
+++Aufwendig gestaltete limitierte Erstauflage mit Farbschnitt, nur solange der Vorrat reicht+++
Die achtzehnjährige Poppy hatte noch nie eine richtige Beziehung. Bislang hat jeder Junge ihre hohen Erwartungen enttäuscht. Zu einem zweiten Date kommt es nie, denn Poppy hat noch bei jedem einen Fehler gefunden. Auch Cams Beziehungen halten nie lange, denn immer wenn es ernst werden könnte, ergreift der Achtzehnjährige die Flucht. Als Poppys Freunde sie auffordern, zwei Monate lang jemandem eine Chance zu geben, beschließt sie, es mit Cam, ihrem Crush aus dem Bus, zu versuchen. Auch Cam hat sich etwas vorgenommen: Er wird dieses Mal nicht derjenige sein, der Schluss macht. Schon beim ersten Date sehen beide Red Flags, bei denen sie normalerweise sofort davonlaufen würden. Doch so einfach will keiner von beiden aufgeben - und dann kommen auch noch die Gefühle dazwischen . . .
Für alle, die an Liebe auf den zweiten Blick glauben.
Besprechung vom 22.09.2025
Wie verliebt man sich?
Sophie Jo über Beziehungen aller Art
Poppy fand "Performative Males" schon blöd, als es noch keinen Begriff für sie gab. Lila auf weiß steht es auf ihrer Traummann-Checkliste: Feministisch soll er sein, "aber nicht auf eine aufgesetzte moralisierende Art, für die er von mir Applaus ernten will". Hinzu kommen sechszehn weitere präzise Anforderungen an Aussehen, Charakter und Verhalten. Zweifellos: Der Spielraum für ihren Traummann ist eng.
Es wäre nicht ganz fair, "Red Flags", das Aufmachung, Klappentext und die Autorin Sophie Jo selbst dem Young-Adult-Genre zuordnen, auf eine seichte romantische Komödie zu reduzieren. Dabei ist es auf den ersten Blick genau das. Poppy, 18 Jahre alt, hat früh festgelegt, wie ihr künftiger Freund zu sein hat, und den Weg zu ihrem Herzen mit derart vielen roten Fähnchen flankiert, dass alle potentiellen Männer in der Vergangenheit schon auf halber Strecke scheiterten. Cam hingegen weiß nicht so genau, was oder wen er will - jedenfalls keine der Frauen, denen er in vielen kurzen Kennlernphasen bislang begegnet ist. Was sie eint, sind Freunde, die ihre Pingeligkeit kaum noch ertragen. Also wird Poppy dazu verdonnert, sich zwei Monate lang auf jemanden einzulassen. Und Cam handelt sich mit seiner besten Freundin einen Deal ein, bei dem er nicht der Erste sein darf, der die Kennlernphase beendet. Ein goldener Käfig, den sich die beiden da gebaut haben - und in dem sie es acht Wochen lang miteinander aushalten müssen.
Dass daraus doch früher oder später Romantisches erwächst, ist keine große Überraschung. Daraus macht auch Jo keinen Hehl, als sie ihre beiden Protagonisten für das dritte unfreiwillige Date in den Buchladen schickt und Poppy einen Liebesroman empfehlen lässt: Eine klassische Fake-Dating-Story, sehr süß, sehr lustig, wie sie sagt. Cam: "Sorry, aber das klingt immer noch total vorhersehbar."
Ist es auch, macht aber nichts. Schließlich geht es weniger darum, dass die Protagonisten zueinanderfinden, sondern wie - und warum. Das übersieht man im Laufe der Geschichte beinahe, weil es so beiläufig passiert. Dann zum Beispiel, wenn Poppy nicht wie alle anderen betroffen auf die Information reagiert, dass Cam bei seinem Opa lebt, sondern mit einem schlichten "Cool". Oder wenn Cam sich noch an den Namen ihrer Schwester erinnert. Oder sie gegen ihren Willen zum Lachen bringt. Ist es also tatsächlich so einfach? Hatten ihre Freunde recht, und man muss nur lang genug Zeit mit jemandem verbringen, bis man sich früher oder später in einer Beziehung wiederfindet?
Nein, zum Glück nicht. Jo schafft es, sich ihre Figuren authentisch, aber eben nicht baukastenartig ineinander verlieben zu lassen - auch wenn beide passenderweise Star Wars und Live-Konzerte mögen. Aber es sind eben nicht bloß Gemeinsamkeiten, die sie teilen. Stattdessen ist gar nicht so ganz erklärbar, wieso die beiden nun Gefühle füreinander entwickeln. Es passiert nun mal. Das ist deshalb schön, weil Jo damit pauschale Antworten auf die ja doch hochkomplexe Frage, wie man sich eigentlich verliebt, vermeidet. Nur eines steht schnell fest: Eine Checkliste schadet mehr, als dass sie hilft.
Der Erzählton bleibt dabei immer locker, oft lustig. Kapitelweise wechselt die Perspektive von Poppy zu Cam, ergänzt um eigene, schön originelle Gedanken der Protagonisten. Zum Beispiel die Theorie der ohnehin recht scharfsinnigen Poppy, viele Menschen würden sich mit mittelmäßigen Beziehungen zufriedengeben, bloß weil sie nicht allein sein können. Sie dient nicht etwa dazu, Poppys engstirnige Sicht auf Beziehungen zu verdeutlichen, im Gegenteil: Sie scheint damit gar nicht ganz falsch zu liegen, gibt es doch um Cam und Poppy herum durchaus Paare, die genau aus diesem Grund zusammen zu sein scheinen.
Tatsächlich sind vor allem die Beziehungen spannend, die abseits des Hauptliebespaares liegen. Poppy spürt mit dem näher rückenden Schulabschluss immer stärker die Erwartung ihrer Eltern, weiter auf sie angewiesen zu sein. Es ginge für sie darum, gebraucht zu werden, so Poppy, weil sie sonst "allein auf dieser traurigen Insel" hocken. Cam lernt derweil im Kontakt mit seiner Mutter - die alle paar Monate in sein Leben tritt, um dann nur über sich zu reden -, dass er alt genug ist, um sich aus schadhaften Beziehungen zu lösen. Das gilt auch für Poppys Freundin Stephanie, deren Partner sie gern nach seinem Geschmack "optimieren" möchte. Zum Glück hat sie Poppy und Jordan, die ihre immer dünner werdende Freundin behutsam beobachten, nachhaken, aufpassen. So also wirft Jo nicht nur die Frage auf, wann man sich auf eine Beziehung einlassen sollte, sondern auch: wann Zeit ist, sie zu beenden. ANNA NOWACZYK
Sophie Jo: "Red Flags". Roman.
Aus dem Englischen von Jana Körner.
Insel Verlag, Berlin 2025. 348 S., br., 17,- Euro.
Ab 13 J.
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