Soziale Medien und Co. haben politische Willensbildungsprozesse tiefgreifend verändert und die kommunikative Macht jeder und jedes Einzelnen erheblich vergrößert. Was bedeutet das für die Demokratie? Und inwieweit wird das maßgebliche staats- und verfassungsrechtliche Denken der Bundesrepublik dadurch herausgefordert?
Die Digitalisierung und ihre Medien haben die kommunikative Macht des Individuums im Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung erheblich erweitert. Dadurch ist es zu einer "Polyphonisierung der Demokratie" gekommen, die immer weiter voranschreitet. Diese neue Vielstimmigkeit stellt grundlegende Vorstellungen von den Voraussetzungen der grundgesetzlichen Demokratie in Frage. Leo Roß setzt sich mit dieser Problematik auf der Schnittstelle von Verfassungstheorie und Medientransformationsforschung auseinander. Er arbeitet ein Phänomen auf, das rechtswissenschaftlich in seiner Grundsätzlichkeit bislang zu wenig Beachtung gefunden hat. Er beleuchtet die Fähigkeit traditioneller verfassungsrechtlicher Denkmuster, sich einer dauerhaft veränderten Öffentlichkeit anzupassen. Darauf aufbauend erörtert er, wie das Phänomen der "Polyphonisierung" aus staats-, demokratie- und verfassungstheoretischer Perspektive zu bewerten ist.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Polyphonisierung der Demokratie: Struktur des politischen Willensbildungsprozesses, normative Prämissen und tatsächliche Entwicklungen
C. Die Vorstellung vom Individuum in der Staatsrechtslehre
D. Ernst-Wolfgang Böckenförde und der Wunsch nach dem eingehegten Individuum
E. Uwe Volkmann und die Idee vom konstruierenden Individuum
F. Ulrich Haltern und die Vorstellung vom in der politischen Gemeinschaft aufgehobenen Individuum
G. Zusammenfassung