Meine MeinungStell dir vor, du gewinnst mehrere Millionen im Lotto, ziehst mit deinem Partner in ein riesiges Luxushaus und plötzlich verwandelt sich dieser Traum in einen Albtraum. Genau das passiert Nicole in Die Witwe: Ihr Mann wird tot im Pool gefunden, und von da an kippt die glänzende Fassade komplett. Plötzlich ist alles voller Misstrauen, Bedrohung und Unsicherheit.Die Grundidee fand ich richtig spannend. Diese hochmoderne Glasscheune mitten in der Idylle von Gloucestershire hat sofort eine besondere Atmosphäre erzeugt schön, aber gleichzeitig irgendwie unheimlich, weil alles so offen und durchsichtig ist. Ich konnte mich gut in Nicoles Gefühl hineinversetzen, wie ein Goldfisch zu leben, ständig beobachtet und ohne Rückzugsort.Allerdings muss ich ehrlich sagen: Der Anfang hat sich für mich etwas gezogen. Es brauchte eine ganze Weile, bis die Geschichte an Tempo gewann, und ich habe kurz überlegt, ob ich wirklich weiterlesen soll. Zum Glück habe ich es getan, denn ab der zweiten Hälfte wurde es dann richtig spannend. Da konnte ich mich auf die Handlung einlassen, habe mit gerätselt und wollte unbedingt wissen, was hinter Toms Tod steckt.Was mich aber zwischendurch immer wieder gestört hat, war die Vielzahl an Figuren und Namen. Das hat mich manchmal etwas verwirrt und ich musste überlegen, wer jetzt eigentlich wer war. Für die Spannung war das zwar gedacht, aber für mich persönlich war es ein bisschen zu viel.Und dann das Ende: Für meinen Geschmack kam es zu abrupt. Nach all dem Aufbau hätte ich mir eine ausführlichere Auflösung gewünscht, vielleicht auch mehr Tiefe, um die Motive besser zu verstehen. So blieb bei mir das Gefühl, dass da noch etwas gefehlt hat.Unterm Strich war Die Witwe für mich ein solider Thriller mit einer originellen Ausgangssituation, toller Atmosphäre und spannenden Momenten aber eben auch mit Schwächen.