Eine tief berührende Geschichte, an die ich noch lange zurückdenken werde.
Kurz vorweg: Ich fand die Geschichte und das Schicksal Johannas, als auch das aller Frauen zu der Zeit sehr ergreifend. Aber ich glaube auch, dass sich viele Leser daran stören könnten wie die Frauen damals behandelt, ja sogar übergangen wurden. Die Autorin schreckt auch nicht vor recht grafischen, brutalen Szenen zurück. Also für zartbesaitete Leser eher nichts.Für mich als Mensch mit religiösem Trauma hat sich das Buch prima lesen lassen. Es geht weniger um biblische Themen, als um das Erlebte und die menschlichen Kontakte.Ich habe es verschlungen und jede Sekunde geliebt! Es blieb durchgehend spannend und die Autorin hat sich viele interessante Situationen, Orte und Charaktere ausgedacht, mit denen Johanna verwickelt wurde und die sie geprägt haben. Auch solche, die wirklich existiert haben. Die Nacherzählung von Donna W. Cross ist durchaus nicht historisch belegt, aber sie hat so gut recherchiert und schreibt so glaubwürdig, dass man sich direkt in das 9. Jahrhundert versetzt fühlt.Ich hätte auch gerne mehr über das Volk von Johannas Mutter und deren Heidenbräuche erfahren. Aber ich verstehe warum dies nicht weiter aufgegriffen wurde, da Johanna später vollkommen von christlichen Religiösen umgeben war. Obwhol sie Ihre Mutter und deren Herkunft nie vergessen hat.Was ich am meisten von "Die Päpstin" mitnehme ist wohl, dass die Menschen schon immer Macht wollten. Egal wie. Damals haben sie es durch die Kirche versucht, selbst wenn sie nicht unbedingt an den religiösen Aspekt geglaubt haben mochten. Heute geht man in die Politik. Das Prinzip bleibt das Gleiche. Es wird bestochen und betrogen und eigentlich geht es nur darum seine eigenen Taschen zu füllen.Aber manchmal kommt wie durch ein Wunder eine gute Seele an die Macht. Johanna war eine dieser guten Seelen. Ich fand es wunderschön, wie sehr sie sich im Roman für ihre Mitmenschen eingesetzt hat, obwohl, oder gerade weil, sie selbst so viel gelitten hat. Und wie intelligent sie war! Ihr unstillbarer Durst nach Wissen und Gerechtigkeit hat mich tief beeindruckt.Wie viele Frauen mögen sich über die Jahrhunderte wohl als Mann ausgegeben haben, nur um eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu haben?Ein absolutes Highlight in meinem bisherigen Lesejahr. Ich freue mich schon darauf wenn ich es das nächste Mal lese.