Diese Gesammelten Werke erschließen das vielstimmige Denken Theodor Lessings: philosophische Essays, kulturkritische Diagnosen, autobiographische Reflexionen und politische Interventionen, die um die Frage kreisen, wie Sinn in einer als brüchig erfahrenen Moderne entsteht. Lessings Stil verbindet aphoristische Schärfe, polemische Energie und gelehrte Argumentation; er steht im Spannungsfeld von Lebensphilosophie, jüdischer Selbstbefragung, Antimilitarismus und Weimarer Krisenbewusstsein. Theodor Lessing, 1872 in Hannover geboren und 1933 im tschechoslowakischen Marienbad von nationalsozialistischen Attentätern ermordet, war Philosoph, Publizist und unbequemer Zeitdiagnostiker. Seine Erfahrungen als deutscher Jude, Hochschullehrer am Rand akademischer Anerkennung, Kritiker wilhelminischer Autorität und Zeuge des Ersten Weltkriegs prägten sein Werk. Aus dieser Biographie erwuchsen seine Analysen von Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen, von Gewalt, Ressentiment und jüdischem Selbsthass. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die die geistigen Konflikte des frühen 20. Jahrhunderts nicht als abgeschlossene Vergangenheit, sondern als fortwirkende Herausforderung verstehen wollen. Die Sammlung zeigt einen Autor von verstörender Aktualität: unbequem, hellsichtig und sprachmächtig. Sie bietet zugleich eine Einführung in Lessings Denken und ein Arbeitsinstrument für Philosophie-, Literatur- und Kulturgeschichte.