Satan und Ischariot gehört zu Karl Mays groß angelegten Reiseerzählungen und verbindet die Schauplätze des amerikanischen Westens mit jenen des Orients zu einem moralisch aufgeladenen Abenteuerpanorama. Im Zentrum steht die Verfolgung verbrecherischer Gestalten, deren Verrat, Habgier und Täuschung den biblisch grundierten Titel motivieren. May gestaltet die Handlung in episodischer Spannung, mit dramatischen Enthüllungen, emphatischer Dialogführung und jener Mischung aus Exotik, Frömmigkeit und Gerechtigkeitsdenken, die sein Werk im Kontext der populären Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts prägt. Karl May, 1842 in Ernstthal geboren, schrieb aus der Perspektive eines Autors, der Ferne meist imaginativ erschloss und sie dennoch mit erstaunlicher erzählerischer Selbstgewissheit beglaubigte. Eigene Erfahrungen von Armut, sozialem Scheitern, Haft und späterer religiös-ethischer Neuorientierung flossen in seine Figurenwelt ein: Der Kampf gegen Schuld, Lüge und innere Verirrung ist hier nicht bloß Handlungsmotor, sondern Ausdruck eines persönlichen Erlösungsdenkens. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die Mays Abenteuerkunst nicht nur als spannende Unterhaltung, sondern als moralisches und kulturgeschichtliches Dokument verstehen möchten. Satan und Ischariot zeigt exemplarisch, wie wirkungsmächtig May Spannung, Weltentwurf und ethische Belehrung verschränkt.