Man landet in einer Fantasywelt, in der alte Feindschaften, Misstrauen und Machtspiele das Leben bestimmen und drei sehr unterschiedliche Figuren ungewollt zu Schlüsseln eines viel größeren Konflikts werden. Eine junge Aufständische ringt mit dem Preis von Freiheit und dem eigenen Wunsch nach Vergeltung. Ein gefeierter Kämpfer auf Seiten der Herrschaft merkt, dass sein sicher geglaubtes Weltbild Risse bekommt und plötzlich ist Loyalität keine einfache Kategorie mehr. Und währenddessen wächst im Umfeld eines lichtgeprägten Magierordens in einem Novizen etwas heran, das selbst erfahrene Meister nervös macht verbunden mit einer Intrige, die weit über persönliche Schicksale hinausgeht.
Was das Buch für mich so stark macht, ist das Erzählkonzept: Drei zunächst getrennte Handlungsstränge, die jeweils ihren eigenen Ton und ihre eigene Spannung haben, werden nach und nach ineinander verwoben, bis man merkt, wie sauber alles aufeinander zuläuft. Genau dadurch entsteht dieser Ich muss wissen, wie das zusammenhängt-Sog.
Auch das Tempo sitzt: Der Einstieg nimmt sich Zeit und wirkt bewusst ruhig, damit man Figuren und Konflikte wirklich versteht gegen Ende wird es dann deutlich dichter und spannender, ohne hektisch zu werden.
Die Charakterentwicklung ist dabei ein echtes Highlight. Niemand bleibt nur Held, Gegner oder Auserwählter, sondern trifft Entscheidungen, die Konsequenzen haben und innere Reibung erzeugen. Das macht die Konflikte glaubwürdig und emotional greifbar.
Atmosphärisch bedient das Buch bekannte Zutaten großer Fantasy-Epen ich hatte immer wieder dieses Gefühl von klassischer epischer Reise/Bedrohung wie man es aus Herr der Ringe kennt, plus das Ordens-/Ausbildungs- und Magie-Feeling, das an Harry Potter erinnert. Es wirkt vertraut, bleibt aber eigenständig genug, um neugierig zu halten.
Sehr angenehm fand ich, dass es sich leicht und fluffig liest: klare Sätze, wenig verschachtelt, kaum politisches Dauer-Gerangel dadurch kommt man schnell voran und bleibt trotzdem in der Welt.
Die metaphorische Bildsprache ist sehr ausgeprägt. Das ist Geschmackssache man gewöhnt sich aber schnell daran und es passt zur Sprache des Buchs.
Und noch etwas Positives, das man selten erwähnt: Die gebundene Ausgabe ist extrem kompakt gesetzt. Die über 500 Seiten fühlen sich dadurch gewichtiger an man ist spürbar länger beschäftigt als bei vielen ähnlich langen Büchern. Für mich ein Plus: mehr Lesezeit, mehr Welt, mehr davon.
Unterm Strich: Starker Serienstart, zugänglich geschrieben, mit guter Figurenarbeit und einem Schluss, der Lust auf Band 2 macht.