lässt sich gut weg lesen, solide aber nicht herausragend
In "Der Weg" schafft Rebecca Russ es, eine Atmosphäre zu erschaffen, die durch ihre Kulisse besticht und den Leser recht schnell in die raue und bergige Landschaft Schwedens eintauchen lässt. Alle Sicherheiten lösen sich nach und nach auf und ehe man sich versieht, ist man mitten in einer Geschichte, in der Orientierung plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr ist...Aber worum geht es denn überhaupt?! Julia und Nicki sind beste Freundinnen. Für Julias Junggesellinnenabschied haben sie sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Statt Party zu machen, gehen sie lieber wandern. Nur sie beide auf dem abgelegenen Kungsleden-Wanderweg in Schweden. Doch eines Morgens geschieht das Unvorstellbare, und Julia bleibt allein in der Einsamkeit der rauen Natur zurück. Ohne Karten, ohne Orientierung, ohne zu ahnen, was mit Nicki passiert ist. Wird sie den Weg zurückfinden? Und wer ist die Gestalt, die Julia immer wieder zu sehen glaubt? Der Schreibstil ist eher schlicht gehalten und lässt sich angenehm und flüssig lesen. Interessant ist auch der Wechsel zwischen der Gegenwart und den Tagebuch-Rückblenden, was grundsätzliche Spannung aufkommen lässt. Allerdings waren viele Wendungen für mich bereits zu früh absehbar, wodurch die erhofften Überraschungsmomente einfach ausblieben.Der Spannungsaufbau wirkte zudem insgesamt ziemlich unausgeglichen. Es gibt gute Momente, aber auch viele, die schnell wieder abflachen. Besonders gestört hat mich ein Missverständnis, das sich eigentlich sofort hätte klären lassen, wenn man nur mal offen miteinander gesprochen hätte! Dadurch wäre so vieles anders gekommen...Nach einem bestimmten Punkt hat die Geschichte für mich persönlich dann leider nicht mehr ganz die Kurve bekommen. Mir fehlte ein runder, kraftvoller und vor allem stärker durchdachter Abschluss. Hinzu kam, dass ich einige Entscheidungen der Protagonisten nur schwer verstehen konnte. Manches wirkte auf mich fast zu naiv und blauäugig, um wirklich noch glaubwürdig zu sein...Insgesamt war "Der Weg" somit eine solide, aber keine herausragende Lektüre. Ein Buch, das sich gut weglesen lässt und durchaus unterhält, mich aber weder nachhaltig überraschen noch wirklich fesseln konnte. Wer viele Thriller liest, wird vermutlich früh erahnen, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt.