Ein verlassenes Haus, das seit den 70er-Jahren immer wieder Menschenleben fordert. Jessie, deren Schicksal untrennbar mit diesem Haus verbunden ist nachdem ihr kleiner Bruder nach einer Mutprobe darin verschwindet und nicht wieder herauskommt.
Wir begleiten vor allem Jessie über mehrere Jahre und erleben mit ihr welches Grauen das Haus verbreitet. Sie ist wie besessen von der Geschichte des Gebäudes und sammelt alle Informationen darüber. Im Zuge dessen gibt es ein paar Rückblenden, in denen ihr berichtet wird, was den Betreffenden im Haus passiert ist. Diese lassen die Haare zu Berge stehen. Man könnte sich wirklich fragen, warum nicht alle sofort das Weite suchen. Hier zeigt sich, dass grade das Verbotene und die Gefahr einen faszinierenden Sog ausüben. Jessie macht im Verlauf eine große Entwicklung durch: von einem verletzten und renitenten Teenager zu einer verantwortungsvollen und mutigen jungen Frau. Es gibt noch einige andere liebenswerte und interessante Charaktere, besonders Jessies Found Family habe ich ins Herz geschlossen.
Die Autorin beeindruckt wieder mit ihrem besonderen Schreibstil, der mich jedes Mal direkt in seinen Bann zieht. Besonders stark finde ich die Atmosphäre: durchgehend unheimlich, düster und beklemmend. Das Haus selbst wirkt nicht nur wie ein Ort, sondern wie ein lebendiges Wesen mit eigenem Willen. Es gibt einige Schockmomente, die Spannung lebt aber eher von einer konstanten, unterschwelligen Bedrohung, die unter die Haut geht. Dennoch wird es stellenweise ziemlich blutig und brutal.
Die Themen Trauer, Schuld, Wut und schwierige Familienverhältnisse ziehen sich konsequent durch die Handlung und verleihen dem Roman zusätzliche Tiefe.
Perfekt für alle, die mysteriöse Orte, düstere Geheimnisse und starke Protagonistinnen mögen.