Banksy auf Papier klingt erstmal fast zu brav, oder? Dieser Typ, der sonst Wände, Mauern und den Kunstmarkt gleichermaßen frech angrinst, bekommt hier ein ordentliches Nachschlagewerk. Und genau das macht den Reiz aus.
Banksy: Prints ist kein wildes Blätterbuch für nebenbei, sondern eher so ein Kunstband, bei dem man plötzlich viel länger hängen bleibt als geplant. Nur mal kurz reinschauen? Ja klar. Dreißig Minuten später sitzt man da, starrt auf Ratten, Polizisten, Blumenwerfer und denkt: Dieser Mann hat mit wenigen Motiven mehr gesagt als andere mit ganzen Romanen.
Besonders spannend finde ich, dass hier nicht nur hübsche Bilder gesammelt werden. Es geht um Editionen, Drucke, Entstehungsjahre, Details und den Sammlerwert dahinter. Das hat fast etwas Detektivisches. Man blättert nicht einfach durch Kunst, man verfolgt Spuren.
Natürlich ist das Buch eher etwas für Menschen, die Banksy schon mögen oder wenigstens neugierig auf seine Druckgrafiken sind. Wer eine lockere Künstlerbiografie mit viel Drama erwartet, könnte vielleicht etwas trockener landen als gedacht. Aber als Überblick über diese 51 Editionen ist das Ding schon ziemlich stark.
Optisch macht es ebenfalls was her. Die Reproduktionen wirken wertig, die Aufmachung passt zum Thema und trotzdem bleibt dieser kleine Banksy Stachel erhalten. Schön sauber gedruckt, aber innerlich immer noch mit Spraydose in der Hand.
Für mich ein richtig starkes Kunstbuch. Informativ, hochwertig, ein bisschen nerdig und genau deshalb so reizvoll. Banksy bleibt geheimnisvoll, aber seine Drucke bekommen hier eine Bühne, die ihnen verdammt gut steht.