Olivias Großmutter ist in Paris als Porträtmalerin sehr bekannt, vor allem für ihr Porträt einer Überlebenden des Holocausts, das im Foyer des Luxushotels Lutetia hängt. Dort waren nach dem 2. Weltkrieg für jeweis einige Tage KZ-Opfer untergebracht, nachdem sie aus den unmenschlichen Lagern freikamen und vor dem Nichts standen. Auch Josephine, Olivias Großmutter, war eine von ihnen. In ihren Neunzigern, schon leicht verwirrt, meldet sie sich bei der Polizei und behauptet, in den Nachkriegswirren im Hotel Lutetia eine junge Frau ermordet zu haben. Olivia, die als Gedächtnisexpertin arbeitet und Menschen dabei hilft, alte Erinnerungen zu reaktivieren, reist nach Paris, um ihr beizustehen. Doch mit dem Geständnis werden alte Feinde wieder wach, die Großmutter fällt einem Mordanschlag zum Opfer. Und auch Olivia befindet sich plötzlich in Gefahr. Soweit die grobe Handlung, ohne zu viel zu verraten. Nach dem Roman Anna O. vom gleichen Autor war ich natürlich neugierig auf das zweite Buch von Matthew Blake, das meine Erwartungen allerdings nicht im Ansatz erfüllen konnte. Mich hätten vor allem Fakten über das menschliche Gehirn interessiert, über das Gedächtnis, das noch immer ein Rätsel ist, aber über Olivias Arbeit erfährt man nur sehr wenig. Darüber hinaus ist die Handlung sehr konstruiert, viele Handlungsstränge werden vorangetrieben, teilweise oberflächlich, was dem Buch nicht unbedingt gut tut. Olivia bleibt eine Randfigur, die ich nicht wirklich fassen kann, der Autor schafft es nicht wirklich, ihr Leben einzuhauchen. Interessant sind die historischen Fakten, die Informationen über die Resistance, den erschreckenden Umgang mit Frauen, die sich mit Nazis eingelassen hatten, teilweise sogar undercover. Es muss eine schlimme Zeit gewesen sein, in der Frauen nach dem Krieg nackt und mit kahl rasiertem Schädel durch die Straßen getrieben wurden, geächtet und teilweise erschlagen wurden. Das allerdings macht die Schwächen des Romans nicht wett, ich musste mich zwingen, dabei zu bleiben und das Buch bis zum Ende zu lesen.