Und vermutlich war niemand so geeignet, es zu schreiben, wie Fritz J. Raddatz. In Deutschland ist er der widersprüchlichste Intellektuelle seiner Generation: anziehend durch seinen Witz, distanzierend durch seinen Eigensinn, geistreich, gebildet, streitbar und umstritten - und immer, bei aller Geselligkeit, von einer Empfindung der Unzugehörigkeit bestimmt. Schon in den sechziger Jahren hat Erich Kuby über ihn gesagt, daß für so jemanden in Deutschland eigentlich kein Platz sei.
Kubys Urteil bestätigt sich im Lebensgefühl des Tagebuchschreibers. Raddatz zeigt sich hier unmaskiert, als hochmütiger Melancholiker und treuer Freund, als Hypochonder, Misanthrop, Zweifler. Das ist die Entstehensbedingung dieser Aufzeichnungen, die von Raddatz' letzten Jahren als Feuilletonchef der ZEIT bis zum Beginn des neuen Jahrhunderts reichen und im Fall der Mauer, in der deutschen Wiedervereinigung ihren kontroversenreichen Mittelpunkt haben.

Tagebücher 2002 - 2012
: Fritz J. Raddatz' schonungslose Beobachtungen der deutschen Gesellschaft und seiner selbst
Nach dem fulminanten Erfolg des ersten Bandes seiner Tagebücher, den man als " den großen Gesellschaftsroman der Bundesrepublik" feierte, legt Fritz J. Raddatz nun den zweiten Teil vor. Mit derselben Leidenschaft und Klarheit setzt er seine Beobachtungen der deutschen Gesellschaft und seiner selbst fort, noch schärfer, aber auch mit einem Schuss Komik und Selbstironie.
Raddatz erweitert die Form, fügt Monologe, kurze Telefon-Dramen, Essays und Porträt-Miniaturen ein. Neue Protagonisten wie Joachim Fest und Katharina Thalbach treten auf, aber auch Klaus Mann und andere werden aus der Erinnerung heraufbeschworen. Es geht um das Bild der " guten Gesellschaft" , die entstehende Einheit von Ost und West und mit zunehmender Wut auch um die amerikanische Politik: den Irakkrieg, die Lügen der Administration, Guantanamo - für Raddatz die schmerzliche Revision einer Lebensüberzeugung vom einst geliebten Amerika.
Eigensinnig, geistreich, gebildet und streitbar gewährt der widersprüchlichste deutsche Intellektuelle seiner Generation tiefe Einblicke in sein persönliches Universum zwischen Hamburg und Berlin. Ein Muss für alle, die die Entwicklung Deutschlands und seiner Gesellschaft in den frühen 2000ern aus erster Hand nachvollziehen wollen.










