Ich habe "Das Lied des Achill" nicht einfach nur gelesen, ich habe es verschlungen.Es ist eines dieser seltenen Bücher, die deine volle Aufmerksamkeit fordern und dann still und unerbittlich dein Herz erobern. Die Prosa ist so schön, so zart, so still intim, dass du denkst: Ja, das wird irgendwann wehtun, aber ich bin stark. Ich weiß, wie die Geschichte ausgeht. Ich bin vorbereitet.Ha, ach, du süßes, naives Ding.Jeder Satz scheint sich seiner eigenen Zerbrechlichkeit bewusst zu sein, als wüsste er, dass die Geschichte, die er erzählt, gerade deshalb so schön ist, weil sie nicht zu retten ist. Madeline Miller nimmt eine in Marmor gemeißelte Geschichte und haucht ihr auf wundersame Weise Leben ein.Achilles ist strahlend und dem Untergang geweiht, Patroklos ist sanft und leidend und unerträglich menschlich, und ihre Liebe entfaltet sich mit solcher Zartheit, dass man vergisst, dass sie geradewegs auf eine Tragödie zusteuert. Jede Seite wirkt sonnendurchflutet, nach Meeressalz duftend und schwer vom Schicksal, und doch liest man weiter, denn die Liebe ist es wert, selbst wenn man den Preis kennt. Ihre Liebe wächst langsam, ganz natürlich, ohne Aufsehen. Sie zeigt sich im Schweigen, in einer Treue, die sich instinktiv anfühlt, in der Art, wie Patroklos Achilles aus Hingabe umkreist. Patroklos' Stimme, sanft, aufmerksam und mutig, verleiht der Geschichte Menschlichkeit. Durch ihn hören Götter und Helden auf, ferne Gestalten zu sein, und werden schmerzlich real.Auch Achilles ist mehr als seine Legende. Er ist strahlend, ja, aber auch jung, stolz, unsicher und tragisch an ein Schicksal gebunden, dem er sich widersetzt und das er zugleich annimmt. Miller erlaubt es, ihn zu verehren, ohne ihn zu idealisieren, ihn mächtig erscheinen zu lassen, ohne ihn unerreichbar wirken zu lassen. Die Spannung zwischen Liebe und Schicksal, zwischen der Wahl des Glücks und der Wahl des Ruhms, durchdringt das Buch wie ein Pulsschlag. Den Mythos zu kennen, schützt hier nicht. Im Gegenteil, es macht die Erfahrung nur noch qualvoller. Man liest weiter, wohl wissend, was kommt, und hofft, absurd, verzweifelt, dass diese Version einen verschont. Dass Liebe vielleicht ausreicht, um das Ende zu ändern. Aber sie reicht nicht.Die letzten Kapitel haben mich zutiefst berührt. Das ist eines der wenigen Bücher, die mich zum Weinen gebracht haben, die Art von Tränen, bei denen man auf die letzte Seite starrt und leise "Nein" flüstert, als ob das helfen könnte. Dieses stille Weinen, bei dem man nach dem Lesen wie gelähmt da sitzt, unfähig sich zu bewegen, weil sich etwas Wesentliches in einem verändert hat. Die Trauer gilt nicht nur den Figuren, sondern auch der Erkenntnis, dass wahre Liebe so tiefe Spuren hinterlässt, dass sie zu einer Art Unsterblichkeit wird, jenseits von Leben, Tod und Schicksal. Dieses Buch bricht einem nicht nur das Herz, es überzeugt einen davon, dass es das wert war.