Mafia-Setting meets Alpha-/Omega-Verse
"Low Tide in Twilight" zieht die Leserschaft sofort in einen Strudel aus Dunkelheit und Verzweiflung. Vom ersten Moment an wird klar: Das Leben des Protagonisten Euihyun Kim ist alles andere als leicht, hineingezogen in den Sog der organisierten Kriminalität durch seinen Vater, findet sich Kim in einer Welt voller Gefahren und innerer Konflikte wieder, die kaum Raum für Hoffnung lässt.Die Ausweglosigkeit, die Euihyun Kim und seinen Bruder umgibt, wird so intensiv und eindringlich geschildert, dass ich sie beim Lesen förmlich spüren konnte. Die Angst, die Last und die Sehnsucht nach einem Ausweg lassen einen als Leser tief mitfühlen. Gerade als alles verloren scheint, bewahrt Taeju Yeo den verzweifelten Euihyun Kim vor dem Selbstmord. Die darauffolgenden Szenen bewegen sich im bekannten Alpha/Omega-Genre und sind in ihrer Offenheit und Unzensiertheit nichts für schwache Nerven. Diese rohe Ehrlichkeit unterstreicht die Dramatik der Geschichte. Die düstere Stimmung bleibt konstant greifbar, und man erlebt Kims Kampf ums Überleben und den Schutz seines kleinen Bruders hautnah mit.Großer Wermutstropfen für mich war der Umgang zwischen Yeo und Kim - ich hätte mir einen behutsameren Umgang gewünscht. Doch angesichts des Mafia-Settings ist dies wohl Wunschdenken. Trotz allem hat mich die mitreißende Handlung von "Low Tide in Twilight" tief berührt und gefesselt. Ich werde die Reihe definitiv weiterverfolgen, denn mit Kim fiebert man mit, man hofft und bangt... Außerdem hatte ich als Leser das Gefühl, ihn mit seinem Schicksal nicht allein lassen zu wollen. Ein emotionales Leseerlebnis, das unter die Haut geht.