Herzfaden

Roman der Augsburger Puppenkiste. 4. Auflage. 2-farbig, zahlreiche farbige Zeichnungen.
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Ein großer Roman über ein kleines Theater: die Augsburger Puppenkiste.

Ein zwölfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen märchenhaften Dachboden, auf dem viele Freunde warten: die Pri … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Herzfaden
Autor/en: Thomas Hettche

ISBN: 346205256X
EAN: 9783462052565
Roman der Augsburger Puppenkiste.
4. Auflage.
2-farbig, zahlreiche farbige Zeichnungen.
Kiepenheuer & Witsch GmbH

10. September 2020 - gebunden - 279 Seiten

Beschreibung

Ein großer Roman über ein kleines Theater: die Augsburger Puppenkiste.

Ein zwölfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen märchenhaften Dachboden, auf dem viele Freunde warten: die Prinzessin Li Si, Kater Mikesch, Lukas, der Lokomotivführer. Vor allem aber die Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und nun ihre Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. Sie beginnt im 2. Weltkrieg, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, in der Gefangenschaft einen Puppenschnitzer kennenlernt und für die eigene Familie ein Marionettentheater baut. In der Bombennacht 1944 verbrennt es zu Schutt und Asche. »Herzfaden« erzählt von der Kraft der Fantasie in dunkler Zeit und von der Wiedergeburt dieses Theaters. Nach dem Krieg gibt Walters Tochter Hatü in der Augsburger Puppenkiste Waisenkindern wie dem Urmel und kleinen Helden wie Kalle Wirsch ein Gesicht. Generationen von Kindern sind mit ihren Marionetten aufgewachsen. Die Augsburger Puppenkiste gehört zur DNA dieses Landes, seit in der ersten TV-Serie im westdeutschen Fernsehen erstmals Jim Knopf auf den Bildschirmen erschien.

Interview

büchermenschen
EXKLUSIV INTERVIEW:
Vom Trümmerland nach Lummerland

VORHANG AUF FÜR Erzählmagie! Jim Knopf, das Urmel, der kleine Prinz und all die anderen Stars der Augsburger Puppenkiste sowie deren Schöpferin Hannelore Marschall-Oehmichen haben ihren großen Auftritt im neuen Roman "Herzfaden" von Thomas Hettche. Als Autor historischer Stoffe durch "Der Fall Arbogast" und "Die Pfaueninsel" bereits bestens bekannt, brilliert er nun mit einer literarischen Entdeckungsreise zu den Anfängen des legendären Marionettentheaters. Beim Blick hinter die Kulissen rückt er auch die Gründerfamilie und deren künstlerische Weggefährten ins Licht. Ein Abenteuer zwischen Wirklichkeit und zauberhafter Traumwelt.

Wie haben Sie dieses traditionsreiche Theater als Erzählstoff entdeckt?

Es ist immer so, dass die Stoffe mich finden, durch irgendwelche Zufälle plötzlich da sind und mich nicht mehr loslassen. Irgendetwas an einer ganz bestimmten Konstellation von Personen und Themen elektrisiert mich dann. Als ob sich darin ein Geheimnis verbirgt, das ich aufdecken möchte. So war es auch bei "Herzfaden". Ich war sofort fasziniert, als ich von der Puppenschnitzerin Hannelore Oehmichen hörte, die als junges Mädchen zusammen mit ihren Freunden in den Trümmern Augsburgs nach dem Krieg die Puppenkiste gründete.

Portrait

Der Romancier Thomas Hettche gehört seit 1989, seit seinem Debut »Ludwig muß sterben«, zu den oft polarisierenden, stets überraschenden literarischen Stimmen dieses Landes. »Der Fall Arbogast« wurde in 13 Sprachen übersetzt, sein Bestseller »Pfaueninsel«, der die atmosphärische Geschichte einer Kleinwüchsigen im Preussen des 19. Jahrhunderts erzählt, wurde u.a. mit dem Wilhelm-Raabe-, dem Wolfgang-Koeppen-Preis, dem Solothurner Literaturpreis und dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet.

Leseprobe

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Pressestimmen

»Thomas Hettche trifft mit Herzfaden direkt ins Herz der Leser.« RND

»Wie in einem vorzüglichen Puppentheater weiß der Autor, [ ] und somit gewiss früher Nutzer aller erwähnten kulturellen Angebote, Schrecken und Pointe und das, was sich im Gedächtnis festhaken soll, zu platzieren.« Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

»Ein Roman über die magische Kraft des Erzählens, über die Macht der Poesie.« Frank Pommer, Die Rheinpfalz

»Eine zauberhafte Lektüre.« Marion Schwarzmann, Gießener Allgemeine

»Mit spielerischem Tiefgang hat Thomas Hettche selbst wie ein Puppenspieler agiert und schreibend auf wundersame Weise an unserem Herzfaden gezogen. Eine der imponierendsten Neuerscheinungen dieses Bücherjahres.« Peter Mohr, Stadtspiegel Wattenscheid

»Ein vielschichtiger Roman über eine deutsche Familie, über ihr Verhältnis zu Kultur und Ideologie und auch eine Coming-of-Age-Geschichte.« Cornelia Geißler, Berliner Zeitung

»Meisterhaft versteht es Thomas Hettche, immer wieder jene magischen Momente zu beschwören, in denen die Figuren erwachen.« Welf Grombacher, Schwäbische Zeitung

»Wie Thomas Hettche hier die Geschichte der Augsburger Puppenkiste und ihrer Gründer:innen mit den Geschichten ihrer hölzernen Bewohner und mit einem modernen Märchen verknüpft, das ist hochspannend, hinreißend und das ist große Kunst.« Tom Wohlfahrth, Der Freitag

»Thomas Hettche füllt die Geschichte des berühmten Marionettentheaters so klug, spannend, wissend, ja, bezaubernd mit Leben.« stern

»Aus diesem Kontrast zwischen dunklen Kriegstagen und der Macht der Fantasie
zieht der Roman viel Kraft. Hettche gelingt das Kunststück, jene ganz besondere Magie auch in seinem Roman zu entfachen.« Andreas Schröter, Ruhr Nachrichten

»Es ist ein Märchen über die Wahrheit.[...] Eine Erzählung aus Fakten und bunten Phantasmagorien.« Paul Jandl, NZZ

»Thomas Hettche erzählt mit einfachen Worten und poetischem Fluss.« Stefan Keim, WDR 4

»Hettche hat ein feines Gehör für Schönheit und Schrecken.« Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung

»Hettche arbeitet heraus, dass Realität und Märchen eng verbunden sind.« Nadine Schmidt, Krachfink

»Sein [Thomas Hettche] neues Buch Herzfaden ist als Roman der Ausgsburger Puppenkiste , wie der Untertitel lautet, auch ein Generationenphänomen.« Andreas Platthaus, FAZ

»Literarische Referenzen leuchten auf, Märchenhaftes, Zauberhaftes. Herzfaden ist der Faden der Marionette zum Publikum. Thomas Hettche versteht es, daran zu ziehen.« BR24.de

»[...] wie sie sich die Erzähl- und Zeitebenen aufeinander zu bewegen und unmerklich ineinander übergehen, das bildet das ästhetische Zentrum dieses Romans. Er ist unverkennbar selbst ein Marionettenspiel .« Helmut Böttinger, Süddeutsche Zeitung

» Herzfaden entfacht ganz nebenbei die im Kindesalter entfachte Faszination am nur vermeintlich schlichten groben Marionettenspiel neu.« Philipp Seidel, Abendzeitung München

»Es ist eine grandios vergnügliche Wiedersehensfeier mit der eigenen Kindheit. [...] Ein literarischer Triumph.« Denis Scheck, ARD druckfrisch

» Herzfaden ist eine hochromantische Hommage an eine Kunstform, die ganz von der Illusion lebt, dass ein Stück totes Holz zum lebendigen Wesen wird.« Richard Kämmerlings, Welt am Sonntag

»Von der Kraft der Fantasie in dunkler Zeit erzählt Thomas Hettche Roman Herzfaden .« Anja Höfer, SWR 2 lesenswert

»Nichts weniger als dieses ewige Präsens der Fantasie holt Thomas Hettche von der Marionettenbühne und feiert es in seinem besonderen Roman.« Katrin Hillgruber, Der Tagesspiegel

»Charmant steigt Hettche in die Vergangenheit hinab und lässt die Gründungsgeschichte von Oehmichens Marionettentheater aufs Neue lebendig werden.« Alois Knoller, Augsburger Allgemeine

»Geschickt hält der Roman die Balance zwischen Märchenton, phantastischen Elementen im Stil von Michael Endes Unendlicher Geschichte , Coming-of-Age Roman und Zeithistorischem.« Hubert Spiegel, FAZ

»Eine vertrackte Konstruktion [Handlungsebene und Erzählebene], die Thomas Hettche ohne mechanisches Knirschen und mit großer Eleganz zu einem zugleich so unterhaltsamen wie auch beunruhigenden Roman zusammengefügt hat.« Christoph Schröder, Die Zeit

»Dieser für den Deutschen Buchpreis nominierte Roman erzählt sehr anschaulich und empathisch die aufschlussreiche reale Geschichte der Augsburger Puppenkiste.« Jürgen Kanold, Südwest Presse

»Hettche erzählt lebendig, es ist ein leicht zu lesendes, zweifarbig gedrucktes Buch für Jüngere als Kunstallegorie leichtgewichtig, aber eine schöne Liebeserklärung.« Alexander Kluy, Buchkultur

»Das ist wirklich ein Roman, bei dem ich alle meine abgebrühten Lesegewohnheiten zur Seite lege und einfach in diesem Buch versinke, das aber dennoch sehr sehr klug ist und auch sehr lustig.« Wiebke Porombka, Deutschlandfunk Kultur Lesart

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 10.09.2020

Die Unschuld hängt an dünnen Fäden

Was träumt Alice in Augsburg? Thomas Hettche hat den Roman der Augsburger Puppenkiste geschrieben.

Jeder kennt die Augsburger Puppenkiste, aber für jeden von uns beginnt ihre Geschichte anders. Denn all die Familiengeschichten, zu denen die Puppenkiste mit ihren Figuren seit Generationen gehört, unterscheiden sich voneinander. Dass die Augsburger Puppenkiste selbst auch eine Familie bildet, also auch selbst eine Familiengeschichte haben muss, ist wohl nur den wenigsten je in den Sinn gekommen. Thomas Hettches neuer Roman erzählt diese Geschichte. Sie handelt nicht von Urmel, dem Gestiefelten Kater, Jim Knopf oder dem kleinen König Kalle Wirsch, obwohl all diese Gestalten Rollen im Roman übernommen haben. Auf der Bühne sind die Marionetten die unbestrittenen Hauptfiguren, aber im Roman haben sie nur Nebenrollen. Hettche erzählt von dem, was sich am anderen, dem unsichtbaren Ende der Fäden befindet. "Herzfaden" erzählt von denen, die führen und geführt werden.

Die hölzernen Türen, die sich zu Beginn jeder Vorstellung öffnen, waren ursprünglich die Seitenteile einer Transportkiste der Deutschen Reichsbahn. Die Puppenkiste war ein Provisorium, aus der Not geboren. Ihr Vorläufer, der sogenannte Puppenschrein, verbrannte nach einem Bombenangriff der Alliierten in den Trümmern des Stadttheaters. Deutschlands bekannteste Marionettenbühne, begründet von Walter Oehmichen, dem früheren Augsburger Oberspielleiter, gilt als liebenswertes Symbol der frühen Bundesrepublik, aber wie vieles in den Jahren des Aufbruchs und Neubeginns nach 1945 hat auch das Marionettentheater seinen Wurzelgrund im "Dritten Reich". Nein, es geht im Roman nicht darum, eine dunkle Stelle im Leben Oehmichens zu finden oder eine Verstrickung der Puppenkiste mit den Nationalsozialisten zu enthüllen. "Jud Süß" stand hier nie auf dem Spielplan. So einfach hat es sich Hettche nicht gemacht.

Der Roman setzt nicht vor einer Vorstellung ein, sondern danach. Was gezeigt wurde, erfahren wir nicht. Ein Mädchen reißt sich von der Hand seines Vaters los, öffnet neugierig eine unscheinbare Holztür in einem Winkel des Theaterfoyers, und schon befindet sich das Kind in einer anderen Welt. Denn auf dem Dachboden des Gebäudes sind alle Marionetten beisammen. Hier, in ewiger Dunkelheit, sind sie lebendig, können umherlaufen, sprechen oder singen wie die Prinzessin Li Si. Aber auch ihre Schöpferin ist hier, Hannelore Oehmichen, genannt Hatü. Sie hat die meisten Marionetten geschnitzt - insgesamt sollen es etwa sechstausend gewesen sein -, viele von ihnen während der Vorstellungen geführt und die Leitung der Puppenbühne 1972 von ihrem Vater übernommen. Die reale Hatü ist 2003 gestorben, hier lebt sie weiter, inmitten ihrer Geschöpfe, und beinahe ist es, als wäre sie selbst eines von ihnen. Denn auf dem Dachboden sind alle gleich klein. Auch das Mädchen ist geschrumpft. Hettche stattet das Kind nur mit dem Allernötigsten aus, um es in unserer Gegenwart zu verorten: einem Elternpaar, das sich getrennt hat, und einem iPhone. Einen Namen gibt er der Zwölfjährigen nicht. Nennen wir sie Alice in Augsburg.

Was Alice erlebt, ist im Kern märchenhaft, also überschaubar und schlicht im Handlungsablauf, aber vieldeutig in seinen Bezügen und Deutungsmöglichkeiten. Es gibt einen bösen Kasperl, den alle fürchten, sogar Hatü. Er muss bezwungen, aber auch erlöst werden. Was auf dem verzauberten Dachboden geschieht, ist im Roman in roter Farbe gesetzt, in blauer Schrift erscheint die Geschichte, die Hatü ihrer Besucherin erzählt. Das ist der eigentliche "Roman der Augsburger Puppenkiste", den der Untertitel verheißt. Er setzt mit dem abrupten Urlaubsende im Sommer 1939 ein, als der Krieg ausbricht und Walter Oehmichen einberufen wird. Im Folgenden erzählt Hatü die Geschichte ihrer Familie, der eigenen Kindheit und Jugend und der ersten Jahre der Augsburger Puppenkiste. Auf dieser Ebene endet der Roman mit der Produktion von "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" für den Hessischen Rundfunk, die als erste deutsche Serie Fernsehgeschichte geschrieben hat. Die Rahmenhandlung, die weit weniger Raum einnimmt, wird mit der Rückkehr des Mädchens in die reale Welt beschlossen.

Hettche ist kein Lewis Carroll, aber "Herzfaden" ist wie "Alice im Wunderland" ein Buch für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Geschickt hält der Roman die Balance zwischen Märchenton, phantastischen Elementen im Stil von Michael Endes "Unendlicher Geschichte", Coming-of-Age-Roman und Zeithistorischem. Nicht nur die Familie Oehmichen und ihre engsten Mitarbeiter, auch zahlreiche Nebenfiguren haben reale Vorbilder. Personen und Ereignisse, die in diesem Roman vorkommen, so heißt es in einer Nachbemerkung, habe es wirklich gegeben, und zugleich seien sie erfunden. Man darf davon ausgehen, dass Hettche gründlich recherchiert hat. Spannend wird die Frage, wie es um das Verhältnis von historischen Fakten und Fiktion steht, wenn Hettche die zentralen Fragen des Romans verhandelt.

Dass der Vater eine Affäre hatte, Hatü kurz in den Maler Michel verschossen war, bevor sie dann doch ihre Jugendliebe Hanns Marschall heiratete, während sie die Entfremdung von ihrer besten Freundin Vroni nicht aufhalten konnte, mag so oder auch ganz anders gewesen sein. Das ist mehr oder weniger egal. Oder, wie Hettche Oehmichen sagen lässt: "Darauf kommt es nicht an . . . Wir müssen die Herzen der Jugend erreichen, die von den Nazis verdorben wurden. Und die Fäden, mit denen wir sie wieder an Kultur anknüpfen, das sind die Fäden meiner Marionetten." Dreißig Seiten später stellt Oehmichen einigen jungen Leuten - der künftigen "Familie" der Puppenbühne - sein Konzept eines transportablen Theaters vor. Die Reisepuppenbühne in einem ehemaligen Transportbehältnis der Reichsbahn: "Das ist unser Theater. Diese Kiste. Sie ist alles, was uns geblieben ist. Sie steht in den Ruinen. In sie sperren wir alles ein, was war. Verwandelt wird es wieder herauskommen."

Ist die Augsburger Puppenkiste also im Kern ein ideologisches Projekt gewesen? Ein Instrument der Volkserziehung, gegründet aus der Überzeugung, die deutsche Jugend, verdorben durch HJ und BDM, bedürfe einer moralischen Grundreinigung? Und ist der Puppenspieler einer, der aufgrund seiner Verfehlungen besser im Hintergrund bleibt, unsichtbar, aber die Fäden ziehend, weil er die Bühne denen überlassen will, die beides besitzen: Anmut und Unschuld?

Hettche ist viel zu klug, um sich da festzulegen. Ja, für Oehmichen sind Marionetten die besseren Menschen. Und nein, man kann die Hexe im Märchen von Hänsel und Gretel nicht in den Ofen stoßen, ohne an die deportierten Juden und ihre millionenfache Ermordung in den Lagern zu denken. Hatüs böser Kasperl, der auf dem Dachboden die anderen Marionetten in Angst und Schrecken versetzt, ist eine allegorische Figur, in der ebenso viel Verdrängtes steckt wie in der ganzen Augsburger Puppenkiste. Seine Puppen seien nicht eitel, lässt Hettche Oehmichen einmal sagen. Das ist, nur um eine Nuance abgewandelt, Kleists Bemerkung, dass einer der Vorteile der Marionette darin liege, "dass sie sich niemals zierte". Um in den Stand der Unschuld zurückzufallen, müssten wir wohl wieder vom Baum der Erkenntnis essen, sagt, ein wenig zerstreut, Kleists Erzähler. Hettches Roman erzählt uns vom Traum eines ganzen Landes vom allmählichen Verfertigen der Unschuld beim Spiel der Marionetten. War das kein unschuldiger Traum?

HUBERT SPIEGEL

Thomas Hettche: "Herzfaden". Roman der Augsburger Puppenkiste.

Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020. 288 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Hommage an Augsburg und seine Puppenkiste
von Elke Seifried - 24.10.2020
»Der wichtigste Faden einer Marionette. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns. Der Herzfaden einer Marionette macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.« Wer hat ihn nicht vor Augen, den süßen Lukas den Lokomotivführer oder Urmel aus dem Eis, zwei Figuren, die für mich ganz fest mit der Augsburger Puppenkiste verbunden sind. Die Entstehungsgeschichte dieser zu erfahren, hat mich sofort angelockt und die Lobeshymnen auf das Buch haben ihr übriges getan, dass ich unbedingt lesen wollte, allerdings bin ich vielleicht aufgrund dessen mit etwas zu großen Erwartungen ran gegangen. Mehr als genervt ist das zwölfjährige Mädchen, das zu ihrem Leidwesen das Wochenende bei ihrem Vater verbringen muss, "Was fiel dem Vater ein, dachte es wütend: Puppentheater war Kinderkram.", beschließt daher einfach wegzulaufen und landet so nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einem märchenhaften Dachboden. Dort ist sie plötzlich umringt von unzähligen Marionetten, die zum Leben erwacht sind und eine wunderschönen Frau, riesengroß, in einem altmodischen Damenkostüm, scheint das Sagen zu haben. Hatü ist ihr Name, Rauchen ihr Markenzeichen und für sie gilt, »Du hast recht, Rauchen ist ungesund. Aber zu meiner Zeit hat man es eben getan.« »Zu Ihrer Zeit? Was meinen Sie damit?« »Ja Herzchen, was denkst du denn? Ich bin doch schon lange tot!". Obwohl sie alle Fäden in der Hand hält, scheint ihr der Kasper Angst einflößen zu können. Was hat es mit dem auf sich? Dem Geheimnis will das Mädchen mithilfe von Prinzessin Li Si, Lukas und einigen anderen auf die Spur kommen. »Er guckt wirklich ein bisschen finster. Wollen wir ihn freundlicher machen?« Bevor Hatü etwas erwidern kann, hat der Vater den Kopf des Kasperls in der Hand wie einen Apfel, in der andern das Schnitzmesser,¿" ganz spannend gemacht finde ich das Rätsel um den Kasper, das natürlich auch beim Leser Neugierde schürt, und vor allem auch die Auflösung konnte mich durchaus berühren. Richtig gut hat mir auch gefallen, dass man hier die interessante Entstehungsgeschichte der Augsburger Puppenkiste erfährt, da Hatü sie dem Mädchen erzählt. "Der Vater lässt das Gerippe am Spielkreuz über die vollgestellte Werkbank stapfen, als wäre es eine Ruinenlandschaft, klappernd geht das Gebiss dabei auf und zu und die Fingerknöchelchen der Hände tasten durch die Luft. Dann aber fällt alles in sich zusammen und der Tod liegt, scheinbar nichts als ein Knochenhaufen, inmitten des Gerümpels." Nachdem der Vater aus dem Krieg zwei Marionetten mit nach Hause gebracht hat, hebt sich im Wohnzimmer Oehmichen im November 1942 zum ersten Mal der Vorhang des Puppenschreins und "Hänsel und Gretel" erwachen zum Leben. Verschiedene Vorführungen in der Kriegszeit, ein erstes kleines Theaterchen, das in der Bombennacht am 25. Februar 1944 verbrennt, Wiederbeginn aus dem Nichts, die Augsburger Puppenkiste, der Weg zum Film, all davon erfährt man hier. Gekonnt verwebt der Autor Thomas Hettche auch die innere Familien- und Entstehungsgeschichte der Puppenkiste mit den äußeren Zeitumständen. Man erfährt vom knarzenden Urwaldheini, Hatüs stramm linientreuen Lehrer, der widerständigen Stimmung zu Hause, wo man in der BBC, dem "Feindsender", Thomas Mann hört oder auch von der Marionette Melchior, die zum Rassenproblem wird. Nach dem Krieg ist die Devise, »Wir müssen die Herzen der Jugend erreichen, die von den Nazis verdorben wurden. Und die Fäden, mit denen wir sie wieder an Kultur anknüpfen, das sind die Fäden meiner Marionetten.« , immer wieder ist aber auch die leise Kritik zu spüren, die der Autor oft pointiert und gekonnt unterbringt. Da heißt es dann schon mal "Theo Kratzert, der jetzt bei den Amerikanern arbeitet, [¿] Ungewohnt sah er aus in seinem blauen Overall neben dem weiß gestrichenen Kontrollhäuschen mit den amerikanischen Flaggen und den Wachsoldaten. Hatü musste daran denken, wie stolz er immer in seiner HJ-Uniform herumgelaufen war", es wird eine Ina Seidel bei einem Empfang kritisch kommentiert, oder auch vom Film "Nacht und Nebel" ist die Rede. Da mir Augsburg wohlbekannt ist, hat mir auch unheimlich gut gefallen, dass man dort viel auf den Straßen unterwegs sein darf und so nicht nur von den Zerstörungen im Krieg, sondern auch von den schönen Ecken lesen darf. Als Leser bekommt man hier auch zahlreiche Märchen im Märchen erzählt. Man darf so z.B. Hänsel und Gretel, den kleinen Prinz, den bösen Wolf und einige andere noch einmal in der von der Familie aufgeführten Version lesen. Dabei lebten bei mir zahlreiche Kindheitserinnerungen auf, aber die wären vielleicht auch entstanden, wenn die Märchen eine kürzere Erwähnung gefunden hätten, hier ist bei mir an der einen oder anderen Stelle durchaus eine kleine Länge entstanden. Der Schreibstil des Autors ist super anschaulich, ich hatte das Gefühl mit dem Mädl geschrumpft auf dem Dachboden zu sein und die Marionetten mit Leben erfüllt um mich zu haben und auch in der Vergangenheit habe ich alles wie in einem Film erlebt. Das hat mir unheimlich gut gefallen. Nicht ganz so glücklich war ich mit den für mein Empfinden harten Brüchen zwischen vielen Kapiteln. Ich musste mich stellenweise immer erst ein wenig zurechtfinden. Etwas erleichtert hätte das sicher der Druck in zwei Farben, im Buch wird wohl Vergangenheit und Gegenwart durch verschiedene gekennzeichnet. Ich hatte das ebook, die Version für den kindle. Bei meinem Paperwhite, der nur Schwarz-Weiß kennt, war ich mit der blassen Schrift, die sich aus der farbigen im Original scheinbar ergibt, nicht ganz so glücklich. Deshalb gibt es hier auf jeden Fall eine Empfehlung für ein Printexemplar, auch schon wegen der tollen Zeichnungen der Marionetten, die man hier zwischen den Kapiteln bekommt. Auf dem Tablet in Farbe gelesen, mag es anders sein. Alles in allem genügt es bei mir für fünf begeisterte Sterne leider nicht ganz, da bin ich vielleicht aber auch mit zu hohen Voraussetzungen rangegangen und die schlecht lesbare Schrift hat das Vergnügen eben auch geschmälert. Aber sehr gute vier und eine Leseempfehlung sind ja auch nicht zu verachten.
Poetisch schön geschrieben
von Lesetalk - 21.10.2020
Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, da ich - weiß ich es noch ganz genau- als kleiner Bub immer voller Vorfreude vor dem Fernseher saß, wenn sich die Augsburger Puppenkiste ankündigte. Das Fernsehprogramm lief ja damals noch nicht rund um die Uhr, und so war es für mich immer ein Highlight, wenn ich die Augsburger Puppenkiste anschauen durfte. Das Buch ist sehr schön gestaltet und ist zweifarbig geschrieben. Auch die Zeichnungen im Buch sind künstlerisch schön und ansprechend, sodass es eine Freude für mich war, beim Lesen diese betrachten zu können. Die beiden Farben, mit denen die Geschichte geschrieben ist, zeigen mir gleich, dass die Geschichte in zwei Ebenen spielt. Zum einen spielt der Roman im Hier und Jetzt (rot geschrieben) und dann erzählt uns der Autor die Geschichte von Hannelore Marschall, genannt "Hatü" in blauer Schrift. Bei keinem Buch ist mir die Rezension so schwer gefallen, wie bei diesem. Meine Erwartungen waren wohl¿¿ja was eigentlich? Zu hoch, oder was genau habe ich denn erwartet? Ich kann es nicht sagen. Deswegen bin ich zwar auf der einen Seite etwas enttäuscht, oder besser eher überrascht, wenngleich das Buch mit Lobeshymnen überschüttet wird, u. a. von Dennis Scheck. Aber andererseits macht das Buch etwas mit mir. Irgendetwas ist mit mir geschehen, während ich es gelesen habe, etwas, was mir gut getan hat. Ich bin glücklich, weil ich wieder Kind bin. Die Geschichte ist schnell erzählt. Ein kleines Mädchen, dessen Namen wir nicht erfahren, verirrt sich auf den dunklen, scheinbar schier unendlichen Dachboden der Augsburger Puppenkiste und trifft dort zunächst auf "Hatü" und auch auf die, mir aus Kindertagen so lieb gewonnenen Marionetten, wie das Urmel, den kleinen König Kalle Wirsch oder Jim Knopf. Auch auf den Kasperl trifft das Mädchen, der zunächst als extrem boshaft dargestellt wird, was ich so nicht verstanden habe. Auch was das IPhone des Mädchens in der Geschichte zu tun hat, erschließt sich mir auch bis zum Ende des Buches nicht. Was mir aber sehr gut gefällt ist, dass ich nun die Geschichte der Augsburger Puppenkiste erfahre. Wie alles anfing, in einer Zeit, in der der zweite Weltkrieg das Leben der Menschen fest im Griff hatte und auch darüber, wie das NS-Regime das Leben der Menschen beeinflusst hat. Wie aus der Not heraus und aus einer vielleicht daher gesagten Idee etwas wirklich schönes wurde. Die Augsburger Puppenkiste. Auch hatte ich zwischendurch die Befürchtung, dass sich der Autor zu einem kitschigen Erzählstil hinreißen lassen könnte/ würde, was aber überhaupt nicht der Fall ist. Thomas Hettche gelingt hier eine Gratwanderung aus einer historischen Geschichte und einer Familiengeschichte gepaart mit einer Erzählung über die wohl bedeutendste Sendung der Nachkriegszeit im Deutschen Fernsehen, der Augsburger Puppenkiste. Und dies meistert Thomas Hettche wirklich bravurös und es ist eine Freude, das Buch zu lesen. Aber mit dem Schreibstil hatte ich dennoch so meine Auseinandersetzungen, da er mir zum Teil zu langatmig erschien, mich müde gemacht hat. Die Charaktere im Buch, und da meine ich nicht die Marionetten, denn die sind für mich absolut Klasse, gefallen mir gut, allerdings hätte ich gern auch mehr über das Mädchen auf dem Dachboden erfahren. Die scheinbar kettenrauchende Hatü dagegen erzählt dem Mädchen ihre Geschichte sehr gut. Wie sie ihre Kindheit verbracht hat, den Vater in den Krieg ziehen lassen musste und wie sie dann nach dessen Rückkehr die Augsburger Puppenkiste als Familienunternehmen gemeinsam aufbauen, wie sie die Marionettenköpfe schnitzt, sich verliebt, und erwachsen wird. Auch wie die junge Hannelore Marschall den Krieg und das Naziregime erlebt, und Menschen plötzlich am nächsten Tag verschwunden sind, wird deutlich. Ja man könnte streiten, ob dies in einem Buch über die Augsburger Puppenkiste notwendig ist, aber da es ein Teil unser aller Geschichte ist, finde ich es völlig in Ordnung wie und auch in welchem Umfang darüber geschrieben wird. Unterm Strich lässt mich das Buch zweigeteilt zurück. Ich werde Dank meiner, aus Kindheitstagen lieb gewonnenen Wegbegleiter, wie Jim Knopf, das Urmel, oder Kalle Wirsch, wieder in die Kindheit zurück gebracht, was viele Erinnerungen in mir geweckt hat und mich an viele Situationen als kleiner Bub erinnert hat, was mir wirklich gut getan hat. Andererseits bin ich etwas vom Schreibstil ermattet, der sich für mich teilweise schwierig dargestellt hat und zwischendurch ermüdend gewesen ist. Es ist für mich persönlich dennoch ein lesenswertes Buch mit kleinen Schwächen, die mich aber nicht wirklich stören. Wie ich ja oben schon beschrieben hatte, ist mir keine Rezension bisher so schwer gefallen, wie diese hier. Schön, dass ich meine Wegbegleiter aus Kindertagen noch einmal so persönlich treffen durfte. Das Urmel sagt: "Ich tomme mit! Oder "hatsi¿¿tsuldigung". Und schon habe ich das Bild vom Urmel mit seinem um den Hals hängenden Schnuller im Kopf. Herrlich. Hatsi , tsuldigung¿¿..wer muss da nicht schmunzeln, weil es das Kind in uns anspricht.
Ein würdiger Kandidat für den Deutschen Buchpreis 2020
von Elke - 06.10.2020
Die erste Fernsehserie, die ich in meiner Kindheit atemlos verfolgt habe, war Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer. Ich durfte es bei einer Freundin anschauen, weil wir damals noch kein Fernsehgerät hatten, und ich erinnere mich, dass wir beide angespannt verfolgt haben, was da auf dem Bildschirm geschah. Augenblicke, die uns in unbekannte Welten mitnahmen, uns verzauberten. Die eine magische Verbindung zwischen der Marionette und dem Zuschauer schufen. Es war der Faden, der mitten unser Herz führte, vergessen ließ, dass Jim Knopf nur eine Holzpuppe war. Hettches "Herzfaden" wagt den Spagat zwischen einem Blick zurück in die jüngere Vergangenheit Deutschlands und einer Gegenwart, die einem phantastischen Roman entstammen könnte, verbunden mit der Geschichte der Familie Oehmichen. Bindeglied ist ein Mädchen, das nach einer Vorstellung eine unscheinbare Tür im Foyer öffnet und sich auf dem Dachboden, quasi hinter den Kulissen wiederfindet. Und dort sind nicht nur alle Marionetten der Puppenbühne lebendig sondern auch ihre Schöpferin, Hannelore (Hatü) Oehmichen, die bis zu ihrem Tod das Werk ihres Vaters fortgesetzt hat. Hatü erzählt dem Mädchen von ihrer Kindheit, von der Angst während der Bombennächte, von der Deportation der Juden, von der Nachkriegszeit, in der die alten Nazis wieder Schlüsselpositionen besetzen, aber auch von einer Generation, die von den Erlebnissen in Krieg und Alltag traumatisiert ist. Und sie erzählt von den Anfängen der Augsburger Puppenkiste, von ihrem Vater Walter, dessen Anliegen es war, genau diese Menschen zu trösten, zu heilen, ihnen wieder Hoffnung zu geben. Ihre Herzen zu erreichen, und sei es auch nur mit Marionetten. Thomas Hettches "Herzfaden" ist ein würdiger Kandidat für den Deutschen Buchpreis 2020. Meine Daumen sind gedrückt!
Ein Highlight!
von Susanne Probst - 03.10.2020
Dieser Roman war für mich ein ¿Muss¿, weil ich vom letzten Roman des Autors, ¿Pfaueninsel¿ dermaßen begeistert war. In ¿Herzfaden¿ geht es wieder um eine historische Geschichte, die aber dieses Mal in Augsburg spielt und von der berühmten Augsburger Puppenkiste und ihren Anfängen handelt. Wer kennt ihn nicht, den ¿Urmel aus dem Eis¿? Ich habe ihn unzählige Male im Fernsehen verfolgt und mit meinen Kindern war ich nicht nur einmal in der Puppenkiste. Das ist also der zweite Grund, warum mich die Geschichte um Walter Oehmichen, einen Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, und um seine Tochter, die Puppenschnitzerin Hatü Oehmichen, die als junges Mädchen zusammen mit ihren Freunden in den Trümmern Augsburgs nach dem Krieg die Puppenkiste gründete, interessiert und in seinen Bann gezogen hat. Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass Hatü Oehmichen selbst es ist, die ihre Geschichte einem zwölfjährigen Mädchen erzählt, das nach einer Vorstellung der Puppenkiste ganz im Stil bekannter Märchen durch eine Tür auf den Dachboden gelangt, wo sie von verschiedenen Marionetten und Hatü begrüßt wird. Der Beginn dieses gegenwärtigen Erzählstrangs ist sehr märchenhaft, aber auf dem Dachboden herrscht nicht nur heile Welt. Auch im zweiten Erzählstrang, in dem es um die Geschichte der Puppenkiste geht, die gar nicht ohne die grauenhafte Geschichte der Nazizeit erzählbar ist, wechseln sich bezaubernde und düstere Momente ab. Dem Autor gelingt es bravourös, diese beiden Geschichten miteinander zu verweben. Hatü zu begleiten, wie sie im Krieg aufwächst, ihre ersten Puppen schnitzt und sich zum ersten Mal verliebt, macht großen Spaß. Sie glaubt an ihren Traum und schafft den Durchbruch. Chapeau! Der 288-seitige Roman ist in einfacher und poetischer Sprache geschrieben und spielt auf verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen, die sich peu à peu aufeinander zubewegen und schließlich raffiniert ineinander übergehen. Die gleichermaßen berührende, bewegende, wie zauberhafte Geschichte ist zu keinem Zeitpunkt kitschig oder seicht. Sie hat mich fasziniert, gefesselt und begeistert. Aber nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch WIE der Roman von Thomas Hettche komponiert wurde, macht es überaus lohnenswert, zum Buch zu greifen. Es ist eine Wertschätzung der Frau, die felsenfest an ihren Traum geglaubt und leidenschaftlich und mit Herz ihr Ziel verfolgt hat und es ist eine Hommage an Holzpuppen, denen der Puppenspieler und die Puppenkiste
Berührend und voller Magie
von karo_liest - 03.10.2020
Wer kennt sie nicht, die Augsburger Puppenkiste? Mit ihren berühmten Figuren wie Jim Kopf und Lukas, dem Lokomotivführer, Urmel aus dem Eis und dem Kasperl. Thomas Hettche hat einen Roman geschrieben über sie. Einen Roman über die Puppenkiste und über die Familie Oehmichen, die die Marionettenbühne gegründet hat, aber auch über die Zeit damals. Es ist die Zeit des 2. Weltkriegs, der so viel Leid gebracht hat und 1944 in einer Bombennacht auch Augsburg zerstörte. Ein zwölfjähriges Mädchen gelangt nach einem Besuch einer Theater-Vorstellung durch eine Tür in eine Fantasiewelt auf dem Dachboden der Augsburger Puppenkiste. Dort trifft sie auf die berühmten Marionetten und auf die junge Hatü, die Tochter von Walter Oehmichen. Und Hatü beginnt zu erzählen. Hettche lässt die Geschichte auf zwei Zeitebenen spielen. Diese werden hervorgehoben durch verschiedene Schriftfarben. Blau für die Vergangenheit, Rot für die Gegenwart. Man ist sofort gefangen und mittendrin in der Geschichte. In einer Geschichte voller Phantasie und voller Melancholie. Und auch mittendrin in der Vergangenheit, in den Wirren des zweiten Weltkriegs. Dieser Roman, der zurecht für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert wurde, hat mich sehr berührt und begeistert. Er ist sprachlich so fein, so leicht, so voller Poesie. Und ein wenig erinnert das Buch mit den beiden Erzählsträngen und den farbigen Texten an Michael Endes Unendliche Geschichte . Verwunderlich ist dies nicht, denn Herzfaden ist auch eine Hommage an Michael Ende. Die Lektüre gehört definitiv schon jetzt zu meinen Lese-Highlights dieses Jahres. Und ich kann sie jedem nur wärmstens empfehlen. Ein Buch, das man gelesen haben muss und das zurecht auf der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises steht. Herzfaden von Thomas Hettche hat 288 Seiten und ist im Kiepenheuer & Witsch Verlag erschienen.
Nicht nur für Fans der Augsburger Puppenkiste ein absolutes Muss
von Lesendes Federvieh - 01.10.2020
Die Augsburger Puppenkiste ist eine Institution in Deutschland. Groß und Klein gleichermaßen sind von den Stücken begeistert, die im Marionettentheater aufgeführt werden. Thomas Hettche erzählt nun die Geschichte dieser außergewöhnlichen Bühne... Dabei ist man von Anfang an umwoben von der Magie der Puppen, denn im ersten Erzählstrang verirrt sich ein kleines Mädchen, das zuvor eine Vorstellung besucht hatte, auf den Dachboden des Theaters. Dort taucht sie ein in die Zauberwelt von Hatü und ihren wundervollen Marionetten. Man erlebt mit ihr das Urmel aus dem Eis, Jim Knopf, Prinzessin Li Si und viele andere unverwechselbare Charaktere, ein Karussell voller Erinnerungen an unvergessliche Theater- und Ferseherlebnisse beginnt sich zu drehen. Genau vor diesem Hintergrund erzählt der Autor abwechselnd im zweiten Erzählstrang die spannende Geschichte einer Familie, denen das Theater im Blut liegt. Er schildert die Schwierigkeiten in Zeiten des Zweiten Weltkrieges und noch lange danach so anschaulich wie in einem Film, man ist bei Familie Oehmichen einfach direkt mit dabei. Man spürt den Enthusiasmus und Zusammenhalt der ganzen Familie, das Improvisationstalent und das künstlerische Gespür, um den Traum ihrer Puppenkiste wahr werden zu lassen. Durch die Verknüpfung der beiden Erzählstränge bleiben die hölzernen Figuren herrlich lebendig, ich konnte immer besser nachvollziehen, wieviel Herzblut von Walter Oehmichen und Hatü in der Schaffung der Marionetten steckt. Ich habe mitgelitten, mitgefiebert und mich gefreut, wenn es wieder einen Schritt weiter zur Realisierung der Augsburger Puppenkiste ging. Ich bin nicht nur ein großer Fan von Urmel & Co., sondern auch einer dieses Buches, das dem Leser auf lockere, poetische und fantasievolle Weise die Magie dieser Institution nahebringt. Und zugleich einen authentischen Einblick in ein Stück Zeitgeschichte ermöglicht. Einfach großartig. Fazit: Nicht nur für Fans der Augsburger Puppenkiste ein absolutes Muss
Märchenhaft
von begine - 23.09.2020
Der Schriftsteller Thomas Hettche hat mit "Herzfaden" mit poetischem Stil, über die Anfänge der Augsburger Puppenkiste geschrieben. Er lässt die Vergangenheit lebendig werden. Wie in einem Märchen entdeckt ein 12jähriges Mädchen die Marionetten. Sie trifft die Tochter des Theaterdirektor, die ihr alles von damals erzählt. Man wird an die eigene Kindheit erinnert, die Marionetten werden wieder lebendig. Wir erfahren viel über das Marionettenspiel und über die Herstellung der Puppen. Der Roman ist eine romantische Hommage an die Illusion. Er ist märchenhaft und zauberhaft, mit ernstem Hintergrund. Es ist eine Erinnerung an die Familie Oemichen, die Gründer der Augsburger Puppenkiste. Der Roman unterhält gut.
Eine Insel mit zwei Bergen...
von G. Schad (Hugendubel Landshut) - 16.09.2020
Eine Insel mit zwei Bergen.... Das tönte sofort in meinem Kopf als ich das Titelbild sah und viele, viele schöne Kindheitserinnerungen erwachten! Thomas Hettche nimmt uns mit, mitten hinein in die Geschichte der Puppenspielerfamilie, deren Puppen wir ins Herz geschlossen haben. Es lohnt sich, die Geschichte zu entdecken und der Herzfaden verbindet uns.
schön
von Petra Wiechmann - 09.09.2020
Wie ist die Augsburger Puppenkiste entstanden? Warum ist ein bekannter Schauspieler auf einmal Puppenspieler geworden? Was sagen uns die Märchen und Geschichten der Puppenkiste? Der Autor hat auf alles eine Antwort. Zum Teil ist es ein biographischer Roman, dann wieder eine fantastische Geschichte oder ein Versuch die Menschen in der dunkelsten Zeit darzustellen. Zum einen erzählt dieser Roman die Geschichte einer meiner liebsten Kindheitserinnerungen, zum anderen ist es die Geschichte über Menschen die alles verloren haben und trotzdem oder vielleicht darum den Willen hatten, anderen wieder Mut zu machen., Die Menschen die beschrieben werden sind sehr unscharf gezeichnet, mit wenigen Worten und Handlungen entstehen ganze Lebensläufe, das Diffuse an den Figuren macht sie für mich als Leser spannender, ich kann für mich die Lücken füllen, dem Ganzen meinen persönlichen Touch verleihen. Ich hatte das Gefühl der Autor vergleicht uns Menschen mit seinen Marionetten, als ob wir auch an langen Fäden von größeren nicht sichtbaren Mächten geführt. Wie zum Beispiel: Ehrgeiz, Neid oder Liebe. Ganz selten reißt so ein Faden und die Marionette ist defekt, man kann sie flicken aber ist sie wieder genauso? Vor allem der unsichtbare Herzfaden ist wichtig. Es sind für mich die Gedanken die uns dazu bringen die Figur zu bewegen, ihr eine Stimme zu verleihen, die Gedanken die wir weiter geben wollen an die Zuschauer, Gefühle vermitteln um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, jedenfalls für diesen Augenblick.
Raffinierter Tanz zwischen Fantasie und Wirklichkeit
von Sursulapitschi - 05.09.2020
Dies ist eins von den Büchern, die man eigentlich gleich nach dem Beenden noch einmal lesen möchte. Ich weiß nicht, ob ich alles verstanden habe, aber was ich verstanden habe ist weise, zauberhaft, bittersüß und ich glaube, ich könnte noch sehr viel mehr verstehen. Natürlich erfährt man hier die Geschichte der Augsburger Puppenkiste: Wer war Walter Oehmichen, wie kam er zum Puppenspiel und was faszinierte seine Tochter Hannelore, die Hatü genannt wurde, daran? Es liest sich ein bisschen wie der amerikanische Traum in Deutschland: Vom einfachen Schauspieler, quer durch den Krieg zu einer Institution im frisch erfundenen deutschen Fernsehen. Zu dieser Familiengeschichte gehört auch ein gutes Stück Zweiter Weltkrieg, den man hier aber eher fühlt als dass man Fakten geliefert bekäme. Wie kommt man durch den Krieg mit einer Künstlerseele? Wie fühlt es sich an, wenn plötzlich Nachbarn, Freunde und Kollegen zu Geächteten werden, man mitten im Wahnsinn steckt und überleben will. Und wie sieht wohl ein Kind den Krieg, das nicht versteht, was passiert und sich wundert, dass seine Welt kopfsteht. Da kann ein Puppenspiel die Tür in eine andere Welt öffnen, wenn man den Herzfaden sieht, der eine Marionette lebendig macht, dieser Herzfaden, der bewirkt, dass Generationen dahinschmelzen wenn das Urmel sagt: "Ich tomme mit!" "Der Herzfaden, hat sie die Stimme ihres Vaters im Ohr, ist der wichtigste Faden einer Marionette. Er macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht." Das ist der eine wundervolle Teil dieses Buches. Zusätzlich begleiten wir in der heutigen Zeit ein Mädchen, das sich verlaufen hat und in einer zauberhaften, aber beklemmenden Zwischenwelt gelandet ist. Auf dem Dachboden eines Puppentheaters trifft es auf eine riesige Hatü und hat selbst Marionettengröße. Wie kann das sein? Dieser Aspekt des Buches gibt Rätsel auf. "Die Vergangenheit ist die Gegenwart und die Gegenwart die Vergangenheit. Die Zeit löst sich in der Dunkelheit auf. In einer Geschichte setzt sie sich wieder zusammen." Was ist ein Märchen und was geben uns Geschichten? Sind Märchen für Kinder gemacht? Von Geschichten wie Jim Knopf kann jeder etwas mitnehmen, egal wie alt er ist. Und vielleicht sollte man Märchen viel näher an sich heranlassen, statt es als Kinderkram abzutun¿ Das ist einer von unzähligen Interpretationsansätzen, die dieses Buch bietet. Wirklich festmachen kann man nicht so viel, stattdessen liefert es unendliche Möglichkeiten und eine Geschichte, die zaubrisch, morbide und nicht einzuordnen ist. Aber muss man denn immer alles einordnen? Man kann sich auch einfach fallen lassen, in dieses Buch voller Klugheit und Atmosphäre, nimmt dabei ein Stückchen Historie mit und hat das Staunen gelernt. Dieses Buch hat auch einen Herzfaden. Es packt den Leser auf der Gefühlsebene, in einer Zwischenwelt, die nicht jeder sieht. Das ist deutlich mehr, als man von einem guten Buch verlangen kann, so etwas machen die sehr guten Bücher.
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