Der Sa'y-Ritus neu gelesen: Safa ist aramäisch Kefa (Petrus), Marwa hebräisch Moriya. Im Hicr-i Ismail eine Kirchenapsis; erste Qibla Jerusalem; Maria-Jesus-Fresken an den Innenwänden.
Während der Hadsch rennen Millionen Pilger siebenmal zwischen Safa und Marwa hin und her. Die Überlieferung nennt es Hagars Wassersuche. Die Etymologie sagt etwas anderes. Safa bedeutet glatter Fels. Das aramäische Kefa bedeutet dasselbe - und ist der Beiname des Simon Petrus; islamische Quellen nennen ihn Sem'un es-Safa. Marwa fällt mit Moriya zusammen, dem Berg Abrahams, Salomos und des Felsendoms. Safa blickt auf den Grundstein des Christentums, Marwa auf den Kernfelsen des Judentums. Der Pilger schwingt siebenmal zwischen zwei Traditionen, ohne bei einer anzukommen. Von dort steigt das Buch in die Kaaba-Archäologie. Hicr-i Ismail ist der Rest einer vorislamischen Kirchenapsis - und sie wies nach Jerusalem, der ersten Qibla. An den Innenwänden standen Fresken der Maria mit dem Jesuskind, die Mohammed eine Zeit lang mit den eigenen Händen verdeckte, so al-Azraqi. Die Kaaba ist kein neues Heiligtum, sondern ein alter Ort, neu gelesen in der Sprache des Tauhid. Dann der Eckstein. Der Schwarze Stein ist der stille Zwillingsbruder des Ecksteins von 1. Petrus 2, 6. Das Muster reicht weiter: Mithras wird aus dem Fels geboren; das Alte Testament nennt Gott selbst "Fels". Es reicht bis in den Koran: die Form des Nûn deckt sich mit dem Ichthys-Fisch, die Jona-Erzählung spiegelt den Missionsweg des Paulus, 631 fallen Qadr und Epiphanie zusammen, Karim und Kerygma stammen aus derselben Verkündigung. Dies ist keine Polemik. Die These: Der Islam ist keine neue Religion, sondern das letzte Glied einer alten Linie des Tauhid, deren Spuren in Ritus und Stein sichtbar bleiben. Wer Tom Holland, Fred Donner oder Karen Armstrongs vergleichenden Blick schätzt, findet hier eine semitisch-philologische Studie aus türkisch-niederländischer Hand. Wer dem Felsen folgt, steht in Safa auf Kefa, in Marwa auf Moriya und an der Kaaba auf dem Eckstein des Petrus. Dass der Sa'y kein "Hin und Her" ist, sondern der geballte Schlag eines ganzen Traditionsfeldes, lässt sich nicht mehr vergessen.