Mein erster Eindruck:
Das Buch war mir lange vor dem Lesen schon ein Begriff. Ich hörte andere nur Gutes darüber sagen und nicht wenige für den selbstverliebten Nebencharakter Baal schwärmen, was mich sehr neugierig machte. Aufgrund einer glücklichen Fügung des Schicksals landete "Licht der Hoffnung" dann in meinen Händen.
Zum Leseerlebnis allgemein:
Als Erstes fiel mir die große, leserfreundliche Schriftart im Print ins Auge, die es mir ermöglichte in einem schnellen Tempo durch die Seiten zu fliegen. Ich hatte nie das Gefühl, mich durch einen dicken Wälzer kämpfen zu müssen und hatte nach jedem beendeten Kapitel ein kleines Erfolgserlebnis. Der Schreibstil hat mir zugesagt und es wurde kontinuierlich Spannung aufgebaut, daher wurde ich ziemlich schnell in den Bann der Geschichte gezogen.
Zu den Charakteren:
Erzählt wird die Geschichte aus zwei unterschiedlichen Perspektiven: Einmal aus der Sichtweise des Menschen Matthias, der in der Welt der Menschen lebt und agiert, und dann aus der Sichtweise des Dämons Mephisto, der aus der Höllenwelt stammt. Obwohl die Geschichte aus der Sicht von Matthias eingeführt wird und er eine ebenso große Hauptrolle wie Mephisto hat, hat sich Mephisto schneller in mein Herz geschlichen. Ich habe mich beim Lesen selbst immer wieder dabei ertappt, wie ich enttäuscht geseufzt habe, wenn vor dem nächsten Kapitel Matthias stand und dafür umso breiter gelächelt habe, wenn es aus Mephistos Sicht weiterging. Was nicht heißen soll, dass mir der Mensch Matthias nicht gefallen hat, ganz im Gegenteil, er war mir mit seiner unbeholfenen und fürsorglichen Art gegenüber seiner Mutter und seinen Mitmenschen von Anfang an sympathisch. Aber Mephisto und die Dämonen sind einfach von der Hintergrundgeschichte her spannender gestaltet.
Was mir ziemlich schnell auffiel, nachdem sich auch Mephisto als tollpatschig bzw. eher unbeholfen herausgestellt hatte, war, dass es sich bei beiden Protagonisten nicht um den Typ zwielichtiger und verschlossener, aber insgeheim herzensguter Held handelt, sondern eher um den Typ broken Hero. Mephisto wirkt kein bisschen zwielichtig oder verschlossen, vielmehr trumpft er mit einer herzlichen Ehrlichkeit auf, die ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Er wirkt in seinem Handeln sehr authentisch. Die Probleme mit seinem Vater, die Streitereien mit dem Nebenbuhler Baal, die Achterbahnfahrt der Gefühle nach der Begegnung mit seiner großen Liebe - die behandelten Themen sprechen eine große Allgemeinheit an. Auch als Teenager hätte ich dieser Geschichte viel abgewinnen können.
Grundsätzlich ist die Geschichte sehr ernst, es gibt viele Kämpfe um Leben und Tod und die Charaktere müssen Verluste durchmachen, aber Mephistos unbeholfene Art und seine Auseinandersetzungen mit Baal lockern das Ganze auf und sorgen für wirklich unterhaltsame Dialoge. Meine Lieblingsstelle war tatsächlich, als Baal ein Menschendorf zerstören wollte und Mephisto ihn dabei sabotiert hat, um die Menschen zu schützen, da habe ich insgeheim meinem Favoriten die Daumen gedrückt. Aber auch die Szenen, wo Mephisto von seinem Vater zurechtgewiesen wird, weil er Menschen geholfen hat, anstatt kurzen Prozess mit ihnen zu machen, waren auf unerklärlicherweise für mich sehr unterhaltsam - wahrscheinlich weil es so abstrus erscheint, von einem Elternteil zurechtgewiesen zu werden, weil man nichts Böses gemacht hat. Ich hatte in der Vergangenheit schon häufiger von dem Trope Held wider Willen gehört, ein Schurke wider Willen ist da mal eine sehr erfrischende Abwechslung.
Dann komme ich noch zu Baal: Er hebt sich genauso wie Mephisto mit seinen charakteristischen Merkmalen stark von den anderen Figuren ab und bleibt dadurch einfach im Gedächtnis. Da er zu den Antagonisten zählt und teilweise wirklich grausame Dinge tut, würde ich nicht mit ihm sympathisieren, kann aber euch nicht leugnen, dass er mit seiner selbstbewussten Art und seinen Spitznamen für Mephisto ein sehr guter Entertainer ist.
Zur Handlung:
Die erste Hälfte des Buches hatte genau das richtige Tempo, die zweite Hälfte verlief für meinen Geschmack etwas zu rasant. Eine actionreiche Kampfszene wurde von der nächsten abgelöst, wodurch ich mit den vielen neuen Informationen nicht mehr so ganz hinterherkam. Dennoch wollte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht, deshalb habe ich die letzten Kapitel direkt am Stück gelesen. Das Ende erwies sich als überraschend tiefgründig und schließt thematisch sehr gut mit dem Anfang ab. Im Fokus steht nicht der epische Kampf, dafür ist der eher kampfscheue und tollpatschige Mephisto auch gar nicht geschaffen, es geht vielmehr um die innere Charakterentwicklung vom verunsicherten Teenager, der nirgendwo dazugehört, und der sich im Laufe der Geschichte durch die Konfrontation mit Licht und Schatten neu kennenlernt. Ein paar wunderbare Botschaften, die ich nicht unerwähnt lassen will, sind einmal die Tatsache, dass unsere Herkunft nicht darüber entscheidet, welchen Weg wir einschlagen müssen, sowie die Aussage, dass selbst in der tiefsten Dunkelheit neues Licht entstehen kann.
Mein Fazit:
Ich hatte vor dem Lesen hohe Erwartungen an das Buch und wurde mit der spannenden, unterhaltsamen Geschichte nicht enttäuscht. Hier und da hätte ich mir tiefere Einblicke in die Gefühlswelt der wirklich interessanten Charaktere gewünscht. Für meinen Geschmack kamen die Gedanken und Gefühle zu der ein oder anderen Szene etwas zu kurz bzw. wurden zu schnell abgehandelt. Abgesehen davon würde ich das Buch problemlos weiterempfehlen. Mit dem broken Hero, den moralisch grauen Figuren und den tiefgründigen Botschaften trifft es zu hundert Prozent meinen Lesegeschmack.