagebucheintrag. "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist kein fröhlicher, aufbauender Roman. Die Handlung ist traurig, erschütternd und in Teilen schwer zu ertragen. Mit dem Protagonisten und Briefeschreiber, dem Sohn, leidet man mit, auch wenn er eigentlich kaum direkte Vorwürfe wegen der Gewalt erhebt, die er durch seine Mutter erfahren hat. Immer wieder fällt in dem Roman der Begriff des amerikanischen Traumes, der sich für "Little Dog", wie der Sohn in dem Roman genannt wird, nur in Teilen erfüllt. Die herzzerreißende Geschichte, in der zwischen all dem Düsteren, den Traumas, der Gewalt und dem Schmerz auch Momente der Zärtlichkeit aufblitzen, wird in einer wundervollen Sprache erzählt, die den Leser fesselt und ganz tief eintauchen lässt in die Ereignisse, von denen Little Dog seiner Mutter schreibt. Fünf Sterne für diesen Debüt-Roman von Ocean Vuong!
Vereint Poesie mit hemmungsloser Direktheit
von Glücksklee - 28.07.2019
Der erste Roman des Autors Ocean Vuong "Auf Erden sind wir kurz grandios", ist eigentlich ein sehr langer Brief an die Mutter des Protagonisten. In diesem "Brief" werden unglaublich viele Themen angesprochen: Kriegstraumata, die die Mutter und Großmutter aus dem Vietnam-Krieg mit sich herumtragen, die gewalttätigen Ausbrüche der Mutter ihrem Sohn gegenüber, die Schizophrenie der Großmutter, was es bedeutet, sich in eine Kultur einzufügen, die einen selbst als fremdartig abstempelt, Drogenprobleme, eine erste tragische Liebe Dabei verfolgt der Autor in seiner Erzählung keinen linearen Erzählstrang. Immer wieder werden einzelne Fragmente beleuchtet, mal aus der frühen Kindheit des Jungen, der den ganzen Roman hindurch nur "Little Dog" genannt wird und dessen wahren Namen man bis zum Schluss nicht erfährt, mal gewährt der Autor einen Einblick in das Leben der Mutter und Großmutter des Protagonisten, bevor diese nach Amerika kamen was alle diese Fragmente (Kapitel wäre für mich hier nicht der richtige Begriff) gemeinsam haben, ist die Emotion, die durch sie transportiert wird. Das schafft der Autor zum einen durch eine sehr poetische Sprache, die immer wieder von hemmungslos direkt und offen formulierten Abschnitten durchbrochen wird. Die Schläge der Mutter werden beschrieben, aber eigentlich schwingt kein direkter Vorwurf an die Mutter mit in den Passagen, die sich damit befassen, sondern eher ein Gefühl von Traurigkeit, dass die Mutter, die mal so liebevoll ist, auch immer wieder in Ausbrüchen von Gewalt versinkt. Einige Teile des Romans, vor allem zum Ende des zweiten der drei Abschnitte des Romans, waren mir ein wenig zu eklektisch. Es fiel mir hier schwer, den Überblick zu behalten, an wen sich die Aussagen richten oder von wem sie handeln. Vielleicht ist das aber auch durch den Autor so beabsichtigt. Der Großteil des Romans gibt dem Leser immer Anhaltspunkte, zu welchem Zeitpunkt im Leben von "Little Dog" man sich gerade befindet. Von mir erhält "Auf Erden sind wir kurz grandios" vier von fünf Sternen. Es ist ein aufwühlender Roman, der den Leser berührt und fesselt, selbst über die letzte Seite hinaus.
Die eigene Geschichte schreiben
von paulaso - 25.07.2019
Das auf dem Coverbild abgebildete Rehkitz, welches auf einem Zebrastreifen steht und hilflos um sich blickt, passt sehr gut zu den herzzerreißenden Ausführungen des Autors. Schonungslos und unverschnörkelt, mit Poesie durchzogen, nimmt Ocean Vuong mich mit in die Erinnerungen an seine Kindheit. Dabei komme ich seiner Mutter und Großmutter nahe, erahne einiges von ihren Schmerzen und traumatischen Erfahrungen. Er selbst ist diesen Frauen emotional so nahe gekommen, ihre Geschichten werden zu seiner, dass es schmerzt zu lesen, wie er versucht in ihre Seelen einzutauchen, zu begreifen. Aus meiner Sicht hat der Autor in seinem Debüt-Werk all die Last in Briefform zwischen zwei Buchdeckel gelegt. Man mag ihm wünschen, dass er nun seine eigene Geschichte schreiben darf.
Monarchfalter
von Castilleja - 23.07.2019
Denk dran, hast du jeden Morgen gesagt [...] fall nicht auf. Du bist schon vietnamesisch. (Seite 237) Dieses Zitat kurz vor Ende des Buches fand ich sehr bezeichnend. Der Ich-Erzähler schreibt einen Brief an seine vietnamesische Mutter, die jedoch nicht lesen kann und darum diesen Brief/dieses Buch wohl seiner Meinung nach nie lesen wird. Es ist an seine Mutter gerichtet, sie wird immer direkt angesprochen, doch es ist so viel mehr. Aufgeteilt in drei Teile, die sich mit wichtigen Lebensabschnitten des Ich-Erzählers beschäftigen, auch wenn die Erzählweise nicht chronologisch ist und es immer wieder Rücksprünge in die Kindheit gibt, so handeln die Abschnitte doch von jeweils einem Lebensabschnitt. Es ist nicht nur ein Brief an die Mutter, die Geschichte eines vietnamesischen Jungen, der in den USA aufwächst, sondern auch die Geschichte einer großen Liebe, die Geschichte von Rückschlägen, Krankheit, Drogen, schlecht bezahlter Arbeit, die Geschichte eines Schriftstellers, dessen Mutter nicht lesen kann und so viel mehr. Erzählt in einem wunderbaren Schreibstil, der sich im Laufe des Buches quasi weiterentwickelt, kryptischer, abgehackter wird. Die Reise der Monarchfalter spielt am Ende eine große Rolle und wird am Ende wieder aufgegriffen. Zum Abschluss noch ein Zitat, das das Buch gut beschreibt: Ich erzähle dir weniger eine Geschichte als ein Schiffswrack - die Teile dahintreibend, endlich lesbar, (S. 207)
Poesie pur
von Steffi Kohl - 22.07.2019
Der Roman von Ocean Vuong "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist in Briefform geschrieben . Er wendet sich an seine Mutter, die Analphabetin ist , also diesen Briefe nicht lesen können wird. Seine Mutter stammt aus Vietnam, ist die Tochter eines amerikanischen Soldaten und einer einheimischen Bauerntochter, die ihr Dorf verlässt , weil sie die arrangierte Ehe mit einem um viele Jahre älteren Mann nicht erträgt. Und sie ist stark traumatisiert von den Ereignissen des Vietnamkrieges. Von diesem Trauma kann sie sich auch nicht lösen , als sie mit ihrer Familie nach Amerika zieht. Das ist auf alle Fälle kein Buch zum "Einfach-so-Weglesen", es verlangt Aufmerksamkeit , weil die Erzählstränge ständig wechseln. Es gilt einer Vielzahl von unterschiedlichsten Ereignissen zu folgen, traurige, spannende, berührende. Es gilt sich ein Urteil zu bilden über die Entwicklung des kleinen Jungen bis hin zum Erwachsenen. Und es gilt, sich mit dem außergewöhnlichen Schreibstil des Autors Ocean Vuong zu beschäftigen . das war für mich am Eindrucksvollsten an diesem Roman. Gewalt und Liebe , die im Buch ständig wechseln , kann der Autor herausragend in Worte fassen. das gelingt Vuong auch bei der Darstellung de "Fremdseins" des Protagonisten und seiner Familie. Da trifft jedes Wort, das muss und darf man Sätze zweimal lesen , um sie zu verstehen und um sie zu genießen. ganz besonders hatten es mir die Passagen mit den Monarchfaltern angetan. Zum poetischen, zarten Schreibstil und zu den Wortbildern passen auch Titel und Cover ausgezeichnet. Ein bemerkenswerter Debutroman und auch inhaltlich ein wichtiges Buch.
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