Elise möchte als Schneiderin nicht nur Geld verdienen, sondern in ihrem Beruf, den sie liebt, auch kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen können. Im ausgehenden 19. Jahrhundert im Wedding, einem ärmlichen Viertel in Berlin, geradezu ein verwegener Wunsch. Doch sie lässt nicht locker und erhält durch Zufall tatsächlich eine Chance. Ebenfalls durch Zufall lernt sie den jungen Architekten Johann kennen, der sich für sozialen Wohnungsbau einsetzt und auch Möglichkeiten für ihre Familie darin sieht. Aber es gibt gegenteilige Interessen, die diese Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs unterbinden wollen, wodurch auch ihre Beziehung zu Johann gefährdet ist. Ein wichtiger Protagonist ist auch Johanns Freund Louis, ein engagierter Arzt aus guter Familie, durch dessen Einbindung auch ein fundierter Einblick in das Leben der Oberschicht, vor allem in das seiner Mutter, die anders als er nicht an Unterstützung der ärmeren Bevölkerung interessiert ist. Dadurch wird die Kluft zwischen arm und reich deutlich, die ebenso wie der Kampf der Frauen um einen Platz in der Arbeitswelt immer wieder zur Sprache kommt. Wie man sieht, sind soziale Aspekte ein zentrales Thema dieses Romans und sie sind derart gegenständlich und hautnah dargestellt, dass auch Rezipienten, die dieses Thema nicht zu ihren vorrangigen Interessen zählen, begierig jede Information dazu aufsaugen werden Ein historischer Roman, der einen tiefen Einblick in die sozialen Verhältnisse des späten Kaiserreichs gibt und die Leser*innen verstehen lässt, warum die deutsche Geschichte den uns heute bekannten Lauf nahm.