Schon beim Aufschlagen liegt dieser typische Geruch von schwerem, ernst gemeintem Sachbuch in der Luft und genau das bekommt man hier auch. Keine Hochglanz-Heldenverehrung, sondern ein ziemlich nüchterner, stellenweise fast trockener Blick auf das, was den Zweiten Weltkrieg technisch möglich gemacht hat. Klingt erstmal sperrig, entwickelt aber eine erstaunliche Sogwirkung.
Wolfgang Fleischer marschiert einmal quer durch Maschinengewehre, Artillerie, Panzer, Werfer und Motorisierung und plötzlich merkt man, wie sehr Technik über Bewegung, Stillstand und letztlich über Leben und Tod entschieden hat. Dabei bleibt der Ton sachlich, aber nie kalt. Zwischen den Zeilen schwingt immer dieses bedrückende Wissen mit, wofür all diese Ingenieurskunst am Ende eingesetzt wurde. Genau das macht das Buch stärker, als es ein reiner Datenfriedhof je sein könnte.
Manchmal hätte ich mir etwas mehr Einordnung, vielleicht auch Vergleiche zu anderen Nationen gewünscht. Einige Passagen lesen sich sehr dicht, fast wie ein konzentrierter Stapel Fakten, bei dem das Gehirn kurz nach Kaffee ruft. Doch wer sich wirklich für Militärgeschichte und Technik interessiert, bekommt hier ein fundiertes, solides und erstaunlich gut lesbares Gesamtbild.
Unterm Strich kein lockeres Feierabendbuch, sondern eher ein stiller, nachdenklicher Begleiter für lange Abende. Und genau deshalb bleibt mehr hängen, als man zunächst erwartet.