Das Potenzial ist da. Die Welt baut sich langsam auf und brauchte vielleicht diesen ersten Band, um eine Grundlage zu schaffen.
¿Warum? Einerseits hat mich die Geschichte durchaus gefesselt, andererseits wurde meine Geduld immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Auf rund 480 Seiten passiert gefühlt sehr viel und gleichzeitig erstaunlich wenig. Ich weiß nicht genau, ob es an der kleinen Schriftgröße lag, durch die sehr viel Text auf eine Seite gepresst wurde, oder ob die vielen Umschreibungen und inneren Monologe dafür gesorgt haben, dass sich das Lesen stellenweise wie ein Schneckentempo angefühlt hat.¿Die Geschichte wird größtenteils aus Rainas Perspektive erzählt, gelegentlich aber auch aus der Sicht des Witch Collectors, Alexus Thibault. Raina ist eine junge Hexe, die sich mithilfe einer universellen Gebärdensprache verständigt, da sie stumm zur Welt gekommen ist. Diese Idee fand ich in einer Fantasygeschichte unglaublich erfrischend und spannend umgesetzt. Raina ist in ihrem Dorf sehr behütet (abgeschirmt von der Außenwelt) aufgewachsen. Umso größer ist ihre Neugier auf die Welt jenseits ihres Dorfes und der Wunsch, aus diesem engen Rahmen auszubrechen.¿Was ich allerdings nicht ganz nachvollziehen konnte, war der enorme Hass, den sie in sich trägt, vor allem gegenüber zwei bestimmten Personen, einzig basierend darauf, dass ihre Schwester mitgenommen wurde. Genau dieser Hass bringt sie immer wieder in Schwierigkeiten. Aber auch ihr Stolz, ihre Sturheit und ihre Loyalität gegenüber Vorstellungen, die mehr auf Annahmen als auf Fakten beruhen, stehen ihr oft selbst im Weg. Was ich ihr jedoch sehr hoch anrechne, ist ihr Kampfgeist. Sie steht kompromisslos für das ein, was sie schützen und retten will. Und genau das entwickelt sich im Laufe der Geschichte immer weiter.¿Alexus hingegen mochte ich von Anfang an sehr. Seine Geduld wird im Verlauf der Geschichte ebenfalls ordentlich strapaziert. Er ist beschützend, loyal und liebt mit ganzem Herzen. Anfangs konnte ich nicht immer nachvollziehen, warum er nicht einfach so handelt, wie er es offensichtlich möchte. Erst später wurde mir klar, weshalb er so zurückhaltend ist, und rückblickend ergab vieles plötzlich Sinn.¿Damit komme ich zu weiteren Punkten, die mich hin- und hergerissen haben. Bereits zu Beginn gibt es Kampfszenen, die mich regelrecht überrumpelt haben. Mir fehlte hier noch die emotionale Bindung zu den Charakteren, weshalb kaum Spannung aufkam und sich dieser Abschnitt für mich eher gezogen hat. Der Schreibstil war insgesamt in Ordnung, allerdings stellenweise sehr langatmig, sodass meine Gedanken öfter abschweiften. Das Worldbuilding hingegen hat mir richtig gut gefallen, insbesondere die Karte hat mir sehr geholfen, mich in der Welt zurechtzufinden. Der Spice-Anteil ist minimal, was mich persönlich nicht gestört hat, zumal die eine Szene, die es gibt, wirklich intensiv war.¿Ob ich mir den zweiten Band im April holen werde, weiß ich noch nicht. Ganz sicher bin ich mir nicht. Neugierig bin ich aber definitiv, vor allem nachdem zum Ende hin einige Geheimnisse gelüftet wurden. ¿Fazit:¿"The Witch Collector" überzeugt mit spannendem Worldbuilding, einer erfrischenden Protagonistin und interessanten Ideen, verlangt aber viel Geduld durch sein langsames Tempo und die langatmigen Passagen. Trotz meiner Kritik hat mich die Geschichte nicht ganz losgelassen. Ob Band zwei einziehen darf, bleibt offen, das Interesse ist aber definitiv geweckt.