Worum gehts?
Die Familie Fromm hat eine Fabrik für Bohnerwachs, doch Emma Fromm möchte mehr. Sie möchte Marmelade und Kunsthonig unters Volk bringen. Als ihre Brüder zustimmen, beginnt der Traum von Emma, Tilde und der Süße des Lebens.
Meine Meinung:
Ich habe schon viele Bücher von Eva-Maria Bast und Jørn Precht unter dem Pseudonym Romy Herold gelesen und war bislang jedes Mal begeistert. Auch Die Schwartau Schwestern Die Süße des Lebens reiht sich mühelos in diese Reihe ein. Das Autorenduo versteht es erneut wunderbar, Geschichte lebendig werden zu lassen. Der Schreibstil ist warm, atmosphärisch und voller feiner Details, sodass beim Lesen ganze Bilderwelten entstehen. Man spürt beinahe den Duft von frisch gekochter Marmelade und hört das geschäftige Treiben der damaligen Zeit zwischen den Zeilen mit.
Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Tilde und Emma Fromm zwei beeindruckende Frauen, die ihren eigenen Weg gehen möchten und dabei das große Glück haben, von ihrer Familie unterstützt zu werden. Besonders ihre Brüder fördern sie in einer Zeit, in der Frauen beruflicher Erfolg und Selbstständigkeit nur selten zugestanden wurden. Gerade deshalb ist es umso faszinierender zu verfolgen, wie Emma schließlich sogar Prokura erhält und eigenständig Verhandlungen im Namen des Unternehmens führen darf. Auch Figuren wie Max, Ursel und Anni haben mir sehr gefallen. Vor allem durch Anni bekommen wir zusätzlich spannende Einblicke in die Entstehung des Kurbads und das gesellschaftliche Leben jener Jahre.
Die Geschichte selbst liest sich wie eine Reise in eine längst vergangene Welt. Beginnend im Jahr 1899 begleiten wir die Familie bis hinein in die 1920er Jahre und erleben dabei nicht nur die Entstehung der berühmten Schwartauer Konfitüre, sondern auch die Höhen und Herausforderungen eines Familienunternehmens im Wandel der Zeit. Besonders gelungen fand ich die vielen historischen Details, die ganz selbstverständlich in die Handlung einfließen. Selbst Ereignisse wie der Untergang der Titanic werden kurz gestreift und verweben die Familiengeschichte mit dem großen Weltgeschehen.
Dabei steckt unglaublich viel Wissen und Entwicklung in diesem Roman. Genau darin liegt für mich allerdings auch der einzige kleine Kritikpunkt: Durch die Vielzahl an Ereignissen gerät die eigentliche Unternehmensgeschichte manchmal etwas in den Hintergrund. Gegen Ende war für mich beispielsweise nicht ganz eindeutig, ob neben Konfitüre und Kunsthonig weiterhin auch der ursprüngliche Firmenteil bestand und wie genau die Marmeladenproduktion schließlich so groß werden konnte. Dennoch hat mich das Buch emotional vollkommen erreicht. Besonders berührt hat mich der Umgang der Geschwister mit ihren Angestellten und die Haltung, mit der sie ihr Unternehmen geführt haben. Und auch die Geschichten hinter den Menschen selbst gingen mir nahe. An zwei Stellen hatte ich sogar Tränen in den Augen. Es sind genau diese Momente, die Romy Herolds Romanbiografien für mich immer wieder so besonders machen.
Menschen bauen Marmeladenimperien auf, während der Rest von uns schon stolz ist, wenn der Einkaufszettel vollständig geschrieben wurde. Auch mit diesem Buch konnten mich Romy Herold erneut überzeugen und ich bin jetzt schon gespannt, welche faszinierende Persönlichkeit sie uns als Nächstes näherbringen werden.
Fazit:
Mit Die Schwartau Schwestern Die Süße des Lebens ist Romy Herold erneut eine atmosphärische und berührende Romanbiografie gelungen, die Geschichte und Emotionen wunderbar miteinander verbindet. Besonders die starken Frauenfiguren, die historische Atmosphäre und die vielen kleinen Einblicke in das damalige Leben machen diesen Roman zu etwas Besonderem. Trotz kleinerer Unklarheiten im Verlauf der Unternehmensentwicklung hat mich die Geschichte emotional vollkommen abgeholt. Wer historische Familiengeschichten mit starken Frauen, viel Herz und einem Hauch Nostalgie liebt, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
4 marmeladig-süße Sterne von mir.