ich weiß nicht wirklich, was ich gelesen habe, aber es war total gut!
Dieses Buch hat mich gleichzeitig fasziniert, verwirrt und teilweise richtig verunsichert zurückgelassen. Es ist eine dieser Geschichten, die einen dazu bringen, an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Was ist Realität? Kann ich meinen Erinnerungen trauen? Und wie kann ein Roman so viele abgefahrene Ideen in sich vereinen?Im Kern geht es um eine geheime Organisation, die sich mit sogenannten "Memes" beschäftigt; allerdings nicht im Internet-Sinn, sondern als gefährliche, oft unsichtbare Phänomene oder Ideen, die sich im Geist ausbreiten. Noch beunruhigender sind die "Antimemes": Dinge, die man nicht wahrnehmen oder erinnern kann. Man sieht sie - und vergisst sie sofort wieder. Genau hier setzt die Geschichte an, und schon diese Grundidee fand ich unglaublich originell und gedanklich extrem reizvoll.Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, mich in einem ständigen Wechsel aus Erinnern und Vergessen zu befinden: genau wie die Figuren selbst. Das sorgt für eine fragmentierte, teilweise fast episodische Erzählweise, die sich aber nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Anfangs wirkte es auf mich eher wie eine Sammlung von Kurzgeschichten, doch je weiter ich kam, desto klarer wurde: Alles hängt zusammen.Besonders stark fand ich, wie konsequent das Konzept durchgezogen wird. Die Figuren arbeiten unter Bedingungen, in denen sie ihre eigenen Erinnerungen nicht behalten können, ständig Gefahr laufen, aus der Realität gelöscht zu werden, und gegen eine Bedrohung kämpfen, die sie eigentlich gar nicht kennen dürfen. Diese Idee hat bei mir wirklich ein beklemmendes Gefühl ausgelöst - fast schon existenziellen Horror.Gleichzeitig ist das Buch aber auch extrem unterhaltsam und stellenweise richtig mind-blowing. Viele Twists haben mich überrascht, und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Gerade der erste Teil hat mich komplett abgeholt: frisch, kreativ und voller wilder Einfälle. Gegen Ende wurde es für meinen Geschmack allerdings deutlich abstrakter. Die Geschichte entfernt sich zunehmend von greifbarer Realität und wird sehr konzeptuell...das fand ich zwar interessant, hat aber auch etwas von meiner emotionalen Bindung gekostet.Stilistisch ist das Ganze solide, wenn auch nicht überragend. Die Sprache erfüllt ihren Zweck, ohne groß herauszustechen. Man merkt teilweise, dass dem Text ein Feinschliff gutgetan hätte; er wirkt stellenweise etwas roh oder unfertig. Aber ehrlich gesagt: Bei so einer Ideenflut konnte ich darüber hinwegsehen.Was mir außerdem gefallen hat, war die ungewöhnliche Aufmachung mit Akten, Fragmenten und Perspektivwechseln. Das passt perfekt zum Thema und verstärkt das Gefühl, selbst Teil dieser brüchigen Realität zu sein. Auch die Figuren funktionieren, obwohl sie (passend zum Konzept) keine klassische Entwicklung durchlaufen.Unterm Strich bleibt für mich ein extrem originelles, mutiges Stück Science-Fiction, das mehr über Ideen als über klassische Handlung oder Stil funktioniert. Nicht alles hat für mich perfekt funktioniert, und ich kann absolut verstehen, wenn jemand gegen Ende aussteigt. Aber die Kreativität und die gedankliche Wucht sind so stark, dass mir das Buch trotzdem lange im Kopf geblieben ist.Ein wilder, manchmal anstrengender, aber definitiv lohnender Trip.Danke an Team Bloggerportal und Penguin House für das Rezensionsexemplar <3