Dieses Buch liest sich für mich weniger wie ein klassischer Reisebericht und mehr wie eine lange, ehrliche Nachricht an eine Freundin, die einfach mal erzählt, wie es wirklich ist. Nicht geschniegelt, nicht touristisch aufgehübscht, sondern mit all den kleinen Absurditäten, Alltagsbeobachtungen und Momenten, die eine Insel ausmachen.
Besonders schön fand ich die Struktur entlang der Monate. Man merkt, wie sich Prioritäten, Stimmung und Tempo im Jahresverlauf verschieben. Mal Regen, mal Katzen, mal Festival, meist absolute Ruhe, manchmal sogar ohne Strom, das wirkt sehr echt.
Die Episoden rund um die Schuhübergabe, Octopussy oder den Telefonanbieter waren für mich echte Highlights. Diese Mischung aus trockenem Humor und leichtem Kopfschütteln mochte ich sehr.
Die Fotostrecke rundet alles wunderbar ab, wie ein visuelles Nachhallen der Geschichten. Und die zweisprachige Aufteilung ist überraschend sinnvoll gelöst: erst Deutsch, dann Bilder, dann Englisch und ohne den Lesefluss zu zerreißen.
Ein Stern Abzug nur, weil ich mir an manchen Stellen noch ein bisschen mehr Tiefe gewünscht hätte. Aber insgesamt: warm, ehrlich, charmant und definitiv ein Buch, das nachwirkt.