Zu lang und zu wenig Plot.
Nach dem Verlust ihrer Schwester wird Dianna von Rachegelüsten aufgefressen. Sie will jeden vernichten, der mit Gabbys Tod in Verbindung steht. Von Wut und Selbsthass zerfressen stößt sie alle von sich, denen sie noch etwas bedeutet, auch Samkiel. Während die Bedrohung durch Kaden immer weiter wächst und Samkiel sich eigentlich darauf konzentrieren müsste, gibt es für ihn nur den Wunsch, dass Dianna wieder zu sich selbst findet.Puh... ich bin etwas ratlos, was dieses Buch betrifft. Der erste Band war genau mein Fall, ich habe mich sehr auf die Fortsetzung gefreut und deshalb auch relativ schnell weitergelesen. Aber dieses Buch war für mich wirklich ein zäher Schinken. Mit über 900 Seiten hatte es meiner Meinung nach einige Seiten zu viel. Der Schreibstil ist an sich genauso flüssig wie im ersten Band, daran lag es also nicht. Mein Problem war ganz klar die Handlung oder vielmehr das Gefühl, dass es davon zu wenig gab. Gefühlt verbringen wir die ersten 300 Seiten damit, Dianna bei ihren Racheakten zuzusehen. Wir erleben ihren blinden Hass und dieses seltsame Katz-und-Maus-Spiel mit Samkiel. Samkiel verhält sich dabei wie ein Engel und bringt unfassbar viel Geduld und Verständnis für Dianna auf. Verständnis, das ich als Leserin irgendwann ehrlich gesagt nicht mehr hatte. Natürlich verstehe ich, warum Dianna so handelt. Sie hat Schreckliches erlebt und will Rache. Aber irgendwann war es mir einfach zu viel. Warum muss wirklich jeder abgeschlachtet werden, der ihr in den Weg kommt? Und warum sind fast alle in ihrem Umfeld so nachsichtig mit ihr? Für mich wurde dieses Rache-Thema hier irgendwann einfach zu sehr auf die Spitze getrieben. Dabei hätte es doch auch spannend sein können, wenn sie sich direkt mit Samkiel zusammengetan hätte, um gezielt gegen die Verantwortlichen vorzugehen.Nach diesen ersten sehr zähen Seiten wurde das Buch zwar durchaus interessanter, aber insgesamt war es mir einfach zu wenig Plot für diese Seitenzahl. Was ich am ersten Band so mochte, nämlich diese Mischung aus moderner Welt und epischer Fantasy, geriet hier für mich etwas aus dem Gleichgewicht. Plötzlich wirkt alles maximal episch: die Welten, die Rollen, die Vergangenheit, die großen Enthüllungen und dann gehen Dianna und Samkiel zwischendurch einfach random Eislaufen. Das hat mich manchmal etwas rausgeworfen.Auch der Romance-Aspekt konnte mich diesmal nicht mehr so begeistern. Nach dem ersten Band ist für mich einfach klar, dass die beiden sich lieben. Es gibt eigentlich keinen echten Grund, warum sie nicht zusammen sein sollten. Dadurch fehlte mir die Spannung. Und dafür nimmt die Beziehung dann doch sehr viel Raum ein. Für eine Reihe mit noch fünf weiteren Bänden ist mir das aktuell zu wenig Tension. Ein bisschen hatte ich außerdem das Gefühl, dass mir das Ganze stellenweise fast zu sehr nach Sarah J. Maas klang. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, ich mag ihre Bücher ja, aber hier war mir das Feeling teilweise zu ähnlich, ohne dabei ganz die gleiche Ausgereiftheit zu erreichen, gerade bei den Nebencharakteren.Aber es gab auch Dinge, die ich mochte. Die zusätzlichen Perspektiven fand ich spannend und hätte mir sogar gewünscht, dass sie noch mehr Raum bekommen, vor allem Kaden und Cameron. Und auch wenn mich die Romance diesmal weniger packen konnte: Samkiel bleibt für mich ein wirklich guter Love Interest. Geduldig, loyal und insgesamt einfach sehr angenehm geschrieben.Aktuell bin ich unsicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Mein Gefühl sagt eher nein, obwohl ich den ersten Band wirklich toll fand.