Dieses Buch macht mich wütend. Und traurig. Und ich fühle es so, so sehr, denn einige der Situationen, die Miriam in ihrem Buch erwähnt - die Scham über die Kleider, die Second Hand und nicht der neuste Schrei sind, wie es sich anfühlt, nur die Lebensmittel mit dem orangenen Sticker zu kaufen - kenne ich nur zu gut aus meiner eigenen Kindheit und Jugend.
Auch von den Langzeitfolgen von Armut berichtet Miriam im Buch; was es mit den Gedanken und der (psychischen) Gesundheit machen kann, arm zu sein. 'Du bekommst das Kind aus der Armut, aber die Armut nicht aus dem Kind', sage ich manchmal, denn so viel Geld auch da sein mag, wenn nach Jahren des Kampfes ein geregeltes Einkommen da ist: die Angst, irgendwann wieder in Armut zu landen, geht nie ganz weg. "Ich habe nie gelernt, Dinge zu genießen, aus Angst, dass sie gleich wieder enden, und weil mein Kopf direkt zu den nächsten To-Dos springt."
Kein Mensch sollte arm sein müssen. Nicht hier, nicht anderswo. Und kein Mensch sollte auf einen anderen herabblicken, nur, weil dieser eben mehr Glück in der Lotterie des Lebens hatte. Denn was Armut - auch in einem "reichen" Land wie Deutschland - bedeuten kann, zeigt dieses Buch wirklich ganz drastisch und ungeschönt. Absolute Leseempfehlung und am liebsten Pflichtlektüre für Entscheider*innen.