Mir ist Kira Mohn erst vor Kurzem durch ihren aktuellen Roman "Alle glücklich" begegnet, den ich absolut großartig fand. Da diese Romance quasi zeitgleich erschienen ist, habe ich dem Genre (abseits der Autorinnen, die ich hier sowieso schon schätze) nochmal eine Chance gegeben. Gerade hetero Romance hat mich in der Vergangenheit mit ihren platten Klischees und immer gleichen Kommunikationsproblemen nämlich wiederholt enttäuscht.
Und was soll ich sagen? Kira Mohn hat das Potenzial, zu einer meiner liebsten Autor*innen zu werden. Auch ihre Romance war nämlich absolut positiv und hat mir das gegeben, was ich in diesem Bereich suche. Sie kommt ohne platte Mann-Frau-Rollenbilder und die übertriebene Beschreibung gestählter Körper aus. Dafür bekommen wir hier Feelgood durch und durch, erwachsene Kommunikation auf Augenhöhe, liebevolle Nebenfiguren und lebensnaher Struggle.Mich erinnert das sehr an die Romane von Abby Jimenez, bei denen die Kritik auch häufig lautet: zu langweilig/zu ernst. Kann ich zwar verstehen, empfinde das aber ganz anders. Ich lese einfach deutlich lieber etwas, das ich in großen Teilen auf das echte Leben projizieren kann als auf 400 Seiten innerlich zu schreien, weil die Protas einfach nicht miteinander reden und sich so Missverständnisse künstlich aufbauen.
Sicherlich gibt es Romance mit deutlich mehr Drama, das sollte hier nicht erwartet werden. Aber wer eine Lektüre sucht, die wiederholt das Herz wärmt, ist hier an der absolut richtigen Stelle. Rose struggelt mit ihrem Selbstwertgefühl und versucht im Laufe der Handlung, sich von den bestimmenden Narrativen anderer freizumachen. Ich fand das authentisch und im richtigen Maß nachvollziehbar.
Ganz besonders gefreut habe ich mich über Zane. Dass der männliche Protagonist einfach mal nett und trotzdem interessant ist, ist leider selten. Ich mag die Bezeichnung "Golden Retriever" nicht so gern, aber sie trifft auf ihn natürlich voll zu. Ich finde auch nicht, dass er blass ist - er ist nur nicht problematisch. Und dadurch ist auch die Beziehung von Rose und Zane weniger das tragende Element des Dramas, sondern viel mehr Roses Innenleben und die Unsicherheiten in Bezug auf ihre Schwester Halley.
Ja, Halleys Figur ist vielleicht etwas überspitzt, andererseits ist die angelernte Konkurrenz unter Frauen nun einmal real. Und ich finde es immer erfrischend, wenn das Drama nicht aus der romantischen Beziehung kommt, sondern aus dem ganz normalen Leben. Denn ganz ehrlich: Wenn Beziehungen so beginnen würden, wie sie das im Romance-Bereich gerne einmal tun, würde ich einfach nur rennen. Aber das ist natürlich ganz klar Geschmacksache.
Mohn hat noch einmal viele Pluspunkte bei mir gesammelt, weil sie ihr Werk in ein diskriminierungssensibles Umfeld setzt. Am Rande bekommen wir Einblick in Tierschutz (und dass der nicht auf dem Teller aufhört), die Abgrenzung zu diskriminierenden Aussagen und die völlig normale Existenz queerer Beziehungen. Es sind nur kleine Elemente, die vielleicht schnell überlesen werden, aber ich schätze genau das - dass es eben nicht laut angekündigt werden muss, sondern einfach selbstverständlich sein sollte.
Eine ganz ehrliche Empfehlung für alle, die sich so wie ich wohl fühlen wollen beim Lesen von Romance und lebensnahe, authentische Geschichten suchen. Kira Mohns Werk der letzten 1-2 Jahre werde ich mir nun auf jeden Fall auch noch ansehen!