Ryushun Kusanagi ist buddhistischer Mönch und macht in seinem Vorwort deutlich, dass er die Denkweise des Buddhismus in unsere moderne Welt übertragen wird, ohne dabei in eine religiöse Weltanschauung abzugleiten. Dafür wird der Fokus auf eine alltagsnahe Lebensführung gelegt. Dieser Ansatz spricht mich direkt an.
Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren verbindet ausgewählte klassische buddhistische Lehren, die Ryushun Kusanagi auch zitiert, mit verständlichen Beispielen und bringt sie mir in einem ruhigen und freundlichen Ton näher.
Die Kapitel sind kurz, klar strukturiert und bauen sinnvoll aufeinander auf. Besonders stark finde ich Kapitel 1, Erst begreifen, dann reagieren. Es wird eine Technik vermittelt, die unmittelbar angewendet werden kann und die ich auch ausprobiert habe. Sie hat sehr gut funktioniert, was mich beeindruckt.
Auch das zweite Kapitel, das sich dem Thema des vorschnellen Urteilens widmet, fesselt mich sofort. Ryushun Kusanagi entfaltet auf eindrucksvolle Weise, wie rasch wir uns ein Bild machen und urteilen, ohne die Hintergründe wirklich zu erfassen. Er zeigt uns, warum es so viel heilsamer ist, einen Moment innezuhalten und uns nicht von voreiligen Bewertungen mitreißen zu lassen.
Immer wieder erzählt Ryushun Kusanagi von Menschen, die seinen Rat gesucht haben. Er zeigt mir dabei ihre Situationen auf, beleuchtet mögliche Ursachen und wie der Denkprozess in eine andere Richtung gelenkt werden könnte. Dabei werden zwar die Probleme sichtbar gemacht und eine buddhistische Weisheit vorgeschlagen, aber mir fehlt der Ansatz der konkreten Anwendung. Diese Andeutung reicht mir persönlich nicht, um für mich etwas daraus Wertvolles ableiten zu können.
Wer sich noch nicht mit Achtsamkeit und negativen Gedankenmustern beschäftigt hat, findet mit diesem Buch einen sehr leichten Einstieg. Die sanften Impulse und die klare Sprache helfen dabei, die eigene Perspektive zu überdenken. Wer jedoch tiefere Erkenntnisse und detaillierte Lösungen sucht, wird hier nicht fündig werden. Ryushun Kusanagi möchte keinen therapeutischen Lösungsansatz bieten, sondern Denkanstöße.
Obwohl mir einige Ansätze bereits vertraut sind und sich im Text manche erklärende Wiederholung findet, nehme ich dennoch wertvolle Impulse für mich mit. Besonders berührt mich die sanfte Erinnerung, im Hier und Jetzt zu verweilen, ebenso wie die Strategie, das eigene, aufwallende Gefühl zunächst bewusst zu benennen, bevor ich etwa der Wut auf den Autofahrer vor mir nachgebe. Auf diese Weise gelingt es mir, eine Distanz zu meinem Gefühl zu schaffen. Eine Distanz, die in solchen Momenten keinen Nutzen bringt, sondern nur mein eigenes Leid vermehrt. Sobald ich diese Methode anwende, verfliegt das entstandene Gefühl rasch, und ich finde tatsächlich Gelassenheit.
Fazit:
Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren ist ein sanfter, inspirierender Ratgeber, der behutsam neue Blickwinkel eröffnet. Dem Autor gelingt es, die essenziellen Lehren des Buddhismus auf eine Weise zu vermitteln, die im Alltag verankert und leicht zugänglich ist.