Mary Shelleys "Frankenstein; oder Der moderne Prometheus" entfaltet die Geschichte Victor Frankensteins, der aus wissenschaftlichem Ehrgeiz künstliches Leben erschafft und an der Verantwortung für sein Geschöpf scheitert. In kunstvoll verschachtelten Brief- und Binnenerzählungen verbindet der Roman gotische Schauerästhetik mit philosophischer Spekulation, aufklärerischer Wissenschaftskritik und romantischer Naturerfahrung. Sein literarischer Rang liegt gerade darin, dass das vermeintliche Ungeheuer als leidendes, sprachmächtiges Subjekt erscheint. Mary Shelley, 1797 als Tochter der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft und des Philosophen William Godwin geboren, wuchs im Umfeld radikaler politischer und intellektueller Debatten auf. Ihre Verbindung mit Percy Bysshe Shelley, persönliche Verluste und die berühmte Genfer Schreibsituation von 1816 prägten ein Werk, das Fragen nach Schöpfung, Elternschaft, Bildung, Isolation und moralischer Verantwortung mit außerordentlicher Frühreife behandelt. Dieses Buch empfiehlt sich nicht nur als Ursprungstext der modernen Science-Fiction, sondern als bleibend aktuelle Untersuchung menschlicher Hybris. Wer über die Grenzen des Wissens, die Ethik technischer Innovation und die Folgen sozialer Ausgrenzung nachdenken möchte, findet in "Frankenstein" einen ebenso spannenden wie intellektuell anspruchsvollen Klassiker.