"Das Tinnitusleiden hat - wie jedes gravierende Handikap - seinen Auftrag und seine Botschaft. "Du sollst mit neuen Ohren hören! Nicht mit den Ohren des Kopfes, sondern mit den Ohren des Herzens. Du sollst dein "Sinn-Organ" (Frankl) entwickeln, das den "Ruf" vernimmt , der täglich und stündlich an dich ergeht: den Ruf zur konkret-sinnvollen Lebensgestaltung. Du sollst auf Inhalte lauschen, nicht auf Töne. Auch Musik ist mehr als eine Aneinanderreihung von Tönen. Genauso ist dein Leben mehr als eine Aneinanderreihung von Tagen und Stunden. Es ist dasjenige, was du daraus machst; das einmalige Kunstwerk einer einzigartigen Person, unwiederholbar und unvergleichbar im riesigen Universum! Also kümmere dich nicht um hohlen Schall, sondern taste mit geistigen Fühlern nach der Stille jenseits aller Störeinflüsse. Genieße die Stille, tanke in ihr auf und höre, was dir in ihr und durch sie übermittelt wird. - Das vorliegende Buch möchte dazu psychologische Hilfen aus dem Franklschen Gedankenschatz präsentieren. . . ." (Elisabeth Lukas)
Jeder Kranke hofft, wieder gesund zu werden, und oft schafft es unser Organismus auch, dieser Hoffnung gerecht zu wer- den. Leider jedoch nicht immer. Die eine oder andere Krankheit nistet sich hartna ckig bei uns ein und begleitet uns auf unse- ren weiteren Wegen. Ob es sich um das la stige Ohrgera usch Tinnitus handelt, das uns permanent qua lt, oder ob noch viel ernstere ko rperliche Belastungen uns sta ndig plagen - wo die Heilbarkeit an ihre Grenzen kommt, muss man sich mit seinen eigenen Einschra nkungen und Blessuren abfinden, und das ist wahrlich nicht leicht.
Wir sind allerdings mehr als unser Organismus. Wir sind Per- sonen mit Esprit, Fantasie und Wu rde. Daher ko nnen wir uns geistig u ber so manche Misslichkeit erheben, ihr trotzend oder u ber sie lachend, Krankheitsfortschritt ignorierend oder gestaltend, Schwa chen ertragend oder u berlistend, Chancen entdeckend oder ausscho pfend . . . ein Rest an innerer Freiheit verbleibt immer bei uns. Im vorliegenden Buch wird dafu r pla diert, diesen restlichen Freiraum achtsam und sinnvoll zu nu tzen. Denn es zeigt sich an Hand zahlreicher Betroffener: Kein chronisches Leiden kann uns wirklich daran hindern, ein sinnerfu lltes und zufriedenstellendes Leben zu fu hren.
Elisabeth Lukas, Schu lerin des Wiener Neurologen und Psychia- ters Viktor E. Frankl, hat in ihrem reichhaltigen Schrifttum nach- gewiesen, dass Weisheit ein kraftvolles Element bester Me- dizin ist. Insbesondere die Weisheiten, die sich im Franklschen Gedankengut verdichten, eignen sich ideal zur Kompensation von Bedu rftigkeiten, die sich der a rztlichen Kunst entziehen.