Das ewige Spiel um Rache und Vergeltung führt letzten Endes nur zu großem Leid - und das ist in Never eindrücklich in Szene gesetzt.
Ein kleiner Angriff, eine "angemessene" Gegenreaktion, wieder ein Gegenangriff, erneut Vergeltung und im Kern immer die Diskussion: "Was ist angemessen?"Über die gesamte Geschichte hinweg schaukelt sich somit eine militärische Auseinandersetzung weiter zur nächsten und es eskaliert immer mehr. Schließlich darf man keine Schwäche zeigen, wie würde man denn sonst dastehen? Das fragile Gefüge der Welt kommt somit ins Wanken, oder?Eindrucksvoll greift Never genau diese Thematik auf. Verschiedene Handlungsstränge, z. B. im Tschad, in China und den USA, führen letztendlich zur finalen Frage: Wurde alles in der Macht stehende getan, um die ultimative Eskalation zu vermeiden? So diskutieren immer wieder die jeweiligen Kontrahenten, USA und China, genau darum. Die Entwicklung der Figuren ist ganz spannend porträtiert: Während einzelne Individuen, wie die Präsidentin Green, eine CIA-Agentin namens Tamara, Abdul oder der Leiter des chinesischen Auslandsgeheimdienstes Kai versuchen, die Welt vor ihrem Abgrund zu bewahren, flüstern und provozieren im Hintergrund Hardliner, Extremisten und Terroristen immer weiter.Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen, zumal es ein Mahnmal dafür sein sollte, wie fragil der Weltfrieden heute ist. Gerade auch in Hinblick auf die aktuellen Konflikte. Dabei ist die Spannung durchwegs gegeben und man möchte das Buch gar nicht weglegen. Was geschieht als nächstes? Wie weit werden sie noch gehen? Gibt eine Seite nach? - diese Fragen zwingen beim Lesen förmlich dazu, immer weiter zu blättern.