Klug, aber kalt. Ich kam an die Figuren nicht heran, vieles wird nur behauptet statt gezeigt. Lebendige Menschen sehe ich hier nicht.
Frances und Bobbi, Studentinnen in Dublin, waren in der Schulzeit ein Paar und sind auch nach der Trennung eng verbunden geblieben. Über gemeinsame Auftritte lernen sie das ältere Ehepaar Melissa und Nick kennen. Man trifft sich, redet, schreibt einander, und mit der Zeit beginnt Frances eine Affäre mit dem verheirateten Nick, während sie zugleich weiter an Bobbi hängt. Um dieses Geflecht aus vier Menschen dreht sich das Buch, geredet wird dabei viel, über Sex, Kunst, Politik und Gefühle.Ich habe mich nur mühsam durch die Seiten bewegt. Lange habe ich auf eine Entwicklung gewartet, auf einen Punkt, an dem mich die Geschichte packt oder wenigstens überrascht. Dieser Punkt kam für mich nicht. Vieles blieb sich gleich, es wirkte auf mich eher monoton, die Konstellation drehte sich, ohne dass ich wirklich vorwärtskam.Zu den Figuren fand ich keinen Zugang, weder emotional noch zu dem Leben, das sie führen. Dass Frances mit Anfang zwanzig mit sich und ihrer Umwelt ringt, habe ich mitbekommen. Nachvollziehen und mitfühlen konnte ich es nicht. Für mein Empfinden wird vieles behauptet und wenig gezeigt. Mir wird gesagt, dass da etwas nicht stimmt, aber ich spüre es nicht, und so blieb mir Frances eine Figur auf dem Papier.An der wörtlichen Rede ohne Anführungszeichen habe ich mich nach ein paar Seiten gewöhnt. Manchmal wusste ich trotzdem nicht, wer gerade spricht, und musste zurückblättern.Auch das Ende hat mich nicht bewegt. Ich habe es gelesen und das Buch zugeklappt, ohne dass etwas nachhallte.Was mir beim Lesen wichtig ist, sind lebendige, vielschichtige Figuren, Menschen, bei denen ich mitgehe. Diese Nähe habe ich hier nicht gefunden. Erkennbar ist, worauf Rooney hinauswill, und ihre kühle, analytische Art hat ihre eigene Konsequenz.Am ehesten dürfte das Buch denen liegen, die genau diese kühle, beobachtende Erzählweise mögen und keine große Nähe zu den Figuren brauchen. Wer, wie ich, lebendige Menschen sucht, bei denen er mitfiebert, wird es eher schwer haben.