Asexualität nicht trocken besprochen als pers. Thema. Sicherlich nicht immer perfekt, aber doch so wichtig mit: Wir schulden niemanden Sex.
Ich kannte Maria Popov bisher nicht. Sie ist eine Journalistin, Moderatorin und Aufklärerin mit u. a. des funk-Formats "Auf Klo", in dem sie ihre Gäste mit Offenheit über Tabu-Themen ausfragt. Im "Kein Bock Club" spricht sie über ihre Asexualität. Darin erzählt sie erstmals darüber und outet sich. Sie schreibt, wie sie sich als Spätzünderen empfand und dachte, die Lust auf Sex würde noch einsetzen. Es ist doch eine Scham, keinen Freund und keinen Sex zu haben und hat Jahre gebraucht, um zu merken, dass sie keine Spätzünderin ist noch eine sexuelle Störung hat. Es ist Asexualität und eine Art zu lieben und Intimität zu empfinden ohne Sex, die auch nicht verändert werden muss. Popov fand heraus, dass sie sich in Frauen verlieben kann. Sie ist mit einer Frau zusammen und meidet aber Berührungen und Nähe nicht. Schließlich kann es ein Ungleichgewicht des Verlangens in allen Beziehungen geben. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir uns eingestehen, dass es ein Mythos ist total sexuell kompatibel zu sein. Dieses Buch zeigt auf persönliche Weise auf, dass es kein Leidensdruck sein muss, keine Libido zu haben. Das Thema ist hier nicht trocken aufbereitet und sehr persönlich. Es gibt auch ein Thema "friendzone", die Popov positiv herausarbeitet. Jedoch im Hinblick auf nicht sex-positiv zu sein. Das dürfte sicherlich einige Leser*innen aufstoßen, die sich jahrelang zu jemanden hingezogen fühlen und doch nie ankommen. Für Popov ist es natürlich einfach solche Freundschaften zu pflegen. Sehr gut finde ich allerdings das strukturelle Problem, dass wir niemanden Sex schulden. Jeder darf über sich und seinen Körper selbst entscheiden. Hierfür gibt sie eine gute Geschichte wo ein männlicher Bekannter eine Erregung hat und so einnehmend ist und diese nun unbedingt abgebaut werden muss. Hier ist es richtig und wichtig, als Frau den Schmollmund nicht zu beachten und dass er nicht bekommt, was er eigentlich möchte. Auch, wenn er erzählt, dass er so horny ist, dass es schon weh tut. Das ist Bullshit-Bingo! Jeder hat seinen Rhythmus und muss sich nicht rechtfertigen. Das Buch richtet sich an alle Menschen, die auch - ob für ein paar Monate, ein paar Jahre oder immer - zum "Kein Bock Club" gehören.