Die Wahrheit wird oft irrigerweise als etwas Fließendes betrachtet als würde sie ihre Gestalt verändern, sich wandeln, je nach den sie umgebenden Umständen. Aber das stimmt nicht. Die Wahrheit die echte Wahrheit ist so unbeweglich wie ein Berg. (S. 13)
Dieser Einsicht muss sich Gabby DiMarco stellen. Als die New Yorker Journalistin das Ergebnis eines DNA-Tests erhält, den sie wie all ihre Kollegen eigentlich nur zum Spaß gemacht hat, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Aufgewachsen als Einzelkind kann sie ihre bereits verstorbenen Eltern nicht mehr dazu befragen. So beschließt sie, der Sache selbst auf den Grund zu gehen und reist kurzentschlossen nach Puerto Rico, um ihrer vermeintlichen Abstammung nachzuspüren.
Ihre angebliche Schwester Isabella Ruiz hingegen freut sich sehr über die Nachricht der Verwandtschaftsermittlung. Sie hofft, ihre Schwester Marianna wiederzusehen, die im Alter von sieben Monaten spurlos verschwand. Doch wie kann sie die äußerst skeptische Gabby davon überzeugen, dass sie wirklich die Gesuchte ist?
Zusammen begeben sich die beiden auf die nicht immer ungefährliche Spurensuche in San Juan. Was ist vor 25 Jahren wirklich passiert?
Die Wahrheit des einen Lebens verwandelt das eines anderen in eine Lüge. (S. 195)
Gabby und Isabella, die beiden unterschiedlichen Schwestern, sind beide sehr nahbar gezeichnet. Im Lauf der Geschichte kommen viele Beteiligte zu Wort und schildern aus ihrer Sicht, wie sich die Sache um Mariannas Verschwinden damals zugetragen hat. Dadurch baut sich langsam aber stetig das ganze Konstrukt auf. Gabby und Isabella erzählen jeweils aus ihrer Sicht, was es mir leicht gemacht hat, mich in sie einzufühlen und ihren Blickwinkel zu verstehen.
Für beide ist es schwierig, mit der Situation umzugehen. Gabby, die glücklich und behütet aufwuchs, kann sich nicht vorstellen, dass ihre Eltern sie ihr Leben lang belogen haben. Isabella wünscht sich nichts sehnlicher, als das Gabby wirklich ihre Schwester ist und vergisst darüber manchmal, wie schwer es für diese sein muss, plötzlich nicht mehr zu wissen, wer man wirklich ist.
Die Autorin schafft es zusätzlich zur emotionalen Ebene des Buches, eine wirklich spannende Geschichte um das Schicksal der beiden Schwestern herum zu bauen, die mich zum Schluss sogar ziemlich überrascht hat.
Familia ist ein Buch über die Suche nach Identität und Wurzeln und über natürlich Familie. Im Nachwort beschreibt Lauren E. Rico es wirklich sehr gut. Familie definiert sich nicht über die DNA. Familie sind nicht nur Blutsbande oder Verbindungen in irgendwelchen Dokumenten. Familie ist das, was in unseren Herzen passiert, wenn wir uns verbunden fühlen mit den Menschen in unserem engen Umfeld. Und als Teil einer Patchwork-Familie kann ich das nur bestätigen
Von mir gibts eine Empfehlung für diese spannende Familiengeschichte!