Ich lese sehr gerne historische Romane, die mich mit interessanten Figuren unterhalten und auch etwas über die vergangene Zeit dazulernen lassen. Deshalb war ich sehr gespannt auf dieses Buch, das sich um zwei Frauen in der Nachkriegszeit dreht, die einiges mitmachen müssen.
Zum einen dreht sich alles um Linda, die 1956 in einem Hamburger Krankenhaus zur Welt kommt. Ihre Mutter lässt sie dort schon kurz nach der Geburt zurück. Das Mädchen wächst bei den Großeltern und in Heimen auf, in Armut und ohne Sicherheit, bis sie ein Zuhause findet, in dem sie gefördert wird. Im selben Jahr wird Irmi in Köln in geboren. Ihre Familie ist wohlhabend, aber ihre Mutter ist krank und überfordert. Daher kommt sie zunächst zu Verwandten ins Ausland. Als der Vater sie sechs Jahre später zurückholt, spricht Irmi kein Deutsch und fühlt sich in der eigenen Familie fremd. Zwei Mädchen aus Welten, die gegensätzlicher kaum sein könnten
In die Geschichte selbst habe ich ohne Probleme hineingefunden. Der Schreibstil ist sehr angenehm und es ist ein sehr schöner Lesefluss, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Man erlebt die Storyline aus verschiedenen Perspektiven nicht nur aus der Sicht von Linda und Irmi, sondern auch von anderen Figuren ihrer Familien. Das ist sehr interessant, aber die Sprünge waren manchmal etwas anstrengend. Vor allem, weil zwischen den Kapiteln teilweise mehrere Jahre lagen.
Gerade am Anfang war es für mich aber sehr hart, vor allem als Mutter, die Passagen zu lesen, was Irmi und auch Linda mit ihren Müttern durchmachen mussten. Vor allem Lindas Mutter ist der Inbegriff einer Rabenmutter höchstselbst. Aber richtig schön war es, den Beiden bei ihrer Entwicklung in den ganzen Jahren danach zuzusehen. Auch hier gab es für sie immer wieder Rückschläge, aber sie meistern sie mit Bravour und wachsen zu starken Frauen heran.
Das Ende fand ich versöhnlich und ich wurde gut von dem Roman unterhalten. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.