So ganz zündet diese Krimireihe für mich nicht. Es liegt sicher nicht an Frank Goldammers Schreibstil, denn der ist erstklassig. Gut zu lesen, flüssig und ohne größere "Knaller" (vielleicht mit Ausnahme von dem Wort "schwanger", das man im 19. Jahrhundert noch nicht so häufig benutzt hat, sondern eher umschreibende Formulierungen wie "in anderen Umständen" usw.).Gefallen hat mir auch, dass sich Goldammer hier einmal der Situation der Frauen im 19. Jahrhundert annimmt und sehr viel Verständnis für ihre Lage aufbringt. Es ist selten, dass dieses Thema in historischen Krimis so deutlich angesprochen wird.Auch die Charaktere haben so ihre Momente zu gefallen, vor allem Schrumm ist sympathisch, jedoch leider noch ein wenig oberflächlich dargestellt. Man erfährt (noch) nicht besonders viel von ihm. Bisher konnte ich auch Gustav Heller immer gut leiden, jedoch fällt mir in diesem Band auf, wie rüpelhaft er hier auftritt. Andere Meinungen lässt er eigentlich nicht zu (vor allem nicht die seiner Vorgesetzten), seinen Assistenten mobbt er geradezu und zu Hause lässt er sich auch kaum blicken, obwohl diese Szenen fast die besten des Buches sind. Generell fehlt in diesen Krimis ein Gegenstück zur Ermittlung. Die Familie Hellers böte sich da an, wenn sie mehr Raum einnehmen könnte. Auch seine Pferdezucht ist unheimlich interessant und hat im ersten Buch noch eine größere Rolle gespielt, was mir gut gefallen hat.Kommen wir zur Krimihandlung. Die Idee, einen Tiger ausbrechen zu lassen, hat mir gut gefallen. Nur leider verläuft dieser Handlungsstrang im Sande. Im ersten Drittel wird hierzu viel spektuliert und gemutmaßt, später wird der Tiger gar nicht mehr erwähnt; nur ganz am Ende wird das Thema noch einmal kurz aufgegriffen, um diesen Handlungsstrang abzuschließen.Der Fall, den Heller und Schrumm bearbeiten, ist zwar interessant und wichtig (s. oben), jedoch wird zu wenig daraus gemacht. Irgendwie dreht sich die Ermittlung ständig im Kreis und kommt nicht vom Fleck. Im Grunde werden nur immer neue Theorien aufgegriffen und wieder verworfen; es werden Leute verhaftet und verhört, aber auch hier wiederholt sich alles. Die Auflösung zieht sich ewig hin, wirkt konstruiert und unnötig kompliziert.Kurz gesagt finde ich, dass "Die Bestie von Dresden" bisher das schwächste Buch der Reihe ist. Ich wünsche mir, mehr von Hellers Familie und Gestüt zu erfahren und vielleicht auch Schrumm ein bisschen mehr Raum zu geben, denn die Ansätze sind wirklich super.