Atmosphärisch und psychologisch stark, aber mit spürbaren Längen und vorhersehbarem Twist. ¿¿
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Sophie L habe ich mir heute gekauft - und heute auch direkt durchgelesen. Allein das zeigt, wie gut mich das Buch zunächst abgeholt hat. ¿Matthew Blake hat einen Schreibstil, der mich schnell hineinzieht. Das mochte ich schon sehr an Anna O. und habe genau deshalb auch zu diesem Buch gegriffen.Was ich an seinen Geschichten besonders schätze: Es sind keine klassischen Thriller. Der Fokus liegt klar auf der psychologischen Ebene. Während es in Anna O. um Schlaf ging, steht hier das Thema Erinnerungen im Mittelpunkt - und das wird konsequent und stimmig umgesetzt. Es geht um Erinnerung, Manipulation und die Frage, wie verlässlich Wahrheit eigentlich ist. ¿Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, mit sehr kurzen Kapiteln und Zeitsprüngen zwischen 2025 und 1945. Dieses Hin- und Herspringen passt thematisch hervorragend und fühlt sich an, als würde man selbst Erinnerungen zusammensetzen. Das hat mir wirklich gut gefallen.Allerdings hatte das Buch für mich auch Schwächen. Vor allem im hinteren, mittleren Teil gab es einige Längen, in denen ich mir deutlich mehr Tempo gewünscht hätte. Zudem habe ich den Plot Twist relativ früh kommen sehen. Zwar hat mir das die Spannung nicht komplett genommen - ich habe lange gedacht, dass sich am Ende doch noch etwas ändern muss - trotzdem hat es die Überraschung deutlich abgeschwächt. ¿Unterm Strich habe ich Sophie L gern gelesen, vor allem wegen des Themas und des Schreibstils. Die vorhersehbare Entwicklung und die Längen sorgen jedoch dafür, dass es für mich kein rundes Leseerlebnis war.Daher gibt es von mir 3,5 von 5 Sternen - und trotzdem würde ich wieder zu einem Buch von Matthew Blake greifen.