Ein gelungener Reihen-Auftakt
Während seine Gattin einer Kreuzfahrt mit nervigen Bekannten frönt, hütet der emeritierte Geschichtsprofessor Gregor Cornelius das Haus seines Neffen in Neukirchen in der Niederbayrischen Provinz - Kraft tanken für das Wiedersehen mit seiner Ehefrau. Doch daraus wird nichts. Zum einen wird Gregor Cornelius unfreiwillig zum Mittelpunkt im Dorf, weil er mehrmals in ungewohnte Situationen gerät, aus der ihn Valerie Dahlmann, die Nachbarin von gegenüber, mehrmals rettet und zum anderen wird in der Walpurgisnacht nicht nur der Maibaum gestohlen, sondern auch Sascha Eichinger, der Dorfcasanova ermordet. Ausgerechnet Cornelius und Dahlmann finden auf einem Spaziergang den Toten und beginnen recht bald, über mögliche Täter und Motive nachzudenken. Wer hat den Schönling Sascha auf dem Gewissen? Die Auswahl an Verdächtigen ist recht groß, denn es gibt reihenweise enttäuschte Frauen, denen er das Herz gebrochen hat und mindestens ebenso viele eifersüchtige Männer. Nicht zu vergessen die Fußballmannschaft aus dem Nachbardorf, die sich nicht nur auf dem grünen Rasen bekriegen. Oder war es doch Wolfgang Hartmann, dessen jüngere Tochter Laura angeblich Selbstmord begehen wollte, weil Sascha sie stehen hat lassen und nun zuhause als Wachkomapatientin rund um die Uhr gepflegt werden muss ? Dafür hätten einige Dorfbewohner sogar Verständnis. Die ermittelnden Beamten Robert Thorwald und Florian Weber haben die Qual der Wahl, zumal ihnen Cornelius immer wieder ergänzende Beobachtungen und neue Verdächtige liefert. Meine Meinung: Als Kind der Walpurgisnacht (ich bin am 30. April um 19:30 geboren), habe ich eine besondere Beziehung zu Krimis, die an meinem Geburtstag spielen (lach). Dieser Krimi, der der Auftakt einer bislang fünfteiligen Reihe ist, hat mir sehr gut gefallen, spiegelt er doch die Beziehungen der Dorfbewohner im Mikrokosmos Dorf wieder. Jede/jeder weiß (oder glaubt) von jedem/jeder (fast) alles zu wissen. Gerüchte verbreiten sich schneller als der Schall und einige haben wirklich etwas zu verbergen. Ein falscher Gedanke zur Unzeit ausgesprochen, entwickelt ein Dynamik, die kaum mehr einzufangen ist.Ein bisschen mehr Informationen zur Walpurgisnacht hätte ich mir gewünscht. Aber, das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Charaktere sind ausgezeichnet herausgearbeitet. Zu Beginn wirkt Gregor Cornelius wie der sprichwörtlich zerstreute Professor, der weder die Kaffeemaschine noch die Mikrowelle bedienen kann. Da kommt ihm die selbstlose Hilfe der Nachbarin gerade recht. Dass die sich ungefragt und ziemlich übergriffig in sein Leben drängt, bemerkt er erst, als es beinahe zu spät ist. Ich habe jeden Moment erwartet, dass man Cornelius ein Pantscherl mit der Dahlmann anhängt. Kaum glaubt man den Täter eingekreist zu haben, ergibt sich eine unerwartete Wendung, die einen anderen Verdächtigen auf der Liste der möglichen Täter hinaufklettern lässt. Sehr gut hat mir gefallen, dass das sonst übliche Kompetenzgerangel innerhalb der Polizei ausgespart worden ist. Fazit:Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt, der durch zahlreiche unerwartete Wendungen besticht, 5 Sterne.