Mit Der Kuckucksjunge legt Søren Sveistrup erneut einen hochspannenden Thriller vor, der tief in menschliche Abgründe blickt. Bekannt wurde er u. a. durch die Serie Kommissarin Lund Das Verbrechen" sowie seinen Roman Der Kastanienmann". Auch diesmal ermittelt Kommissarin Naia Thulin an der Seite von Mark Hess in Kopenhagen.
Ausgangspunkt ist die rätselhafte Nachricht Hab dich, die eine verschwundene Mutter kurz vor ihrem Verschwinden erhält, exakt dieselbe Botschaft, die bereits einer ermordeten 19-Jährigen geschickt wurde. Schnell verdichten sich die Hinweise, dass ein:e Serientäter:in am Werk ist, während weitere Menschen spurlos verschwinden.
Meine Meinung
Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass ein neues Buch von Sveistrup erscheint. Auf ihn aufmerksam geworden bin ich tatsächlich erst Ende 2025 durch die Verfilmung (als Serie) von Der Kastanienmann. Das Buch hab ich nicht gelesen gehabt aber für mich war nach der Serie klar: Das nächste lese ich auf jeden Fall.
Und was soll ich sagen? Auch das neue Buch hier hat mich von Beginn an gepackt. Schon die ersten Seiten erzeugen eine beklemmende Atmosphäre angefangen damit, dass eines der Opfer zuhause ist und Nachrichten von einem Stalker bekommt bis sich herausstellt, dass der Stalker sie von im Haus drinnen beobachtet... und schlussendlich auch zuschlägt. Ich sag es euch, hab die Luft angehalten weil so gruselig. Und diese latente Bedrohung zieht sich durch den gesamten Roman. Die Sprache an sich ist klar, schnörkellos, fast kühl, genauso, wie ich persönlich es bei Krimis/Thrillern gerne mag.
Trotz der knapp 700 Seiten habe ich das Buch in zwei Tagen durchgesuchtet (inklusive Nachtschichten :D). Sveistrup arbeitet mit vielen Perspektiven und Figuren, was stellenweise Konzentration verlangt. Wahrscheinlich auch, um die Leser:innen auf eine falsche Spur zu locken. Manchmal waren es fast zu viele Namen und Verbindungen, die man im Blick behalten musste. Es ist kein Thriller, der die Auflösung aus dem Nichts zaubert, die Hinweise sind da. Und dieses Miträtseln lieb ich ja. So hatte ich dann wenige Seiten vor der Auflösung einen konkreten Verdacht und lag richtig (kommt nicht sooo oft vor, deshalb war die Freude groß). Diese Balance zwischen Mitdenken und Spannung hat für mich perfekt funktioniert, grad weil ich nicht schon am Anfang wusste, wer der/die Täter:in ist, aber dennoch selbst draufgekommen bin.
Was mir persönlich aufgefallen ist: Es wird nicht gegendert. Das ist ein Detail, aber eines, das mir persönlich wichtig ist und ich mir anders gewünscht hätte.
Fazit
Der Kuckucksjunge ist ein atmosphärisch dichter, aber leicht zu lesender Thriller, der definitiv Spannung liefert. Ein Buch für alle, die skandinavische Krimis mit psychologischer Tiefe lieben und gern miträtseln. Weniger für Leser:innen von cozy crime.