Zwischen diese schön gestalteten Buchdeckeln steckt (zu) viel Drama und etwas Magie, erzählt aus wechselnden Perspektiven
Das Buch erzählt in zwei Zeitschienen und aus drei Perspektiven wegweisende Ausschnitte dreier Figuren: Ophaline wiedereröffnet unter dem Decknamen Gray in den 1930ern eine Buchhandlung in Dublin für besondere Bücher und Antiquitäten. Sie ist auf der Flucht vor ihrem Bruder und dem Mann, mit dem der sie verheiraten will. Ihre wahre Leidenschaft gilt aber der Suche nach einem möglichen zweiten Roman von Emily Brontë. Fast ein Jahrhundert später ist Henry, Doktorand der Literaturwissenschaften (und ein bisschen auf der Flucht vor seiner Verlobten,) auf der Suche nach diesem Buchladen, der wie vom Erdboden verschluckt ist, stattdessen trifft er an dieser Stelle auf Martha, die als Haushälterin bei einer alten, vermögenden Dame arbeitet und auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann ist. Martha muss ihre besondere Beziehung zu Büchern erst noch entdecken. Alle drei müssen sich der eigenen Vergangenheit stellen, um ihren Weg zu finden bzw. ihre Ziele zu erreichen.Jede der drei Figuren bringt ein ordentliches Päckchen mit und v.a. die Geschichte von Ophaline bringt ein wahres Drama ans Tageslicht, das zu entdecken nicht nur den Durchbruch für Henrys Suche wird, sondern auch die Lebensgeschichten der beiden Frauen miteinander verbindet. Ich mag es, wenn historische Themen, über die ich nicht so oft gelesen habe, Einzug im Romane erhalte; aber tatsächlich war es mir am Ende dann fast zu viel Drama. Für mich muss nicht jede der Hauptfiguren große Dramen erlebt haben, um Tiefe zu erlangen. Zu schnell wird es dann unglaubwürdig. Hier wäre mir der Fokus auf Ophaline völlig ausreichend gewesen. Das waren auch die Passagen, die ich mit größtem Interesse gelesen habe. Viele Henry & Martha-Stellen hatten für mich hingegen Längen. Aber das entspricht einfach meinem persönlichen Lesegeschmack. Schön ist die Leichtigkeit mit der erzählt wird, die Atmosphäre und die Referenzen auf das Werk der Brontë-Schwestern, die man an vielen Stellen spürt. Das hat mir gut gefallen. Auch das Buchcover und der Farbschnitt sind sehr schön. Leider ist der Titel des Buchs etwas banal ...Die Dosis an Magie war für mich wiederum genau richtig, auch wenn ich damit hadere, dass die Auflösung mehr oder weniger vor allem an Magie und Intuition hängt; immerhin ist ein Brontë-Forscher an Bord, und die Übergänge zwischen magischen/intuitiven und realen Erzählstücken oftmals noch etwas geschliffener/eleganter hätten sein müssen. Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich ein weiteres der Bücher von Woods lesen werde, aber "Sturmhöhe" hat es Dank ihr auf jeden Fall nach vielen Jahren wieder auf meine Leseliste geschafft.