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Tod in der Wüste

Der Völkermord an den Armeniern. mit 18 Abbildungen und 1 Karte.
Buch (gebunden)
Aghet - Katastrophe - so nennen die Armenier jene grauenvollen Ereignisse, die im Frühjahr 1915 begannen. Sie sind als der erste Genozid des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingegangen. Rolf Hosfeld, Deutschlands bester Kenner der Ereignisse, schi … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Tod in der Wüste
Autor/en: Rolf Hosfeld

ISBN: 3406674518
EAN: 9783406674518
Der Völkermord an den Armeniern.
mit 18 Abbildungen und 1 Karte.
Beck C. H.

10. Februar 2015 - gebunden - 287 Seiten

Beschreibung

Aghet - Katastrophe - so nennen die Armenier jene grauenvollen Ereignisse, die im Frühjahr 1915 begannen. Sie sind als der erste Genozid des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingegangen. Rolf Hosfeld, Deutschlands bester Kenner der Ereignisse, schildert eindringlich und historisch genau den Völkermord an den Armeniern, erläutert die Hintergründe und klärt auf über ein Thema, das immer noch zu den Tabus der Geschichtsschreibung gehört. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit werden im Frühjahr und Sommer 1915 - mitten im Ersten Weltkrieg - die osmanischen Armenier von der Regierung in einer Weise selektiert und zusammengetrieben, die unübersehbar "den Zweck verfolgt, die armenische Rasse im türkischen Reiche zu vernichten". So kabelt es der deutsche Botschafter in Konstantinopel im Juli 1915 nach Berlin. Zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Menschen (die Schätzungen schwanken) sterben, viele von ihnen, Männer, Frauen und Kinder, weil man sie in die Wüste deportiert und dort verdursten lässt. Rolf Hosfeld hat den Opfern dieses Völkermords, der von der Türkei bis heute bestritten wird, mit seinem Buch ein erschütterndes Denkmal gesetzt.

Inhaltsverzeichnis

1.
Aghet 2. Krise und Gewalt 3. Revolution 4. Zwielicht 5. Radikalisierung 6. Repression und Widerstand 7. "Ära der Säuberungen" 8. Der Weg in die Wüste 9. "Endlösungen" 10. Anfänge des internationalen Rechts Nachbemerkung und Danksagungen Literaturverzeichnis Anmerkungen Karte Bildnachweis Personenregister

Portrait

Rolf Hosfeld ist Kulturhistoriker und wissenschaftlicher Leiter des Lepsiushauses in Potsdam. Sein Buch Operation Nemesis (2005) über die Türkei, Deutschland und den Völkermord an den Armeniern ist stark beachtet worden.

Pressestimmen

"Hosfelds solides Werk ins Türkische zu übersetzen, wäre ein großer Schritt auf dem Weg der Versöhnung."
Tilmann Allert, Neue Zürcher Zeitung, 3. Juni 2015

"Ein überaus wichtiges Buch."
Münchner Merkur, 24. März 2015 "

Eine vorzügliche Gesamtdarstellung."
Martin Kröger, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. April 2015

"Hosfeld hat in (...) 'Tod in der Wüste'die Hintergründe und Folgen des Genozids und der Vertreibung ausführlich analysiert."
Regina Mönch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. April 2015

"Mit das wichtigste Buch zum bitteren Jubiläum."
Barbara Möller, Literarische Welt, 11. April 2015

"Der Kulturhistoriker und Journalist Rolf Hosfeld (...) beschreibt detailliert die historische Situation, die zum Desaster führte."
Genevieve Lüscher, Neue Zürcher Zeitung, 29. März 2015

"Ebenso umfassend wie bestürzend."
Wiener Zeitung, 10. März 2015

"Ein wichtiges Buch gegen das Vergessen."
Bernhard Windisch, Nürnberger Nachrichten, 16. April 2015

"Gut geschrieben."
Markus Schwering, Kölner Stadt-Anzeiger, 10. April 2015

"Rolf Hosfeld hat einen fesselnden und erschütternden Bericht über den "Tod in der Wüste" vorgelegt."
Richard Rabensaat, Potsdamer Neueste Nachrichten, 25. Februar 2015

"Empfehlenswert."
Das Parlament, 2. März 2015

"Ein glänzend recherchiertes Buch über dieses heute fast vergessene Kapitel des Ersten Weltkrieges."
Lübecker Nachrichten, 19. April 2015

"Rolf Hosfeld hat die heutigen Erkenntnisse über den 'Tod in der Wüste' zu einer bedrückenden Schilderung verarbeitet."
Matthias Friedrich, Allgemeine Zeitung, 15. April 2015

"Ein wichtiger Beitrag zur erinnernden Solidarität, die einen unentbehrlichen Bestandteil einer lebendigen Menschheitskultur darstellt." Wolfgang Huber, Zeitzeichen, März 2015 "Ein ebenso eindrucksvolles wie erschütterndes Denkmal."
Nürtinger Zeitung, 12. März 2015

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 21.04.2015

Rücksicht auf Kriegsinteressen
Das deutsche Kaiserreich und der armenische Genozid im Jahr 1915

Ausgerechnet Max von Scheubner-Richter fand früh die präzise Kategorie für das Geschehen: "Rassenhass" nannte er, was die türkische Armee zum hunderttausendfachen Mord an den christlichen Armeniern trieb. Ausgerechnet Scheubner-Richter, der wenige Jahre später in München zu der vom Rassenhass getriebenen radikalen Minipartei des Adolf Hitler stieß, diesem Geldquellen aus der Wirtschaft erschloss, ihm am 9. November 1923 das Leben rettete und dabei das eigene verlor. Als Vizekonsul in Erzerum gehörte Scheubner seit April 1915 zu den deutschen Zeugen der Vertreibungen, der Massaker, der Ausrottung eines ganzen türkischen Volksteiles. Seine Einschätzung vom Rassenhass liest man in einer dem "Völkermord an den Armeniern" gewidmeten Darstellung von Rolf Hosfeld, dem Leiter des Lepsius-Hauses in Potsdam. Das Buch basiert auf zahlreichen früheren wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen. Aber er hat auch die neuesten Forschungen, Editionen und Archivquellen berücksichtigt. Der Autor fasst aktuelles Wissen auf hohem erzählerischen Niveau zusammen. Sein Buch liest sich leicht, die Geschichte wird kompakt und dicht geschildert, eine vorzügliche Gesamtdarstellung, ein Sachbuch in lektürefreundlichem Umfang, gleichzeitig historiographisch auf der Höhe der Zeit.

Die Armenier nennen das genozidale Geschehen heute Aghet, "Katastrophe". So ist auch das erste Kapitel der Darstellung von Rolf Hosfeld überschrieben. Der armenische Genozid von 1915 forderte wohl über eine Million Menschenleben. Beginnend mit den städtischen Intellektuellen und sehr rasch auf die armenische Landbevölkerung im Osten der Türkei ausgreifend, vollzog sich der Massenmord in spontanen Massakern und organisierten Hungermärschen. Dabei wurden die tödlichen Maßnahmen auch auf andere christliche, griechische sowie syrische Gruppen ausgedehnt.

Die Motive für das türkische Vorgehen müssen im übersteigerten Nationalismus gesehen werden, der sich einen türkischen Kernbereich des osmanischen Vielvölkerstaats in relativer ethnischer Homogenität zu gestalten suchte. Gegen eine forcierte Politik der Turkisierung war bei den Armeniern der Wunsch nach Autonomie durchaus vorhanden, den aber nur eine Minderheit aktiv durchzusetzen strebte. Verschiedene Quellen deuten zwar auf eine Sympathie der armenischen Bevölkerung mit den Kriegsgegnern der Türken hin, was angesichts ihrer unterdrückten Lage nicht verwundert. Aber einen gesamtarmenischen Aufstand gab es, trotz gegenteiliger Erwartungen in Konstantinopel, Wien und Berlin, nicht. Räumlich isoliert, durch Kultur und Religion als Minderheit gekennzeichnet, dem ökonomischen Neid der Mehrheit ausgesetzt und vor allem wegen des Krieges nicht durch äußere Abschreckung geschützt, stellte der armenische Bevölkerungsteil ein leichtes Ziel dar. Hosfeld zeigt, wie sich die geheimen Beschlüsse des jungtürkischen Komitees für Vereinigung und Fortschritt zum Massenmord radikalisierten, den man alles andere als im Geheimen vollstreckte. Was geschah, zeichnet der Autor im Detail nach.

Weil die Türkei im Ersten Weltkrieg an der Seite der Deutschen kämpfte, waren die Zeugen des "Todes in der Wüste" hauptsächlich Deutsche: Soldaten und Diplomaten, Missionare und Rot-Kreuz-Schwestern, Beamte und Eisenbahningenieure der Bagdadbahn. Sie haben versucht, ihre Vorgesetzten in Deutschland und die Öffentlichkeit zu alarmieren. Heute sind ihre Zeugenberichte die wichtigsten Quellen für die Vertreibungen und Morde. Hosfeld schöpft hieraus in großem Maße für seine Darstellung. Ihm liegt es dabei fern, aus den Zeugen des Geschehens Komplizen der Tat zu konstruieren, wie dies aktuell häufig geschieht. Aber er beschönigt auch nichts. In Berlin hatte man sich von der türkischen Furcht vor einem - den militärischen Erfolg gefährdenden - gesamtarmenischen Aufstand anstecken lassen wollen. Von der Existenzbedrohung des Osmanischen Reichs ausgehend, war das Verhalten konsequent. Die schlimmsten Greuel wurden zwar abgelehnt, aber ein Bruch mit den Türken sollte vermieden werden. Ein wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit durchaus möglicher Druck unterblieb mit Rücksicht auf die deutschen Kriegsinteressen. Hosfeld berichtet, wie der deutschen Presse die Berichterstattung über Armenien verboten wurde. Amtliche Kritik am türkischen Vorgehen kam daher nur aus der deutschen Botschaft in Konstantinopel, nicht direkt aus Berlin. Die Diplomaten in der Türkei positionierten sich eindeutig. Unabhängig von der offiziellen Politik ihrer Metropolen und von dort nicht behindert, gab es zahlreiche Hilfsaktionen von Deutschen, Österreichern und Ungarn vor Ort. Doch ohne wirklichen Druck auf die Führung in Konstantinopel war durch solche Einzelaktionen der massenhafte Tod der Armenier nicht zu verhindern. Diesen Druck hätten in der gegebenen Situation nur die ausreichend informierten Bündnispartner ausüben können. Er unterblieb aus bündnispolitischen sowie militärischen Motiven und nicht, weil man sich von ihm keine Wirkung versprach.

Der türkische Kriegsminister Taalat Bey wurde 1921 nahe dem Bahnhof Zoo in Berlin erschossen. Hosfeld schildert anhand der juristischen Rezeption des Mordprozesses die frühen Anfänge eines internationalen Rechts zur Ahndung von Völkermord. Das ist für ein sehr gelungenes Buch über schrecklichste Ereignisse ein unerwarteter Abschluss, der zum Nachdenken über den seither erreichten juristischen Fortschritt anregt.

MARTIN KRÖGER

Rolf Hosfeld: Tod in der Wüste. Der Völkermord an den Armeniern. C. H. Beck Verlag, München 2015. 288 S.

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