Ein märchenhaftes und atmosphärisches Abenteuer, das zum Nachdenken anregt und in dem viel Weisheit steckt.
Inhalt:Die Welt ist groß und Santiago hat schon immer davon geträumt sie kennenzulernen. Als Santiago in einem geheimnisvollen Traum vorhergesagt wird, dass er im fernen Ägypten einen Schatz finden wird verlässt er Andalusien und lässt alles was er je gekannt hat hinter sich. Er begibt sich auf eine Reise, die ihn für immer verändern wird... Es war keine fremde Welt, sondern eine neue. Schließlich war es genau das, was er immer gewollt hatte: neue Welten kennenlernen. (S. 49)Er hatte jeden einzelnen Tag intensiv gelebt, seit er vor langer Zeit von zu Hause fortging. Wenn er morgen sterben sollte, so hatten seine Augen viel mehr gesehen als die Augen anderer Hirten, und darauf war er stolz. (S. 115)Meine Meinung:Das ist eines der Bücher, die ich schon immer mal lesen wollte, das zu lesen ich mich aber lange Zeit nicht so recht getraut habe. Ich hatte nämlich Respekt vor dieser Geschichte und hatte die Befürchtung evtl. nicht so gut einen Zugang dazu zu finden. Es hat mich daher sehr gefreut festzustellen, dass mir das Buch gefällt und es angenehm zu lesen ist.Es handelt sich um ein hoffnungsvolles und Mut machendes Buch, das Abenteuergeist und Lebensfreude versprüht und einem mit seiner mystischen und märchenhaften Atmosphäre in seinen Bann zieht. Das Buch hat insgesamt eine tolle Botschaft: Es lohnt sich der Stimme seines Herzens zu folgen und seinen Wünschen und Träumen nachzujagen. Wenn man etwas wirklich will, kann man es auch schaffen und selbst wenn man scheitert ist es ein großer Trost zu wissen, dass man es zumindest versucht hat. Die Welt ist groß und steckt voller Möglichkeiten. In den meisten Dingen steckt etwas Gutes, wenn man sich nur genügend bemüht hinzusehen.In diesem Buch stehen gar nicht so sehr Santiagos tatsächliche Reise nach Ägypten und die Jagd nach dem Schatz im Mittelpunkt. Stattdessen geht es vor allem um das was Santiago auf seinem Weg über die Welt, über das Leben und vor allem auch über sich selbst lernt. Der Weg ist hier das Ziel. In der Geschichte steht viel Lebensweisheit und viele Aspekte stimmen einem nachdenklich.Das Buch bewegt und regt zum Nachdenken an, weil es im Kern um etwas geht, das jeden von uns betrifft: Träume und die Frage ob man sich traut sie zu verwirklichen oder nicht. Während für viele Menschen ihre Träume immer Träume bleiben ist Santiago jemand der sich seinen Lebenstraum tatsächlich erfüllt. Um die weite Welt kennenzulernen lässt er sein bisheriges Leben hinter sich und ergreift die sich ihm bietenden Chancen. Das erfordert eine Menge Mut und ist ein Wagnis, denn er muss Vertrautes gegen Unbekanntes eintauschen und der Ausgang seines Unternehmens ist ungewiss. Santiago lässt sich nicht von seinen Ängsten hemmen und versucht aktiv sein Lebensglück zu finden, womit er am Ende auch Erfolg hat. Zugleich wird aber auch aufgezeigt, dass selbst unerfüllte Träume auch eine gute Seite haben können. Unter Umständen geben sie einem sogar mehr als wenn man sie in die Tat umsetzt: Der Gedanke eines Tages seinen Traum zu verwirklichen hält lebendig und lässt einem durchhalten. Manchmal ist eine Traumvorstellung weitaus überwältigender und besser als wenn man es tatsächlich erlebt, denn die Realität kann nun einmal auch enttäuschen.Der Schreistil ist wunderschön und sehr poetisch. Zudem steckt viel Lebensweisheit in diesem Buch, die oft sehr berührend ist. Hier ein paar Beispiele:"Wenn wir die wirklich großen Schätze vor uns haben, erkennen wir es nie. Und weißt du auch, warum? Weil die Menschen nicht an Schätze glauben." (S. 141)"Ich bin wie alle Menschen: Ich sehe die Welt so, wie ich sie gerne hätte, und nicht so, wie sie tatsächlich ist." (S. 47)Die Entscheidungen waren nur der Anfang von etwas. Wenn man einen Entschluss gefasst hatte, dann tauchte man damit in eine gewaltige Strömung, die einen mit sich riss, zu einem Ort, den man sich bei dem Entschluss niemals hätte träumen lassen. (S. 74)[Santiago:] "Vielleicht möchte ich auch die Zukunft kennen, um mich darauf vorbereiten zu können." [Wahrsager:] Wenn es gute Dinge sind, dann wird es eine angenehme Überraschung sein [...] und wenn es unangenehme Dinge sind, dann leidest du schon lange, bevor sie eintreffen." (S. 109)"Dann sag ihm, dass die Angst vorm Leiden schlimmer ist als das eigentliche Leid." (S. 137)Ich habe das Buch "einfach so" gelesen und keine Lektürenhilfe benutzt. Das hat dem Leseerlebnis aber nicht geschadet. Man findet auch so gut einen Zugang zu der Geschichte und versteht was sie einem grundsätzlich vermitteln will. Auch wenn man vielleicht nicht alle Deutungsmöglichkeiten und tieferen Bedeutungen erfasst kann man eine gute Zeit mit dem Buch haben.Warum vergebe ich "nur" vier Bewertungssterne und nicht fünf?Ich konnte mich zwar gut in Santiago hineinversetzten, aber bei anderen Büchern habe ich eine noch deutlich stärkere Verbundenheit mit dem jeweiligen Protagonisten verspürt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass im vorliegenden Buch die Botschaft der Geschichte und die Weisheiten über das Leben eigentliche Herzstück und es vergleichsweise weniger stark um Santiago und die eigentliche Handlung geht. Außerdem hätte es für mein Empfinden stellenweise ruhig etwas weniger spirituell und dafür etwas bodenständiger sein können.Fazit:Dieses Buch ist mal etwas ganz Anderes. Es handelt sich um ein märchenhaftes Abenteuer, das bewegt und zum Nachdenken anregt. Ich mich froh, dass ich mich doch noch getraut habe diesem Buch eine Chance zu geben. Zum Schluss noch drei besonders schöne und Mut machende Zitate aus dem Buch:"Jeder Mensch auf Erden hat einen Schatz, der ihn erwartet", sagte sein Herz. (S. 138/139)"Wenn man etwas will, dann wirkt das ganze Universum darauf hin, dass die Person ihren Traum verwirklichen kann." (S. 122)[Santiago:] "Und wenn ich es nicht schaffe?" [Alchimist:] "Dann stirbst du, während du deine innere Bestimmung erfüllst. Es ist immerhin besser, so zu sterben als wie Millionen andere, die niemals erfahren haben, dass es überhaupt eine innere Bestimmung gibt." (S. 148/149)