London, 1850: Maudes Schwester Constance ist tot. Sie war als Junge verkleided an Bord eines Schiffes Richtung Arktis unterwegs, doch ihre letzten Tage sind unklar. Laut Kapitän war es ein Unfall, doch als Maude das Tagebuch ihrer Schwester in die Hände fällt, ahnt sie, dass mehr dahintersteckt. Entschlossen, das Schicksal von Constance aufzuklären, begibt sich Maude in zwielichtige Ecken, bereit, um jeden Preis Gerechtigkeit für ihren Verlust zu erlangen ...
»Die glorreiche Rache der Maude Horton« ist ein atmosphärisch wahnsinnig stark geschriebenes Buch! Der Schreibstil transportiert einen unmittelbar ins Geschehen, vermittelt Geräusche, Gerüche, Gefühle und Gegenden als würde man selbst mittendrin stehen. Das war wirklich unglaublichg gelungen. Von der ersten Seite an war ich gebannt, wie gut die Autorin das schafft. Egal, ob es um Maudes Recherchen in London geht, oder die Rückblicke auf das Schiff in der Arktis. Es war roh, echt, und teilweise erschreckend.
Denn das Buch ist durchaus nichts für schwache Nerven. Es gibt viele intensive brutale oder auch ekelige Beschreibungen, die zur Story total gut passten, die man aber lesen können muss. Generell fand ich, dass diese unangenehmen Einsichten den Hauptteil der Geschichte ausgemacht haben, und die "Rache" darunter sehr gelitten hat. Maude war für mich passiver als erwartet, hat wenig konkrete Pläne geschmiedet, und am Ende war das Ergebnis zwar nicht enttäuschend, aber definitiv auch nicht glorreich.
Mir hat einfach dieses aktive "starke junge Frau nimmt für ihre Schwester die Dinge selbst in die Hand und lässt sich nicht unterkriegen" im Fokus gefehlt, was ich erwartet hatte. Es gab auch viele Kapitel aus Sicht des sozusagen Gegenspielers. Es war zwar interessant, seine Motivation zu kennen, aber so tief in seinen Kopf zu gucken hätte ich nicht gebraucht.
Trotzdem war Maude auch nicht unsympatisch, ebenso mochte ich es, die Gedanken von Constance zu verfolgen. Ich mochte, dass es durchaus einige Überraschungen gab und generell eben, mit wie viel Liebe zum Detail die Geschichte gewoben wurde.
So fand ich das Buch auf jeden Fall interessant zu lesen, atmosphärisch wirklich bombastisch, aber inhaltlich nicht, was ich mir erhofft hatte.
3-3,5 Sterne