Ein Buch, das nicht so recht weiß, wohin es will.
Ann ist froh, aus ihrer Heimatstadt fortzukommen, als sie die Zusage des MET in New York bekommt. Zu viele Erinnerungen hängen in Walla Walla, zu viel Trauer um ihren Vater, der vor einem Jahr bei einem Autounfall mit Fahrerflucht umkam. Doch als sie in New York ankommt und ihre Stelle antreten will, wird ihr mitgeteilt, dass der Historiker, unter dem sie hatte arbeiten sollen, in Europa auf einer Forschungsreise ist und man keinen Platz für sie mehr hat.Doch dann kommt der Kurator von The Cloisters dazwischen, das zum MET gehört, und bietet ihr eine Stelle als Assistentin an. Ann willigt ein, nicht ahnend, in was für einen Strudel aus Eifersucht, Mord und Liebe sie sich begibt ...Selten hat mich ein Roman so ratlos über weite Teile der Handlung gelassen. The Cloisters weiß nicht so ganz, was es eigentlich will. Ist es Belletristik über den Alltag, in einem Museum mit Forschungsauftrag zu arbeiten? Geht es um Tarotkarten und deren Herkunft? Ist es ein Kriminalroman? Ein Selbstfindungsroman? Eine Romance? Irgendwie weiß The Cloisters nicht, wohin und taucht in jedes Genre ein, ohne dass es zu tief eintaucht.Die Handlung um das Museum The Cloisters ist interessant, vielleicht gerade für solche, die in Museen arbeiten oder sich dafür interessieren. Ich habe vor einigen Jahren ein mehrmonatiges Praktikum in einem Museum absolviert, was zu einem eineinhalbjährigen Nebenjob führte. Insofern weiß ich, welche Anforderungen gestellt werden und wie die Arbeit hinter den Kulissen eines Museums läuft - eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte und die ich bis heute vermisse. Als Aufgabe für mein Volontariat war mir gestellt, die Grafiken in einem der Magazine zu katalogisieren und fand dort wunderbare Arbeiten in Schubfächern, die vielleicht nie die Augen der Öffentlichkeit finden werden. Da ich an Kunst interessiert bin war es für mich ein Glücksgriff.Mit Tarot beschäftige ich mich seit mehr als dreißig Jahren. Insofern konnte ich die gelegten Karten in diesem Roman sehr gut einordnen und wusste auch um deren Bedeutung. Allerdings ... so interessant es auch wäre, wenn das Tarot auch astrologische Aspekte hätte (einige Decks haben das in der Tat), so wenig scheint die Autorin hier recherchiert zu haben. Tarot-Karten aus dem 14. oder 15. Jahrhundert werden weder Uranus, noch Pluto beinhalten, da diese Planeten noch nicht bekannt waren in dieser Zeit. Pluto wurde 1930 entdeckt, Uranus im 18. Jahrhundert und Neptun im 19. Jahrhundert. Ihnen konnte also noch kein Sternzeichen zugeordnet worden sein. Lassen wir einmal außen vor, dass der Skorpion erst spät in den astrologischen Tierkreis aufgenommen wurde und den Adler ersetzte. Wann das geschah, ist mir leider nicht bekannt und auch meine diesbezügliche (oberflächliche) Recherche ergab nichts.Die Handlung wird aus der ersten Person, also aus Anns Sicht erzählt. Mir ist klar, sie leidet noch immer unter dem Verlust ihres Vaters, mit dem sie viel verband. Das war der Hauptgrund, warum sie Walla Walla verließ und nach New York ging. Doch Ann wirkt den ganzen Roman über seltsam teilnahmslos. Es werden keine großen Gefühle in irgendeiner Form erwähnt. Sie scheint die Welt wie durch Watte wahrzunehmen. Sie tut, was man ihr sagt, ja, aber sie ist eigenartig distanziert von sich selbst und der Handlung.Da ich nach Ende der Lektüre denke, es ging vor allem um die Beziehung zu Rachel und deren manipulative, ja psychopatische Art, ist mir dieses Verhalten Anns absolut nicht schlüssig, selbst nicht nach ihrem eigenen Geständnis auf den letzten Seiten. Sie gerät an eine Frau, die gern manipuliert, die sie manipuliert und sie weiß das auch. Oder weiß sie es nicht? Es wird nicht recht klar. Nur eines ist relativ schnell klar: dass mit Rachel etwas nicht stimmt.Wer dann dachte, es kommt zu einem großen Showdown zwischen den beiden, weit gefehlt. Ein Bruch in der Handlung und den Rest kann man sich dann aus Anns Gedanken heraussuchen. Das ist wenig, verdammt wenig im Hinblick darauf, dass es ihr Geliebter Leo ist, der wegen des Mordes, den Rachel begangen hat, angeklagt wird. Von Leo ist dann auch keine Rede mehr.Wer denkt, es ging um die Entdeckung des antiken Tarot-Decks und dessen Auswirkungen auf die Forschung - weit gefehlt. Auch das wird quasi in wenigen Nebensätzen abgehandelt im letzten Kapitel und soll wohl zeigen, wie CutThroat selbst die Akademiker-Gemeinde ist.Für mich bleibt dieser Roman ein Rätsel, oder ein Versuch? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es ist der Erstling der Autorin, aber diese scheint selbst nicht genau gewusst zu haben, worüber sie eigentlich schreiben wollte. Das ist sehr schade, denn das Setting war wundervoll.