Wer John Grisham und Randy Singer mag, könnte auch mit diesem Buch etwas anfangen. "Könnte", denn Whitlows Erzählstil ist nochmal ein Spur ausführlicher und unaufgeregter als der seiner prominenten Kollegen. Bevor es richtig zur Sache geht, darf Hana erst einmal mehrere Kapitel lang den Alltag als Anwältin durchleben, zweifeln, beten und einen Hund adoptieren. Die richtig spannenden Szenen, die das Thriller-Genre am ehesten rechtfertigen, hebt sich der Autor für das im Vergleich zum Umfang doch recht knapp gehaltene Finale auf.Bis dahin wird ermittelt, sich verliebt, geglaubt, gesucht und gelegentlich zwielichtigen Gestalten hinterherspioniert. Hanas Hintergrund als arabische Christin sorgt für interessante Einblicke in den Vielvölkerstaat Israel, in dem längst nicht alles so ist, wie es die meistverbreiteten Klischees gerne hätten. Hana selbst ist als Figur am ehesten noch fürs christliche Publikum interessant, denn ihr erwähnenswertester Charakterzug ist ihr Gottvertrauen und regelmäßige Gebetszeiten spät in der Nacht.Das muss nicht schlecht sein, genau genommen ist eine vergleichsweise behutsame Figurenzeichnung eine wohltuende Abwechslung im Vergleich zu manch anderem postmodernen Spannungsroman, wo den Charakteren sonst in vielen Fällen möglichst Schlimmes angetan wird, um bloß nicht zu langweilen. Interessant oder neu ist es dagegen nicht. Damit wird das Buch vermutlich über die fromme und Israel-nahe Szene hinaus kaum Strahlkraft entwickeln, lediglich die gut recherchierten Hintergründe zur Strafverfolgung von Terrorfinanzierung und die kulturelle Vielfalt des Nahen Ostens können für geduldige Leser interessant sein.Originaltitel: "Chosen People"